Wanderungen ausgehungerter Völker: Die Kurgan-Leute

Klimakatastrophen haben immer wieder Veränderungen auf unserem Planeten verursacht. Kleinere und größere Sippen oder Stämme sind dabei untergegangen. Ein paar Mal war die Menschheit nahe daran ganz auszusterben.

Extreme Hungersnot zwingt Menschen zu Verhaltensweisen, wie ich sie bereits angerissen habe. Dies geschah nachweislich im Saharasia-Gebiet, aber auch andernorts.

Die beiden Hauptregionen von Saharasia waren Arabien und Zentral-Asien. Von dort aus wurden wiederholt Wanderungen zu feuchteren Gebieten unternommen.

In Arabien begannen die Einfälle semitischer Krieger-Nomaden ca. 4000 v.u.Z. Sie drangen Richtung Osten in Territorien mit sicherem Wasservorrat ein, also in die Feuchtgebiete entlang der Wüstengrenzen, die sich immer weiter verschoben. Die Invasionen gingen über Jahrtausende, die jüngsten waren die der islamisch-arabischen Armeen so um 650 und 1000. (Islamische Invasion)

In Zentral-Asien begann die Trockenperiode ab 4000 v.u.Z. und verschiedene Krieger-Nomaden, genannt „Indo-Arier“, fielen ebenfalls in Gebiete mit ausreichend Wasser ein. Sie kamen mit fortschreitender Austrocknung nach und nach in Gruppen, und eroberten die Feuchtgebiete, die an die Wüste angrenzten.

Diese Bewegung breitete sich nach Westen in Richtung Vorderasien und später nach Ost-Europa aus. Zu den ersten westwärts drängenden arischen Kriegergruppen gehörten die Kurgan– und die Streit-Axt-Leute, und über die Jahrhunderte, bzw. Jahrtausende kamen dann die Skythen, Hunnen, Mongolen und Türken hinzu, um nur einige mit Namen zu nennen.

Semitische und indoarische Völker – ihre jüngeren Abkömmlinge sind die Araber und Mongolen/Türken – dominierten mit der Zeit die Saharasia-Landschaft und ihre Grenzgebiete.

Kurgan-Kultur

Der Begriff Kurgankultur wurde von der Archäologin Marija Gimbutas 1956 für eine proto-indoeuropäische Kultur eingeführt, die sich zwischen 5000 bis 3000 während der Austrocknung der Feuchtgebiete in Südrussland, von Dnjepr, Donez, Don und Wolga nördlich über das Kaspische Meer bis zum Ural ausbreitete (siehe Abbildung).

Typisch für diese Menschen waren die Hügelgräber, in denen sie ihre Toten bestatteten. Solch ein Hügel wird als Kurgan bezeichnet. Die hungernden Kurgan-Leute brachten in die bäuerlichen Gesellschaften, die sie vorfanden, außer dem Hirtentum, der patriarchalen Lebensweise und aggressivem Kampfgeist auch die indoeuropäische Sprache mit.

Abb. Die Ausbreitung der Kurgan-Kultur in Wellen

Durch Steppen- und Wüstenbildung östlich des Kaspischen Meeres und die folgenden traumatischen Hungersnöte (vgl. vorige Beiträge dieser Serie) waren die Kurganleute zu Wanderungen in westlichere, regenreichere Gebiete gezwungen.

Als Folge langer Dürreperioden, die moderne Geologen nachweisen konnten, schwappten die Kurganeinflüsse in drei Wellen auf die Gebiete des Alten Europa über:

  • Phase I um 4400-4300
  • Phase II um 3500
  • Phase III unmittelbar nach 3000
  • Eine vierte Welle stieß ca. 2500 – 2200 ins Niltal vor.

Diese Chronologie bezieht sich nicht auf die Entwicklung einer einzigen Kulturgruppe, sondern auf eine Reihe von Steppenvölkern mit einer gemeinsamen Tradition, die sich über sehr weite Zeiträume und Gebiete erstreckte.

Diese kriegerisch, patriarchal und hierarchisch ausgerichtete Kultur lebte von ausgedehnter Weidewirtschaft und betrieb Ackerbau nur in Ansätzen. Die nicht auf Dauer angelegten Siedlungen bestanden aus halb in die Erde eingelassenen Behausungen. (Im Russischen ist die Bezeichnung für Kurgan Yamna oder Jamna, was Grube bedeutet.)

Die Bestattungen dieser Gemeinschaften belegen einen erstaunlichen Reichtum der Stammesfürsten. Diese waren überwiegend männlich; es wurden aber auch Gräber von hoch stehenden, weiblichen Kriegern mit äußerst wertvoller Ausstattung gefunden, allerdings nicht so häufig. Manche enthielten tausende von kunstvoll verarbeiteten Beigaben aus purem Gold in einem einzelnen Grab.


Abb. Vorstoß der ersten Kurgan-Welle nach Ostmitteleuropa, ca. 4400 v.u.Z.
Roter Pfeil: Weg der Kurganvölker
Gestrichelter Pfeil: Völker des Alten Europa weichen aus und wandern weiter
Gelb: heutige Ausgrabungsorte der damaligen Kulturen

12 Kommentare

  • Die Entstehung des Patriarchats könnte man sich doch aber auch anders vorstellen. Zum Beispiel so:
    Die technische Entwicklung ermöglicht die Produktion von Überfluss. Es wird also mehr produziert, als die Menschen zum überleben brauchen. Die Frage ist nun, was geschieht mit diesem „Mehr“ (Mehrwert)? Es gibt mehrere Möglichkeiten:
    – das Mehr wird an alle Bedürftigen gleichermaßen verteilt und jede/r entscheidet selbst was er/sie damit macht
    – die allgemeine Arbeitszeit wird reduziert, sodass wieder genausoviel (aber effizienter) produziert wird wie „vorher“
    – eine kleine Minderheit eignet sich den Mehrwert an und versucht, sich daraus Vorteile zu verschaffen (Herausbildung einer Art „Adel“) – zum Beispiel die Macht über Nahrungsreserven in Krisenzeiten. Wächter werden eingesetzt, Steuern erlassen ….

