Geisteshaltung; Einstellung

Zum Muttertag: Mutterkult und der Kampf gegen die Sexualität

Der Muttertag ist ein Feiertag der bürgerlichen Familie mitsamt ihrer Zwangsmoral. Dies ist der Ort, wo der Kampf gegen die Sexualität der Kinder und Jugendlichen stattfindet. Die monogame Kleinfamilie erwies sich bisher als die beste Institution, diesen Kampf auch erfolgreich durchzuführen.

Sexuelle Bedürfnisse drängen natürlicherweise zu jeder Art Berührung mit der Welt, zu innigem Kontakt mit ihr in den verschiedensten Formen. Matriarchale Völker zielen allein auf lustvolle Bindungen ab. In unserem Gesellschaftssystem werden diese Bedürfnisse unterdrückt, und so bleibt ihnen nur die Möglichkeit, sich im engen Familienrahmen zu betätigen.

Sexuelle Hemmung ist die Grundlage der Abkapselung der Familie: Die geschlossene Privatsphäre ist fundamental. Gleichzeitig ist sie die Grundlage des individualistischen Persönlichkeitsbewusstseins, etwas mit dem man sich identifiziert.

Man muss beachten, dass verklärend-esoterisches und familiär sentimentales Verhalten nur verschiedene Seiten ein und desselben Grundprozesses der Sexualverneinung sind. Ein der Wirklichkeit zugewandtes, unmystisches Denken sieht das “Konzept Familie” eher locker und asketische Sexualideologie ist ihm gleichgültig.

Die sexuelle Hemmung stellt daher das Mittel der Bindung an die autoritäre Familie dar. Der eigenständige Weg in die sexuelle Realität wird versperrt und die ursprüngliche biologische Bindung des Kindes an die Mutter wird zur unlösbaren sexuellen Fixierung und zur Unfähigkeit, andere Bindungen einzugehen.

Das Kind kann die sexuelle Anziehungskraft anderer Menschen nicht erfahren.

Im Kern der Familienbindung wirkt die Mutterbindung. Die Vorstellungen von Heimat und Nation sind in ihrem subjektiv-gefühlsmäßigen Kern Vorstellungen von Mutter und Familie.

Sowohl im Römischen als auch im Dritten Reich und bis in die Gegenwart hat die Mutter im Haushalt des pater familias die gleiche Funktion: Die Mutter ist die Heimat des Kindes und die Familie seine “Nation im Kleinen”.

Mutterkult gibt es nur im Patriarchat

So wird verständlich, aus welchem Grunde der Nationalsozialist Goebbels als Motto zu seinen zehn Geboten im nationalsozialistischen Volkskalender 1932 folgende Worte wählte, zweifellos ohne Kenntnis der tieferen Zusammenhänge:

“Die Heimat ist die Mutter Deines Lebens, vergiss das nie.”

Zum “Muttertag” 1933 hieß es im Angriff:

“Muttertag. Die nationale Revolution hat alles Kleinliche weggefegt! Ideen führen wieder und führen zusammen. - Familie, Gesellschaft, Volk. Die Idee des Muttertages ist dazu angetan, das zu ehren, was die deutsche Idee versinnbildlicht: Die deutsche Mutter! … Sie ist die Wahrerin eines Familienlebens, aus dem die Kräfte sprießen, die unser Volk wieder aufwärts führen sollen. Sie - die deutsche Mutter - ist die alleinige Trägerin deutschen Volksgedankens. Mit dem Begriff ‘Mutter’ ist ‘Deutschsein’ ewig verbunden - kann uns etwas enger zusammenführen als der Gedanke gemeinsamer Mutterehrung?”

So unwahr diese Sätze wirtschaftlich und sozial sind, so sehr treffen sie strukturell zu.

Wirtschaftlich unwahr, weil Mütter im ökonomischen Bereich störend sind. Firmeneigene Kinderkrippen, Schwangerschaften und Mutterschaftsurlaub stehen wirtschaftlichem Wachstum im Wege. Es ist für die Staatsökonomie, Unternehmen und Behörden billiger und unkomplizierter, wenn Mütter am Wirtschaftsleben nicht teilnehmen.

Sozial unwahr, weil Mütter im sozialen Leben keine Rolle spielen.

Aber Mütter (als Konzept) sind ein Merkmal der patriarchalen Gesellschaftsstruktur. Das nationalistische Empfinden, das Zugehörigkeitsgefühl zur Nation, ist demnach die direkte Folge der familiären Bindung und beides wurzelt in der nie gelösten, unbewusst verankerten Mutterbindung.

