Naturvölker und Web 2.0: Videosharing

Videosharing

Dieser Comic war heute morgen in unserer Tageszeitung. Ich musste schmunzeln und mir wurde gleichzeitig bewusst, dass da eine lange Geschichte erzählt wird!

Was geschieht, wenn das Private öffentlich wird? Bei Naturvölkern gibt es nichts Privates in unserem Sinn. Man kann sich zurückziehen, Zeit allein verbringen. Aber man hat nichts zu verbergen, hält nichts vor anderen zurück und es gibt keine Privilegien. Bei afrikanischen Stämmen ist es üblich sich morgens vor den Hütten zu treffen und sich gegenseitig die Träume der letzten Nacht zu erzählen. Etwas Intimeres als die eigenen Träume gibt es kaum. Stammesgemeinschaften teilen und teilen mit.

Das Patriarchat kann unter anderem deshalb existieren, weil es „das Private“ gibt. Privateigentum, Privatleben, Privatangelegenheit u. ~sache, Privatsphäre, Privatvergnügen, Privatzweck…

Das Wort privat geht zurück auf Privileg „Vorrecht“, und beides leitet sich von der indogermanischen Wurzel nem– ab, was „biegen“ bedeutet. Das altindische námas– entspricht dem altvedischen nǝmah– für „Verbeugung = Verehrung, Huldigung“, aindisch námati „beugt sich, neigt sich, beugt, biegt“. Im Zuge der patriarchalen Herrschaftsbildung änderte sich die Bedeutung des altirischen nemed für „Heiligtum“ (das man verehrt) zu „Privileg, privilegierte Person“ und im 16 Jh. wurde privat aus lateinisch privatus, „vom Staat abgesondert, ohne Amt für sich lebend“ ins Deutsche entlehnt. Ein Privileg war und ist also ein wirkliches durch die Staatsgewalt begründetes Recht und steht im Gegensatz zu jederzeit widerruflichen Konzessionen.

Durch Privatheit ist Kriminalität überhaupt nur möglich: Menschenhändler können Personen gegen ihren Willen in Wohnungen einsperren; Kinder sind gewalttätigen Eltern und Aufsichtspersonen ausgeliefert. Häusliche Gewalt in jeder Form blüht auf im Privatbereich.

Was die Nachbarn tun und lassen, geht uns nichts an, richtig? Das ist deren Privatsache. Ein Spruch lautet: „Jeder hat eine Leiche im Keller“, ja im Privatkeller, versteht sich.

Privatangelegenheiten sind dem Patriarchat heilig. Das war richtig bis vor ca. 3 Jahren. Digitale Geräte wie Fotokameras und Fotohandys, mit denen man filmen kann und hochwertige Videokameras zu erschwinglichen Preisen eroberten damals den Massenmarkt und im Februar 2005 ging YouTube online. Dieses und ähnliche Videoportale boten eine kostenlose Plattform um selbstgemachte Videoclips der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Aber alles das macht noch keinen Unterschied in einer Gesellschaft, in der Gewalttaten im eigenen Umfeld geduldet werden. Man mischt sich nicht ein, wenn man auf der Seite der Täter steht oder deren Handeln duldet oder glaubt dulden zu müssen.

Einen Unterschied machen videofähige Geräte in den Händen der Schwachen. In den Händen von Kindern und Jugendlichen, von Gemobbten, von verprügelten Frauen, von Ausgebeuteten in Firmen oder Drittländern, bzw. von couragierten Helfern.

Nicht das Video als Beweismittel für juristische und polizeiliche Maßnahmen ist der Clou, sondern das Video, das auf Youtube erscheint! Es lässt nämlich alle wissen, wer sich mit wem heute morgen im Bus geprügelt hat, wie und warum. Jeder, der es sieht kann sich selbst ein Bild davon machen.

Lügen haben ausgedient. Alles wird öffentlich, alles kommt ans Licht.

Das hat nichts mit den Überwachungsgelüsten bestimmter Politiker zu tun, denn die sollen ja dazu dienen, die BürgerInnen in Schach zu halten (Wer die Macht haben will, weiß nie genug). Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Scheinheilige Politiker, bigotte Eltern oder Kinderschänder, die Zwang ausüben, können nicht mehr sicher sein.