    Diese Ideen habe ich auf einem Seminar des http://www.Kalkwerk.com gehört – und finde sie bemerkenswert passend, auch in heutiger Zeit. So können wir uns quasi augenblicklich daranmachen, Matriarchat zu schaffen.

    diannes letzter Blog-Beitrag…becoming german

  • Danke Dianne für deinen Einwand! Ich würde dem gerne nachgehen.

    Du schreibst „Die technische Entwicklung ermöglicht die Produktion von Überfluss.“
    Welche technische Entwicklung wann und wo? Und wer war beteiligt?
    Wenn diese Hypothese nicht konkret ist, kann man die Argumentationskette nicht verstehen.

  • @Hannelore – naja, ich kann das jetzt nicht mit konkreten Beispielen belegen. Ich denke ganz allgemein an Zeiten des Überflusses, vielleicht wurden neue, ertragreichere Pflanzensorten gezüchtet oder effektivere Bewässerungssysteme entwickelt. Die tendenzielle Weiterentwicklung der Produktivität entspringt denke ich mal menschlichem Spieltrieb, Kreativität und dem Hang nach Bequemlichkeit und lässt sich ja in vielen Gesellschaften beobachten. Vielleicht geschieht das einfach immer wieder im Laufe der Menschheitsgeschichte – die Entscheidung für oder gegen matriarchale Lebensweisen. Damals könnte diese Überflussgesellschaft beispielsweise im „Garten Eden“ – also im Land zwischen Euphrat und Tigris gelegen haben, oder an den Ufern des Nils … oder wie auf der Karte zu sehen an den fruchtbaren Ufern des kaspischen Meeres.

    diannes letzter Blog-Beitrag…soll das alles gewesen sein?

  • @dianne – Ah ja, ich verstehe. Du wirst sehen, ich beschreibe jeden Einzelschritt, zusammen mit den Merkmalen des Patriarchats.
    Eine klare, allgemein bekannte Definition von Patriarchat gibt es ja nicht. Also muss das mit rein.

    Ich weiß, es geht langsam, aber ich kürze mein fertiges Material sehr, sehr stark für das Blog. Z.B. die vielen langen Fußnoten, auf möglichst 2 Worte. D.h. im Prinzip neu schreiben.
    Bisschen Geduld 😉

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  • Inzwischen gibt es recht viele Rechercheure für Geschichte. Im Zuge meiner Recherchen über „Merowinger“ bin ich auf eine Buchreihe des Autoren Reinhard Schmoeckel gestoßen, der sich insbesondere mit den Sarmaten befasst hat http://www.sarmaten-in-europa.de/ – Wäre diese Einwanderungs-Welle ab etwa 350 n. Christus eine weitere Welle oder eine Welle, die voreilig in eine andere Zeit vorverlegt wurde. Dr. Reinhard Schmoeckel macht den Eindruck sich sehr gut mit sarmatischen Pferdegräbern auszukennen und unterscheiden zu können, welche Sarmatischen Ursprungs sind (ggfs. Kurgan-Volk).
    Die Überlegungen, dass Völker von sesshaft zu Nomaden wurden, weil Lebensräume zerstört wurden (Überschwemmungen, Dürre …) also Lebensgrundlagen neu gesucht werden mussten, passt in meine Überlegungen zur „Urklage“ und zum ab einer Zeit beginnendem „Raub der Me’s“ / Mutter-Essencen – http://genialecomunikation.blogspot.de/2015/01/raub-der-mutter-essencen-hat-methode.html

    • Hannelore Vonier

      Vielen Dank für die Links. Ich liebe die Bücher von Reinhard Schmoeckel, habe aber nicht alle gelesen.

  • Andreas Götzelmann

    Vielen Dank für Ihren Beitrag – zu diesem Thema – über die Wandlung der Menschheit – vom Matriarchat zum Patriarchat – und die Konsequenzen für die menschliche Psyche und Seele – gibt es ein Buch: Steve Tayler, Der Fall, Vom Goldenen Zeitalter über 6000 Jahre Niedergang zu einem neuen Bewußtsein, Sphinx Verlag

    vielen Dank für Ihre Inspirierenden Gedanken

    Andreas Götzelmann

  • Andreas Götzelmann

    Ah Hannelore – vielen Dank für Deine Antwort – ich freue mich besonders, weil es das erste Mal ist, daß ich spontan auf einen Beitrag im Netz antworte (garnicht wissend ob hinter der Adresse auch ein Mensch lebt) – schön wäre von Dir zu hören was das Buch mit Dir gemacht hat und ob es Sichtweisen eröffnet hat, die es Wert sind angesehen zu werden

    Herzliche Grüße

    Andreas

    • Hannelore Vonier

      Das wird noch eine Weile dauern, es braucht mindestens 14 Tage bis ich das Buch bekomme (ich lebe in Florida). Erinnere mich bitte in etwa einem Monat, falls du daran denkst.

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