Das ist nicht biologisch auszulegen! Denn diese Mutterbindung ist selbst, soweit sie sich zu familiärer und nationalistischer Bindung fortentwickelt, gesellschaftliches Produkt. Sie würde ansonsten spätestens in der Pubertät anderen Bindungen - etwa natürlichen Sexualbeziehungen - Platz machen, wenn sie nicht durch die sexuellen Einschränkungen auf ewig bewahrt würde.

Erst in dieser durch die Gesellschaft motivierten Verewigung wird sie zur Grundlage des Nationalgefühls des erwachsenen Menschen, erst hier wird sie zu einer reaktionären gesellschaftlichen Kraft.

*

Der Text beruht vor allem auf den Forschungsergebnissen von Wilhelm Reich (siehe “Die Massenpsychologie des Faschismus“). Dass er aktuell bleibt, dafür sorgen die “Mütter der Nation”, die keineswegs emanzipierte Berufsfrauen sind, sondern Mütter auf einem “Sonderposten außerhalb der autoritären Kleinfamilie”. Bei Annesofia lese ich:

Marie-Luise Marjan, alias Mutter Beimer, findet, dass Angela Merkel “stolz” darauf sein müsse, dass sie in Mimik und Rhetorik Mutter Beimer immer mehr ähnele…

Mutti Beimer zieht das Fazit, dass Merkel deshalb stolz darauf sein müsse, weil: “Helga Beimer ist die Urmutter der Lindenstraße und ein Nationalheiligtum, seit mehr als 20 Jahren. Da muss Frau Merkel erst mal hinkommen.” Die vorige “Mutter der Nation” - war übrigens Inge Meisel…

Und genausowenig emanzipiert geht es an ganz anderer Stelle zu: Solidarisch für die sexuelle Unterdrückung, egal, wie und wo sie sich aus der kleinfamiliären Enge zu befreien sucht. Sucht? SehnSexsucht. Eigentlich müsste es heißen: Sexgesucht.

Sehnsucht nach lustvoller Beziehung

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Kommentare

2 Kommentare zu “Zum Muttertag: Mutterkult und der Kampf gegen die Sexualität”

  1. 1.  Undine | 12. Mai 2008, 03:21

    Den letzten Absatz verstehe ich nicht. “Solidarisch für die sexuelle Unterdrückung, egal, wie und wo sie sich aus der kleinfamiliären Enge zu befreien sucht.”

    Anmerkung HV: Das bezieht sich auf den Emma-Text, der über den Link in dem Absatz zu erreichen ist. Dort steht u.a. “…über die Hilflosigkeit der Ärzte darüber, wie ihn die Pornobilder beherrschten und warum er trotz Abstinenz immer süchtig bleiben wird.” Gerade wegen der Abstinenz haben die Männer ja Sehnsucht nach allem, was diese Sehnsucht vielleicht befriedigen könnte.

  2. 2.  Ursula | 14. Mai 2008, 23:27

    Den Muttertag für mich abzuschaffen beschloss ich Muttertag 1992, nach folgendem Erlebnis!
    Mein Sohn besuchte die 5.Klasse und meine Tochter die 3.Klasse! Meine Tochter bereitet den Frühstückstisch, hatte etwas selbst gebasteltes aus der Schule und mein Sohn hatte im Gegensatz zu den Kindergarten- und Grundschuljahren nix.
    Ich spürte, meine Tochter wollte natürlich dafür gelobt werden, dass sie eine so “BRAVE” Tochter war im Gegensatz zu ihrem Bruder… Doch ich kam gefühlsmäßig in Teufelsküche, da ich beide Kinder so annehmen wollte wie sie sind und sie nicht als “gesellschaftliche Produkte” schubladengerecht formen.
    Ich fühlte mich eingeengt, von dieser Wertung: Nur Kinder, die an Dich zu den Muttertagen, Geburtstagen, Weihnachten ect. an Dich denken sind “G U T E” Kinder… grrrrr
    Nach diesem Erlebnis habe ich mich von all dem gelöst und erlebt wie schwer es ist, sich diesen gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen. Meine Wertigkeit und mich geliebt fühlen mache ich nicht mehr davon abhängig, ob meine Kinder mich besuchen, mich anrufen oder sich bei mir melden…

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