Mit dem Aufdecken von Gesetzeswidrigkeiten hat das alles nichts zu tun. Sondern damit, dass die Menschen sich kennen lernen. Gegen viele destruktive und asoziale Verhaltensweisen gibt es gar keine Gesetze. Unethisches Verhalten ist in der Rechtsprechung kein Thema, dafür gelten Zwangs- und Doppelmoral.

Wir lernen Herrn Müller und Frau Meier von nebenan ganz privat kennen. Auf Youtube und Co.

16 Kommentare

  • ursula

    ups…. muss doch erst einmal schlucken
    privates öffentlich sichtbar für jeden… fühlt sich an, wie ausgeliefert sein, nackt sein im Sinne von schutzlos – gleichwohl, wenn ich von den Stammesvölkern lese, fühle ich mich wohlig geschützt im sicheren "Raum" gleich Umfeld.
    Zwiespalt macht sich da in mir breit und eine für mich spürbare Angst.
    Wo Zwiespalt und Angst sichtbar werden lohnt es sich zu forschen, woher dies kommt. Sobald sie auftauchen, kann ich anfangen Ursachenforschung zu betreiben, den Dingen auf den Grund gehen.
    Auf der einen Seite die verharmlosung von Überwachung durch Videos, auf der anderen Seite die Möglichkeit Unterdrückung und Gewalt öffentlich zu machen. Und doch bleibt in mir der Zweifel, da das Patriarchat die Medien und ebenso das Internet immer stärker zu überwachen – zu kontrollieren. Vielleicht überwiegt aber nur meine eigene Angst und vielleicht liegt genau da der Grund, dass erpresst und manipuliert werden kann. Vielleicht ist der Schlüssel zu allem einfach die Angst zu überwinden!

  • ursula

    ups…. muss doch erst einmal schlucken
    privates öffentlich sichtbar für jeden… fühlt sich an, wie ausgeliefert sein, nackt sein im Sinne von schutzlos – gleichwohl, wenn ich von den Stammesvölkern lese, fühle ich mich wohlig geschützt im sicheren "Raum" gleich Umfeld.
    Zwiespalt macht sich da in mir breit und eine für mich spürbare Angst.
    Wo Zwiespalt und Angst sichtbar werden lohnt es sich zu forschen, woher dies kommt. Sobald sie auftauchen, kann ich anfangen Ursachenforschung zu betreiben, den Dingen auf den Grund gehen.
    Auf der einen Seite die verharmlosung von Überwachung durch Videos, auf der anderen Seite die Möglichkeit Unterdrückung und Gewalt öffentlich zu machen. Und doch bleibt in mir der Zweifel, da das Patriarchat die Medien und ebenso das Internet immer stärker zu überwachen – zu kontrollieren. Vielleicht überwiegt aber nur meine eigene Angst und vielleicht liegt genau da der Grund, dass erpresst und manipuliert werden kann. Vielleicht ist der Schlüssel zu allem einfach die Angst zu überwinden!

  • ursula

    ups…. muss doch erst einmal schlucken
    privates öffentlich sichtbar für jeden… fühlt sich an, wie ausgeliefert sein, nackt sein im Sinne von schutzlos – gleichwohl, wenn ich von den Stammesvölkern lese, fühle ich mich wohlig geschützt im sicheren "Raum" gleich Umfeld.
    Zwiespalt macht sich da in mir breit und eine für mich spürbare Angst.
    Wo Zwiespalt und Angst sichtbar werden lohnt es sich zu forschen, woher dies kommt. Sobald sie auftauchen, kann ich anfangen Ursachenforschung zu betreiben, den Dingen auf den Grund gehen.
    Auf der einen Seite die verharmlosung von Überwachung durch Videos, auf der anderen Seite die Möglichkeit Unterdrückung und Gewalt öffentlich zu machen. Und doch bleibt in mir der Zweifel, da das Patriarchat die Medien und ebenso das Internet immer stärker zu überwachen – zu kontrollieren. Vielleicht überwiegt aber nur meine eigene Angst und vielleicht liegt genau da der Grund, dass erpresst und manipuliert werden kann. Vielleicht ist der Schlüssel zu allem einfach die Angst zu überwinden!

  • Sehr interessant! Jetzt bräuchten wir nur noch eine Möglichkeit einerseits der Datensammelwut der Mächtigen zu entgehen und andererseits diese neue Offenheit dennoch praktizieren zu können.

