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Transformationsblog

Naturkatastrophen – Warum wir die Natur verloren haben

Natur

Für die meisten ist es gar nicht einfach, sich mit der Natur zu verbinden und mit ihr in Harmonie (und gleichzeitig mit sich selbst) zu leben, so wie es die deshalb so genannten Naturvölker seit Jahrtausenden tun.
Warum?
In den christlichen Ländern lernen wir, dass wir von außerhalb der Natur kommen. Wir sollen glauben – und die meisten tun es auch – dass ein ‚Gott‘ die Natur zuerst in siebentägiger Arbeit erschaffen musste, bevor sie ‚da‘ war.

Adam und Eva kamen zuletzt und konnten in der Natur herum spazieren – das war das Paradies. Dort gab es  Tiere, Blumen und Bäume. Und Nacktheit war für die damaligen Naturkinder kein Problem.

Das Paradies mussten die Menschen aber wieder verlassen und landeten – voll bekleidet – in der Welt. So konnte man das Natürliche an den Mitmenschen nicht mehr sinnlich wahrnehmen: Nicht sehen, fühlen, schmecken,  riechen oder hören.

Diese  patriarchale Ideologie vermittelt, dass der Ursprung, unser Ursprung, woanders liegt, als in der Natur selbst und dass wir seit der Vertreibung nicht mehr Teil davon sind. Daher fühlen wir uns von allem Natürlichen abgegrenzt. Ja, wir wissen eigentlich nicht, was ‚Natur‘ bedeutet und was ihr eigen ist.

Dieses Weltbild unterscheidet uns von dem der Naturvölker.

Die Natur ‚wirtschaftet‘ anders, als wir denken

Unter dem Titel „Bilanz der Sturmschäden“ sagte seinerzeit der Sprecher in der Tagesschau (22.1.07) „…allein in Nordrhein-Westfalen knickte der Orkan … 25 Millionen Bäume um … größter jemals festgestellter Schaden dieser Art … Landesregierung sagte … finanzielle Unterstützung zu“.

Wer ist eigentlich der oder die Geschädigte? Die Natur folgt ganz anderen Gesetzen als unsere kapitalistischen Wirtschaftsregeln.
Ist es nicht eine Lektion für die menschliche Hybris, die zeigt, dass Menschen keine Bäume oder sonstigen Teile der Natur besitzen können?

Die wirkliche „Eigentümerin“ kann mit ihren Bäumen machen was sie will. Welchen Illusionen sitzen wir da auf?

Als wir vor einigen Jahren hier in Florida vier Hurrikans in einem Sommer erlebten, verloren wir sehr, sehr viele Bäume in unserer etwa 400 Häuser umfassenden park-ähnlichen Wohn-Anlage. Allein auf unserem Grundstück kippte der Sturm zwei große Eichen und eine Zwillingszypresse um.

 

Unser Grundstück nach dem Hurrikan ‚Charly‘ 2004

 In unserer Tageszeitung kommentierte das ein Forstmann: „With every storm nature unclutters her backyard“ – Bei jedem Sturm räumt die Natur ihren Hinterhof auf. Klingt einleuchtend.

Wie sich später heraus stellte, waren vor allem überalterte Bäume mit hohlen Stämmen gefallen, und solche, die zu isoliert, zu eng und unsachgemäß gepflanzt worden waren oder ungeeignete Arten, die hier nicht einheimisch sind.

Nach einem Unwetter wäre es sinnvoll, einen Blick aus einem Geld-unabhängigen Winkel auf das Ergebnis zu werfen, um zu verstehen, was den Gesetzen der Natur entsprechend da vor sich gegangen ist.
Daran sind wir aber nicht gewöhnt. Wir werden ständig als Opfer der „fürchterlichen“ Natur dargestellt und es wird unterschwellig suggeriert, dass „da draußen“ etwas verkehrt läuft.

‚Opfer‘ der Natur?

Für Lawinenopfer wird das gleiche Wort verwendet wie für Kriegsopfer. Da stimmt doch was nicht! Im ersten Fall geht es um den natürlichen Kreislauf und im anderen um Mord.

Natur kann nicht böse oder gut sein. Sie ist. Und wir sind ein Teil von ihr. Eine Bewertung kann es da nicht geben, weil es unser ganzes SEIN umfasst.

