Wir behandeln unsere Kinder schlecht - andere Kulturen machen es besser.



Eine Internetnotiz - ein Tipp für Eltern - brachte mich auf die Idee, mal zu googeln, was da so für Tipps gegeben werden. Ich habe ein paar ausgesucht (von sehr frequentierten Seiten mit hohem Pageranking) und sie den Fakten eines matriarchal lebendem, afrikanischen Stammes gegenübergestellt.

“Wenn Eltern ihr Kind einer anderen Pflegeperson anvertrauen müssen, fühlen sie sich häufig verlassen, traurig und ängstlich. Laut Ellen Galinsky fühlen wir uns als Beschützer unserer Kinder. Wer uns bei der Betreuung hilft, tritt mit uns - bewusst oder unbewusst - in Konkurrenz.” (Quelle: Tipps für Eltern)

“Im Dorf, wo alle Vater oder Mutter eines jeden Kindes sind, wissen sie, dass sie allen Dorfbewohnern trauen und auf sie zählen können. Wenn viele Menschen Eltern eines Kindes sind, kann das Kind zu jeder und jedem gehen und einfach dasitzen und reden. Alle im Dorfe wissen, was im Leben jedes einzelnen Kindes vor sich geht - es gibt keine Geheimnisse.” (aus Somé: “In unserer Mitte”)

“Ist Ihr Kind oft verträumt und unkonzentriert, gleichen Zimmer, Wohnung und Schultasche eher einem Schlachtfeld, startet der Morgen regelmäßig turbulent und chaotisch, werden Hausaufgaben zur stundenlangen Qual und geht vieles trotz bester Absichten immer wieder schief?” (Quelle: Was ist ADHS?)

“In unserem Dorf kennen die Kinder ihre Identität und ihr Lebensziel schon vor der Geburt. Während ihres ganzen Lebens stärkt die Gemeinschaft ihre Identität. Dadurch wissen sie, wer sie sind, und verlieren ihre Lebensaufgabe nicht aus den Augen. Unsere Identität und unser Lebensziel sind eng miteinander verbunden und in unserem Namen zusammengefasst.” (Somé, In unserer Mitte)

“Fast jeder Erwachsene, der an die eigene Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich auch an das Gefühl der Angst und Not vor Klassenarbeiten.” (Quelle: kidnet)

Angst und Not bei Kindern - eine Selbstverständlichkeit; niemand schreit “ALARM”!

“Wie viele Kinder heute heikel sind, zeigt eine dänische Untersuchung. Demnach muss heute jedes dritte Kind im ersten Schuljahr als “heikel” definiert werden. Dabei wurde der Begriff “heikel” bei der Untersuchung genau festgelegt: Wenn ein Kind nur wenige Lebensmittel akzeptiert, die Liste mit den ungeliebten Lebensmitteln jedoch sehr lang ist, dann ist es heikel. Wenn es dagegen nur einige, wenige Sachen nicht mag, dann ist der Begriff nicht anzuwenden.” (Quelle: Chefkoch.de Magazin: Wenn Suppenkaspar das Sagen hat)

Und niemand fragt, warum diese Kinder “heikel” sind. Warum lassen Eltern es zu, dass Kinder mit einem stigmatisierenden Etikett versehen werden?

“Die Gemeinschaft stellt ein sicheres Gefäß dar, in das die einzelnen ihre Gaben einbringen können. Sie ist auch wie ein Markt, wo die einzelnen ihre Gaben anbieten können - in der Gewissheit, dass sie von Menschen, die sie brauchen und schätzen, entgegengenommen werden - und gleichzeitig die Gaben und Talente anderer empfangen können.” (aus Somé, In unserer Mitte)


Blogger-Know-How: Diesen Text zu recherchieren hat mich nicht mehr als 10 Minuten gekostet: “Tipps für Eltern” googeln, die Seiten mit viel Schrott werden gleich ganz oben gelistet, 4 -5 davon aufrufen, mit einem guten Internet-Feature die entsprechenden Stellen markieren, kommentieren, bookmarken und bloggen. Die Kommentare stammen aus nur einem populären Buch, das von einer Stammesangehörigen der Dagara geschrieben wurde. Ich konnte es irgendwo aufschlagen und fand gleich eine passende Stelle.

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