Die Verwirrung war groß. Das zeigten die Reaktionen auf den Artikel “Was ist schlecht am Matriarchat?” - 18 Kommentare dazu konnte ich nicht freischalten, weil sie sich nicht auf den Text bezogen, der Inhalt falsch verstanden oder ignoriert wurde, manche beantworteten die Frage “Was ist schlecht am Patriarchat?” …
Was war passiert?
Undine von der Ostsee hat mit ihrem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen, hier ist er (zuerst den Artikel lesen, er ist kurz):
Nach allem, was ich über die Gesellschaft in die ich hineingeboren wurde gelernt habe, wird generell das Gegenteil gesagt, von dem, was gemeint wird.
So ist die Frage
Gibt es denn um Himmelswillen auch irgendwelche Schwachpunkte am Matriarchat, irgendwas, über das man herziehen und das man kritisieren könnte?
- diese Frage ist ein großes Kompliment an alle, die sich mit der Lebensweise Matriarchat beschäftigen.
Denn es meint:
Wow. Einfach umwerfend. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Es geht also auch so viel einfacher! Soviel weniger Schmerz! Wow! Muss das schön sein!
Das alles bedeutet diese Frage eigentlich, so klingt sie in meinen Ohren.
Was es so bitter macht, ist diese Bedeutung, die immer überall mit drinsteckt:
Cool, ihr habt eine Utopie (in diesem Fall Matriarchat) gefunden, und seid dabei, euch zu retten … aber leider, zu schade, das klappt nur weil ihr so außergewöhnlich spezielle Personen seid, wir, die Fragenden, werden auf immer unserem Patriarchat verhaftet bleiben, weil wir zu feige, oder auch schon zu kraftlos sind, um uns aus unseren Krankheiten zu befreien. Deshalb, bitte, gebt uns doch etwas woran wir uns trösten können. Sagt uns, dass das Matriarchat doch nicht das Gelbe vom Ei ist, das macht unser tägliches Leiden erträglicher.
Die, die so fragen, suchen meiner Meinung nach einfach nur Trost für ihr eigenes von fremder Angst gesteuertes Verhalten.
Sie suchen Absolution dafür, warum sie sich nicht für diese Utopie oder irgendeine andere einsetzen, sie wollen im voraus beweisen, dass das nur böse enden kann und die bestehende Welt doch die beste aller möglichen ist.
Sie suchen den süßen Trost, dass all ihre Leiden doch irgendwo einen höheren Sinn haben, aber diesen höheren Sinn gibt es nicht. Im Patriarchat leidet jeder nur für den unmittelbaren Vorteil eines anderen, niemals für eine ‘höhere Sache’, wie es dann immer dargestellt wird.
Diesen einen Trost kann ich euch sagen:
auch im Matriarchat ist das soziale Miteinander nur so angenehm, wie die Menschen. Hinterhältige Menschen sind auch im Matriarchat hinterhältig.
Der Unterschied ist nur, dass ihnen dann eine solche Verhaltensweise schaden würde, anstatt ihnen wie bei uns zu nützen. Ist es das, was soviel Angst macht?
Beiträge via RSS





2 Kommentare ↓
abgesehen davon, dass nur wenige sich eine andere gesellschaft als die existierende, mit unterdrückung, gewalt, herrschaft und schmerz, vorstellen können, ist die meinung eines allumfassenden, ewig und überall existierenden patriarchats anscheinend auch tröstlich (so nach dem motto: allen gehts gleich und ändern können wir nichts).
auch im wissenschaftlichen bereich musste ich die erfahrung machen, dass matriarchatsforschung lächerlich gemacht wird und eine ständigen rechtfertigung über dessen bestehen notwendig ist. gerade die postmodernen paradigmen sehen das heil in der verbesserung des patriarchats, indem sich frauen die vorhandenen strukturen zunutze machen sollen.
Veränderungen scheinen für die Menschen immer beängstigend zu sein, weil wir zunächst einmal nicht genau wissen, was auf uns zukommt. Massenhaft gibt es Leute, die ihre Leiden mit Pseudobegründungen versehen, um nichts ändern zu müssen, massenhaft aber auch solche, die doch auch Vorteile aus dem status quo ziehen, wie absurd ein solcher auch immer erscheinen mag.
Natürlich leben auch in matriarchalen Gesellschaften Menschen, und konfliktfrei wird es dort nicht zugehen, nur scheint es tatsächlich so als sei die Konfliktfähigkeit dort deutlich besser.
Müssen wir uns denn unbedingt mit denen befassen, die das Matriarchat nicht wollen? Wenn ich das Prinzip der Konsensdemokratie richtig verstehe, so trennt sich eine Gruppe von der anderen, wenn kein Konsens zu finden ist. Wir sollten uns lieber untereinander vernetzen als uns mit dem ewig Gestrigen herumzuärgern.
Schreib einen Kommentar
Dein Input ist wichtig. Kann kurz sein.
← Warum es wichtig ist, ab und zu den Fokus zu verändern
Ist die Wikipedia noch zu retten? →