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Weißer Hai

Weißer Hai

Wie hochgradig christlich-patriarchales Gedankengut uns täglich manipuliert und abhält mit der Natur ins Reine zu kommen, zeigt ein weiteres Beispiel.

Vor einiger Zeit strahlte das ZDF einen Dokumentarfilm über die Erforschung der weißen Haie aus. Die biologischen Zusammenhänge wurden erklärt und, dass diese Haie sich u.a. von Robben ernähren. Zitat des Sprechers: „Der Segen für den Hai ist der Fluch für die Robben.“

Was ganz einfach der natürliche Zyklus ist – das Alte vergeht und daraus entsteht Neues -, die Art von Energien aus denen der Planet Erde mit seinem Sonnensystem gemacht ist, dem wird der religiös-bigotte Stempel von „Gut und Böse“ aufgedrückt.
Vokabeln der Kirchenleute wie „Segen“ und „Fluch“ werden in gleicher Weise verwendet, wie deren Gottes-System es mit seinen „Schäflein“ tut, um sie mit Hilfe von Angst zu lenken.

Wie soll man bei einem solchen alltäglichen Sprachmissbrauch zur Natur zurück finden und genauso wie die Naturvölker Wege zur Vorsorge entdecken, damit uns bei einem Orkan eben nichts passiert?

Die Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 zeigte der Weltgemeinschaft die Existenz indigener Weisheit und das Wissen der Eingeborenen, den Tsunami vorauszusehen und sich zu retten. Wir erkennen daran, dass es noch viel von ursprünglichen Gesellschaften zu lernen gibt.

Wir leben in einer Zeit der I.T.-Revolution, die es uns ermöglicht zu kommunizieren und globale Informationsquellen zu erschließen. Doch diese Informationen erlauben uns nicht, einen sich nähernden Tsunami und andere Naturkatastrophen zu erkennen.

Traditionell überliefertes Wissen

naturkatastrophen-traditionelles-haus-indonesienEin lokales traditionell gebautes Haus in der indonesischen Stadt Gunung Sitoli, überlebte fast ein Jahrhundert ohne Schaden, während ein sechs Jahre altes Nachbarhaus aus Ziegeln und Zement, zerstört wurde und spurlos verschwand.

Wie die meisten Häuser auf der Insel Nias wurde das Haus aus Holz im traditionellen Stil erbaut. Ein typisches Haus ist ca. 20 Meter lang und 10 Meter breit und steht auf sich kreuzenden Stelzen. Dutzende von schweren Steinen werden unter dem Haus gestapelt, um es bei Erdbeben und starken Winden stabil zu halten. Einer der Dorfbewohner erklärte: „Sie bewegen sich, wenn die Erde sich bewegt. Sie haben eine Flexibilität, die modernen Häusern fehlt.“

Den Moken-Ureinwohnern, den „Seezigeunern“, von Thailand und den Eingeborenen der Andamanen und Nikobaren in Indien ist es gelungen, die Gefahr des sich nähernden Tsunamis zu antizipieren. Ihr Wissen über Wind, Gezeiten und die Tiere, das von Generation zu Generation weiter gegeben wurde, veranlasste sie, ihre Aufmerksamkeit auf die Naturkatastrophe zu richten. Sie überlebten, weil sie wussten, was kommen würde.

Die Moken sind Nomaden, die sich ständig von Insel zu Insel bewegen und leben fast das ganze Jahr in Booten. Ihre Überlieferung besagt, dass das Meer zurück weicht, bevor die Riesenwelle kommt. Dann überflutet das Wasser die Erde, zerstört alles und reinigt es wieder.

Auf diesen Inseln sind die Zikaden in der Regel laut, aber sie verstummen plötzlich, bevor der Tsunami kommt.

Einer der Moken bemerkte die Stille und warnte die anderen. Alle flohen zu höher gelegenem Territorium, bevor die erste Welle auf Land traf. Dadurch wurden alle gerettet.

Es gab Berichte über zahlreiche Tote und Verletzte der Hauptbevölkerung in Indonesien, Thailand, Indien, Sri Lanka usw., aber die Zahlen bei den Ureinwohnern dieser Gebiete waren niedriger.