    Ich sammel gerade ein paar Notizen zum Thema "Dialektik des Datenschutzes". Vielleicht weiss jemand noch was interessantes:

  • Pingback: Elefant2

  • Bernd Hercksen

    Videofilme scheinen mir kein Patentrezept zu sein, um Schandtaten aus dem Dunkel der Privatheit ins helle Licht der Öffentlichkeit zu holen. Diese Öffentlichkeit ist selbst schon patriarchal pervertiert und degeneriert und konsumiert die Aufnahmen von Schlägereien in Schulbussen als interessanten Nervenkitzel, weil sie anders als in den überschaubaren Lebenszusammenhängen des Matriarchats die Betreffenden sowieso nicht kennt. Wenn keine matriarchale Moral des Mitgefühls und der Fürsorglichkeit existiert, verkehrt sich die Veröffentlichung des Privaten ins Gegenteil. Der im Schulbus Geschlagene oder Unterlegene wird dann durch Youtube bei seinen Klassenkameraden und Freunden zusätzlich gedemütigt werden. Außerdem zeigt fast kein Film die Realität, wie sie wirklich ist, sondern nur einen Ausschnitt. Zeigt er nur die Schlägerei, dann weiß man nicht, wie der Konflikt entstanden ist.
    Deswegen müssen Lebensverhältnisse erst noch geschaffen werden, in denen Menschen ihr Innerstes nach außen kehren können, weil niemand ihnen einen Strick daraus dreht.

  • Bernd Hercksen

    Videofilme scheinen mir kein Patentrezept zu sein, um Schandtaten aus dem Dunkel der Privatheit ins helle Licht der Öffentlichkeit zu holen. Diese Öffentlichkeit ist selbst schon patriarchal pervertiert und degeneriert und konsumiert die Aufnahmen von Schlägereien in Schulbussen als interessanten Nervenkitzel, weil sie anders als in den überschaubaren Lebenszusammenhängen des Matriarchats die Betreffenden sowieso nicht kennt. Wenn keine matriarchale Moral des Mitgefühls und der Fürsorglichkeit existiert, verkehrt sich die Veröffentlichung des Privaten ins Gegenteil. Der im Schulbus Geschlagene oder Unterlegene wird dann durch Youtube bei seinen Klassenkameraden und Freunden zusätzlich gedemütigt werden. Außerdem zeigt fast kein Film die Realität, wie sie wirklich ist, sondern nur einen Ausschnitt. Zeigt er nur die Schlägerei, dann weiß man nicht, wie der Konflikt entstanden ist.
    Deswegen müssen Lebensverhältnisse erst noch geschaffen werden, in denen Menschen ihr Innerstes nach außen kehren können, weil niemand ihnen einen Strick daraus dreht.

  • Bernd Hercksen

    Videofilme scheinen mir kein Patentrezept zu sein, um Schandtaten aus dem Dunkel der Privatheit ins helle Licht der Öffentlichkeit zu holen. Diese Öffentlichkeit ist selbst schon patriarchal pervertiert und degeneriert und konsumiert die Aufnahmen von Schlägereien in Schulbussen als interessanten Nervenkitzel, weil sie anders als in den überschaubaren Lebenszusammenhängen des Matriarchats die Betreffenden sowieso nicht kennt. Wenn keine matriarchale Moral des Mitgefühls und der Fürsorglichkeit existiert, verkehrt sich die Veröffentlichung des Privaten ins Gegenteil. Der im Schulbus Geschlagene oder Unterlegene wird dann durch Youtube bei seinen Klassenkameraden und Freunden zusätzlich gedemütigt werden. Außerdem zeigt fast kein Film die Realität, wie sie wirklich ist, sondern nur einen Ausschnitt. Zeigt er nur die Schlägerei, dann weiß man nicht, wie der Konflikt entstanden ist.
    Deswegen müssen Lebensverhältnisse erst noch geschaffen werden, in denen Menschen ihr Innerstes nach außen kehren können, weil niemand ihnen einen Strick daraus dreht.

  • Sehr interessant! Jetzt bräuchten wir nur noch eine Möglichkeit einerseits der Datensammelwut der Mächtigen zu entgehen und andererseits diese neue Offenheit dennoch praktizieren zu können.