Ureinwohner haben starke Überlebenstaktiken gegen Naturkatastrophen (allerdings weniger Widerstand gegen die Aggression von Außenstehenden), während wir mit unserer Wissenschaft und Informationstechnologie uns „Überlebenstaktiken“ bei Naturkatastrophen kaum vorstellen können. Geholfen wir immer erst danach.

Im Gegensatz zu ursprünglichen Gesellschaften, habe wir unseren primären menschlichen Instinkt des Überlebens – den Kontakt zur Natur – verloren.

Naturvölker haben sich niemals aus dem Paradies vertreiben lassen. Sie sind immer noch ein Teil davon.

 

Titelfoto: Aaron Reed


Autor: Hannelore Vonier

Bloggerin mit dem leidenschaftlichen Drang, die destruktiven Kräfte in unserer Gesellschaft bekannt zu machen und Lösungen aufzuzeigen. Mehr über mich und diesen Blog.

23 Kommentare

  1. Erst wenn der letzte Mensch "sich ausgerottet hat", kann der Planet mit seiner Natur sich erholen!

  2. Seit langer Zeit wundere ich mich über das Verhältnis patriarchaler Gesellschaften zur Natur. Es wurde und wird uns suggeriert, wir seien die "Krone der Schöpfung" und alles "sei uns untertan". Welch eine irrsinnge Selbstüberschätzung! Ich erinnere mich an einen Fernsehwerbespot mit der Aussage "Die Natur braucht uns nicht – aber wir brauchen die Natur" in den 80er Jahren. Eine Behauptung, die jedoch nur langsam Platz in den Köpfen fand.

  3. Eine Naturkatastrophe in unserer Welt ist eben eine Katastrophe. Bei Naturvölkern ein Ereignis.
    Jose, Arhuaco Indianer aus Kolumbien wurde sehr früh durch ein Rumpeln geweckt. Er trat aus seiner Hütte und sah eine ca. 4 m hohe Erdlavine 30m von seinem Haus entfernt. Sie war scheinbar da zum stehen gekommen. Er schloss seine Hühner und Schweine in die Hütte ein und machte sich auf, oben auf dem Berg zu schauen wo der Erdrutsch hergekommen war. Als er zurück kam hatte der Erdrutsch seine Hütte völlig verschluckt. Nur sein Gemüsegarten blieb verschont. Sein stoischer Komentar in meinem (10jähriges Kind) Beisein, „Schade um die Tiere“ und wir liefen ins nächste Tal zu seinem Sohn. Nach einer Woche schaute ich mit meinen Geschwistern den Erdrutsch an und wir staunten. Jose hatte etwas vom Erdrutsch entfernt nicht eine sondern 2 schöne Hütten aufgebaut, Hühner und Schweine liefen wie eh und je darum herum und alles war so wie wenn nie was passiert wäre. Seine Söhne, Familie, Gemeinschaft hatten das Neue aufgebaut und das Leben ging weiter. Keine Versicherung, keine Baufirma, kein Viehmarkt und doch war in kürzester Zeit alles wieder da und noch besser als das Alte. Wir „Zivilisierte“ waren völlig platt !!!!

  4. „Natur kann nicht böse oder gut sein. Sie ist. Und wir sind ein Teil von ihr. Eine Bewertung kann es da nicht geben, weil es unser ganzes SEIN umfasst.“

    Heißt das, dass wir Menschen, da wir ein Teil der Natur sind, auch nicht böse oder gut sind?

    Rosana

  5. @ Rosana:

    genau, auch Menschen als Teil der Natur sind weder gut noch böse. Du kannst das ganz leicht nachvollziehen, wenn du an ein neu geborenes Baby denkst. Es IST. Sonst nichts. Und doch gibt es Leute, die erzählen was von Ursünde und Schuld, auch bei Babys. Daran wiederum ist zu erkennen, dass die gut/schlecht (bzw. böse)-Einteilung ein hausgemachtes Konzept ist.

    Dieses bewertende Konzept eignet sich hervorragend, die Leute zu manipulieren. Ich bevorzuge anstatt gut/schlecht die Bezeichnung krank/gesund. Das lässt sich auf alle Lebewesen anwenden.

    Ein tollwütiges Tier kann Schaden anrichten, aber man weiß, es ist eben krank. Bei Menschen ist es ebenso, nur werden die Ursachen in unserem mechanistischen Weltbild nicht untersucht, sondern man versucht die Symptome zu „reparieren“ (zu behandeln).

  6. Ich finde es interessant, dass hier so viel Wirbel um Gut und Böse gemacht wird. Das zeigt doch, dass es kaum Menschen gibt, die akzeptieren können, dass Menschen (wie auch Tiere) gut UND böse sind. Aber was ist gut und was böse? Wer definiert das? Das können nur wir für uns selbst definieren.

    Ist es nicht schon sehr arrogant, den Menschen überhaupt als Menschen zu bezeichnen? Eigentlich sind auch wir Tiere. Vielleicht mit mehr Intellekt, aber Tiere sind wir trotzdem.

    Abschließend möchte ich noch sagen, dass dieser Beitrag wirklich sehr gut geschrieben ist und zum Nachdenken anregt. Danke dafür! 🙂

    • Mitten im Paradies steht der Baum des Lebens, der gleichzeitig auch der Baum der Erkenntnis ist. Unter „Erkenntnis“ wird in der Bibel der Geschlechtsakt verstanden. Es heißt „Adam erkannte Eva und zeugte …“. Die Früchte vom Baum des Lebens bzw. der Erkenntnis sind also die eigenen Kinder.

      Wenn sich Eltern von ihren Kindern „ernähren“ (sei es psychisch, dass die Kinder als Ersatz für unbefriedigende Beziehungen herhalten müssen, oder physisch, wenn Kinder für ihre Eltern arbeiten müssen), ist das ein Verstoß gegen das Lebensprinzip.

      Nirgendwo in der Natur erhebt die ältere Generation Anspruch auf die jüngere und setzt sie für ihre eigenen Zwecke ein. In der Natur ist die jüngere Generation frei, damit sie eigenständig auf Veränderungen in der Umwelt reagieren kann. Das entspricht dem Wandel des Lebens, dem Wandel der Natur.

      Beim Mensch ist das jedoch anders. Die älteren Generationen erheben Anspruch auf die jüngeren. Die Jungen müssen den Alten nicht nur die Rente erwirtschaften, sondern auch die Alten pflegen. Die Jungen werden in das vorhandene System hinein erzogen. Das System ist ein Prokrustes-Bett. Die älteren Generationen biegen die jüngeren auf sich selbst zurück, deshalb gerät der ewige Wandel des Lebens ins Stocken.

      Zur Erklärung: ich bin antireligiös bis in die Knochen, finde die Bibel jedoch vom literaturwissenschaftlichen und anthropologischen Ansatz her interessant. Außerdem gehöre ich zur älteren Generation. Es geht also nicht um Geschimpfe, sondern um Selbsterkenntnis 🙂 .

      • Vielen Dank für deinen erhellenden Kommentar, Marian! Der Groschen fiel: Der Baum der Erkenntnis/des Aktes, klar. Kinder sind die Früchte, nochmal klar. Jetzt macht das alles einen Sinn. Der Beginn patriarchaler Sozialstrukturen.
        Der letzte Absatz trifft genauso auch auf mich zu 🙂

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  10. Dieser Artikel hat mir wirklich gut getan, weil er sich mit eben nicht nur mit meinem Denken, sondern auch mit meinem Fühlen deckt.

  11. Wenn ich Arhuaco Indios zur Show einladen könnte um zu beobachten was der Durchschnitts- Europäer in seinem Garten treibt, würden die sich vor Lachen in die Hose machen. Alleine schon der Krampf der veranstaltet wird um den Rasen so hinzukriegen wie er sein soll und im Sommer dieser Kampf wöchentlich erfolgt. Die schiefen Nachbars – Blicke die den strafen, der seinen Rasen verlottern lässt oder gar die Löwenzähne zum Samen bringen lässt, sind auch ein gutes Kabarett – Repertoire. Was für ein Glück dass sie einen Winter haben, sonst kämen sie nie zur Ruhe beim kontrollieren und hüten ihrer so geliebten „Natur“ im Eigenbesitz.