    Ich sammel gerade ein paar Notizen zum Thema "Dialektik des Datenschutzes". Vielleicht weiss jemand noch was interessantes:

  • Sehr interessant! Jetzt bräuchten wir nur noch eine Möglichkeit einerseits der Datensammelwut der Mächtigen zu entgehen und andererseits diese neue Offenheit dennoch praktizieren zu können.

    Ich sammel gerade ein paar Notizen zum Thema "Dialektik des Datenschutzes". Vielleicht weiss jemand noch was interessantes:

  • richard

    "… können nicht mehr sicher sein!"

    Vor was? Vor der Norm, dem Normalen, der Moral?
    Welcher Moral? Moral der Sieger? Moral der Mehrheit?
    Deiner Moral? Meiner Moral? Das hört sich an nach dem Ruf der ordnenden Staatsmacht, Ungerechtigkeiten zu ahnden.

    Privates wurde/wird immer nur Vertrauten offenbart,
    Das sind heutzutage Familien/Freunde, waren früher wahrscheinlich Sippen oder zumindest Teile von Sippen.
    Aber anderen Sippen wohl kaum!!!!!. Die Offenbarung vor Millionen wird wohl selten Sinn haben.

  • richard

    "… können nicht mehr sicher sein!"

    Vor was? Vor der Norm, dem Normalen, der Moral?
    Welcher Moral? Moral der Sieger? Moral der Mehrheit?
    Deiner Moral? Meiner Moral? Das hört sich an nach dem Ruf der ordnenden Staatsmacht, Ungerechtigkeiten zu ahnden.

    Privates wurde/wird immer nur Vertrauten offenbart,
    Das sind heutzutage Familien/Freunde, waren früher wahrscheinlich Sippen oder zumindest Teile von Sippen.
    Aber anderen Sippen wohl kaum!!!!!. Die Offenbarung vor Millionen wird wohl selten Sinn haben.

  • richard

    "… können nicht mehr sicher sein!"

    Vor was? Vor der Norm, dem Normalen, der Moral?
    Welcher Moral? Moral der Sieger? Moral der Mehrheit?
    Deiner Moral? Meiner Moral? Das hört sich an nach dem Ruf der ordnenden Staatsmacht, Ungerechtigkeiten zu ahnden.

    Privates wurde/wird immer nur Vertrauten offenbart,
    Das sind heutzutage Familien/Freunde, waren früher wahrscheinlich Sippen oder zumindest Teile von Sippen.
    Aber anderen Sippen wohl kaum!!!!!. Die Offenbarung vor Millionen wird wohl selten Sinn haben.

  • Ein erfrischender, zum Nachdenken anregender Beitrag!! Ich trete selber seit Langem für weniger Angst und mehr Offenheit im "Sich-zeigen" ein, bin aber von einem (für mich aus heutiger Sicht) allzu idealistischen Absolutheitsanspruch abgekommen. Viele Mitmenschen konsumieren Privates aus bloßem sensationsgeilem Voyeurismus und anderen "niederen Beweggründen". Als Beispiel seien mal diverse Privatsender im TV genannt, die sich einen einträglichen Spass daraus machen, allerlei vom sogenannt "Normalen" Abweichende einem schadenfreudig gröhlenden Publikum vorzuführen – ätzend! Die Menschenwürde bleibt dabei komplett auf der Strecke.
    Ich bin nun 53 und meine, uns Menschen ausreichend zu kennen – im Guten, aber auch im Schlechten. Und ich schätze an der Privatheit und städtischen Anonymität, dass ich durch sie von der ständigen Konfrontation mit dem "allzu Menschlichen" meiner Nachbarn und Mitbürger verschont bleibe.
    "Stadtluft macht frei" hatte und hat die Bedeutung, dass man einander in Ruhe lässt und allenfalls bei Straftaten einschreitet, bzw. die staatlichen Organe in Bewegung setzt, die uns das abnehmen (wofür wir ja Steuern zahlen). Ich sehne mich nicht zurück nach den engen Familien- und Stammesclans, in denen jeder Schritt jedem bekannt ist – nicht grundlos fliehen die Menschen weltweit das Land und ziehen in die anonymen Städte. Gerade war ich über 5 Wochen in Kambodscha und konnte dort wieder sehen, wie befreiend die "Clan-Ferne" auf die jungen Menschen wirkt, wenn sie sich vom Reisbauern-Dasein abseilen und ein Leben in der Stadt beginnen. Individuelle Freiheiten, die für uns ganz selbstverständlich sind, gewinnen sie erst durch diesen Schritt ins anonymere "leben und leben lassen" der Großstadt – was ich ihnen herzlich gönne!