  12. Ja, wir Menschen sind ganz weit weg von der Natur. Ich lebe auf dem Land und man sollte meinen, dass die Menschen hier näher an der Natur sind. Weit gefehlt. Alleine die Kommentare zum Wetter zeigen mir immer wieder, dass die Menschen nicht ins Frei gehen. Ich betreibe einen biologisch-dynamischen Garten und bekämpfe die Natur so wenig wie möglich. Alle meine gärtnernden Nachbarn haben Probleme mit Wühlmäusen. Sie bekämpfen diese mit Gift und dennoch, oder gerade deshalb, vermehren Sie sich stark. Obwohl ich also umgeben bin von Wühlmausgärten gibt es in meinem Garten keine. Auf meinem Dach nächtigt ein Turmfalke, in einer Naturecke lebt ein Hermelin. Die wühlmausbekämpfenden Nachbarn machen mich immer auf den Turmfalken aufmerksam. Den sollten Sie verjagen, der macht nur Dreck …Ich liebe diesen „Dreck“ und bin gerne bereit den Lebensraum mit den Jägern zu teilen.
    Ich denke, dass nicht nur die Devise „macht Euch die Erde Untertan“ für dieses Verhalten ursächlich ist, sondern, dass der Mensch Angst vor der Natur hat. Wir nehmen uns nicht als Teil der Natur wahr. Außerdem wird uns immer suggeriert es gibt nicht genug für alle. Dieses Gefühl von Mangel regt den Kampfgeist an. Sei es gegen vermeintliche Schädlinge oder Konkurrenten auf jedem anderen Markt. Doch genau hier können wir, wenn wir hinsehen von der Natur lernen. Es gibt keinen Mangel. Letztes Jahr war bei uns ein gutes Pflaumenjahr, dafür gab es kaum Äpfel. Dieses Jahr sieht es genau andersherum aus. Alles hat eben seine Zyklen, auch wenn es uns nicht immer passt. Ich lerne jeden Tag in meinem Garten und es versetzt mich immer wieder in Erstaunen wie wunderbar alles funktioniert (auch ohne mich). Ich wünsche jedem einen eigenen Garten um sich selbst kennenzulernen und die Natur zu begreifen.

    • liebe dr. anette pitzer,
      Ich erlebe es auch so, das mein garten mir mein leben zurück gibt, das ich zeitweise nicht mehr wahrgenommen habe. im Garten re-naturiere ich genau so wie bei mir selbst. wieso es nachbarn gibt, die argwöhnisch auf diese naturnähe schauen…..da sieht man, wo wir sind. Kommt diese FREIE auf, soll es gleich unterdrückt werden. Da dienen die Mit-Menschen denen, die ungefragt die Herrschaft über diesen Planteten zum Schaden übernommen haben. Ohne es zu wissen, was sie eigentlich tun. Wenn es so weiter geht, schüttelt die Natur sich kräftig und die Plagegeister fliegen in alle Richtungen weg. Wenn Du Pächter wo wie ich auf einem
      Stückchen Erde bist, merkst Du bald, das Du es nicht zu sagen hast. Die Natur schon garnicht. Nur dem Be-Sitzer und Eigen-Tümer wird in einem Rahmen gestattet, wachsen zu lassen.
      Wieso haben Menschen etwas gegen das Paradies? Würde man ab jetzt alles wachsen lassen…..ich bin über zeugt….nach einer gewissen Zeit wäre alles wieder im Lot….es gäbe lächelnde Menschen.

  13. Du hast Recht. Und die anderen Poster auch. Und wieso ist das so, wo wir uns doch alle einig sind??

    Urbiblische Missverständnisse haben in den christlichen Gesellschaften den Menschen aus der Natur heraus gehoben und ihn als „Gottes Ebenbild“ auf Wolke 9 gesetzt, auf dass er sich „die Erde untertan mache“.

    So ist es nur logisch, dass wir die Natur als System profitträchtiger Rohstoffe ansehen und sie in pervertiertem Sortierwesen in Nützlinge & Schädlinge, Kraut und Unkraut einteilen. Es ist legitim, alles zu vernichten, was dem Menschen nicht nutzen kann:

    „Jäten ist Zensur an der Natur“ hat Kokoschka mal treffend gesagt.

    Als man erkannte, dass es sich bei „Mach dir die Erde untertan“ um einen folgenschweren Übersetzungsfehler handelte, war es zu spät, um den Widerspruch mit der ebenfalls biblischen Behauptung „Gott ist überall, in uns und selbst im kleinsten Sandkorn“ zu erkennen.