  • Ein erfrischender, zum Nachdenken anregender Beitrag!! Ich trete selber seit Langem für weniger Angst und mehr Offenheit im "Sich-zeigen" ein, bin aber von einem (für mich aus heutiger Sicht) allzu idealistischen Absolutheitsanspruch abgekommen. Viele Mitmenschen konsumieren Privates aus bloßem sensationsgeilem Voyeurismus und anderen "niederen Beweggründen". Als Beispiel seien mal diverse Privatsender im TV genannt, die sich einen einträglichen Spass daraus machen, allerlei vom sogenannt "Normalen" Abweichende einem schadenfreudig gröhlenden Publikum vorzuführen – ätzend! Die Menschenwürde bleibt dabei komplett auf der Strecke.
    Ich bin nun 53 und meine, uns Menschen ausreichend zu kennen – im Guten, aber auch im Schlechten. Und ich schätze an der Privatheit und städtischen Anonymität, dass ich durch sie von der ständigen Konfrontation mit dem "allzu Menschlichen" meiner Nachbarn und Mitbürger verschont bleibe.
    "Stadtluft macht frei" hatte und hat die Bedeutung, dass man einander in Ruhe lässt und allenfalls bei Straftaten einschreitet, bzw. die staatlichen Organe in Bewegung setzt, die uns das abnehmen (wofür wir ja Steuern zahlen). Ich sehne mich nicht zurück nach den engen Familien- und Stammesclans, in denen jeder Schritt jedem bekannt ist – nicht grundlos fliehen die Menschen weltweit das Land und ziehen in die anonymen Städte. Gerade war ich über 5 Wochen in Kambodscha und konnte dort wieder sehen, wie befreiend die "Clan-Ferne" auf die jungen Menschen wirkt, wenn sie sich vom Reisbauern-Dasein abseilen und ein Leben in der Stadt beginnen. Individuelle Freiheiten, die für uns ganz selbstverständlich sind, gewinnen sie erst durch diesen Schritt ins anonymere "leben und leben lassen" der Großstadt – was ich ihnen herzlich gönne!

  • Ein erfrischender, zum Nachdenken anregender Beitrag!! Ich trete selber seit Langem für weniger Angst und mehr Offenheit im "Sich-zeigen" ein, bin aber von einem (für mich aus heutiger Sicht) allzu idealistischen Absolutheitsanspruch abgekommen. Viele Mitmenschen konsumieren Privates aus bloßem sensationsgeilem Voyeurismus und anderen "niederen Beweggründen". Als Beispiel seien mal diverse Privatsender im TV genannt, die sich einen einträglichen Spass daraus machen, allerlei vom sogenannt "Normalen" Abweichende einem schadenfreudig gröhlenden Publikum vorzuführen – ätzend! Die Menschenwürde bleibt dabei komplett auf der Strecke.
    Ich bin nun 53 und meine, uns Menschen ausreichend zu kennen – im Guten, aber auch im Schlechten. Und ich schätze an der Privatheit und städtischen Anonymität, dass ich durch sie von der ständigen Konfrontation mit dem "allzu Menschlichen" meiner Nachbarn und Mitbürger verschont bleibe.
    "Stadtluft macht frei" hatte und hat die Bedeutung, dass man einander in Ruhe lässt und allenfalls bei Straftaten einschreitet, bzw. die staatlichen Organe in Bewegung setzt, die uns das abnehmen (wofür wir ja Steuern zahlen). Ich sehne mich nicht zurück nach den engen Familien- und Stammesclans, in denen jeder Schritt jedem bekannt ist – nicht grundlos fliehen die Menschen weltweit das Land und ziehen in die anonymen Städte. Gerade war ich über 5 Wochen in Kambodscha und konnte dort wieder sehen, wie befreiend die "Clan-Ferne" auf die jungen Menschen wirkt, wenn sie sich vom Reisbauern-Dasein abseilen und ein Leben in der Stadt beginnen. Individuelle Freiheiten, die für uns ganz selbstverständlich sind, gewinnen sie erst durch diesen Schritt ins anonymere "leben und leben lassen" der Großstadt – was ich ihnen herzlich gönne!

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