    Sonst würde uns schon der kleinste Sturm in unserer Selbstüberschätzung deutlich machen, dass wir – gemessen an der Größe des Universums – auch nicht größer sind als eine Amöbe.

    Also schaffen wir uns tapfer ein Alibi, indem wir uns auf die Seite der Umweltschützer stellen und die Industriekapitäne der chemischen Industrie verurteilen, die unsere Umwelt zerstören. Dabei haben wir (fast) alle zwei Seelen in der Brust:

    Von 9-17 h ist die Natur seelenloser Rohstofflieferant – nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub fahren wir Naturliebhaber an die See, in den Wald, in die Berge.

    Treffen sich zwei Planeten:

    „Du siehst schlecht aus – was ist mit dir?“
    „Ach, ich habe Homo Sapiens…“
    „Du Armer – aber mach dir keinen Kopf. Das hatte ich auch mal. Das geht von selbst wieder weg.“

  14. Eine treffende Beschreibung, warum wir uns von der Natur entfernt haben!

  15. ein schöner Artikel, gut zu wissen, das andere Menschen ähnlich denken.
    Susan

  16. Wenn die Natur „zerstoererisch“ ist, 400 Baeume sind es wert betrauert zu werden, wenn tausende Baeume in grossem Rahmen gefellt werden wird keine Traene verschwendet. Patriarchalisches denken? Ist dies ein Aufschrei gegen die Natur selbst, dass sie sich herraus nimmt ihre Baeume zu faellen wann immer sie sich danach fuehlt, ohne das 'der Mensch' es verhindern kann. Wissenschaft hat oft als einzigen Beweggrund Macht ueber Natur zu erlangen und so lange wie dies die treibende Kraft ist werden wir uns mehr und mehr von der Natur entfernen und damit auch von einander. Wir wuerden gerne vergessen das wir eigentlich auch nur ein kleiner Teil von Ihr sind und sie uns eines Tages in minuten zerstoeren kann und das da nichts ist das es verhindern kann. IN einer Macht und Kontrolle getriebenen Gesellschaft das ist wahrsacheinlich die groesste Furcht die es gibt.

  17. Gerade gestern begegnete mir in meiner Praxis ein weiterer Grund, warum Menschen keinen Bezug mehr zur Natur haben, Angst.
    Ein junger Patient war vollkommen entsetzt, als ich Ihm von meinem Garten erzählte. „Wie können Sie sich einer solchen Gefahr aussetzen?“ lautete sein Kommentar. Zuerst dachte ich, er macht einen Scherz, aber weit gefehlt. Als er bemerkte, dass ich Ihn offensichtlich nicht verstand, erklärte er, dass Natur eine unkalkulierbares Risiko sei, dem man sich besser gar nicht erst aussetz. Zugegeben ich stand immer noch auf dem berühmten Schlauch. Er erklärte mir daraufhin, wie feindlich die Umwelt sei. In der Luft befänden sich Pollen, die Allergien auslösen, auf der Wiese lauerten Zecken auf Ihn, die Borreliose übertragen, in den Früchten säße der Fuchsbandwurm … etc. Da wäre man besser beraten zu Hause zu bleiben.
    Nachmittags hatte ich dann eine Patientin, die am Waldrand mit Ihrer Familie lebt. Wir kamen auf die bevorstehenden Schulferien zu sprechen. Die Patientin hatte ein wenig Bedenken wegen der sechs Wochen, die die Kinder zu Hause verbringen sollten. „Sechs Wochen in denen Sie beschäftigt werden wollen“. Mein Kommentar dazu, dass Sie doch den Wald vor der Haustür haben in dem es ein ganzes Leben genug zum entdecken gäbe, wies sie entsetzt zurück. Ihre Kinder dürften nicht in den Wald, da gäbe es Füchse. Dieselbe Mutter lässt aber zu, dass Ihre Kinder ohne Helm Rad fahren oder auf dem Motorrad des Vaters mitfahren. So verzehrt kann Wahrnehmung sein.
    Wie kann man etwas schützen was man nicht kennt und vor dem man sich fürchtet?

  18. Die Natur als Paradies, dieser biblische Mythos bezieht sich meiner Meinung nach auf die vorpatriarchalischen Verhältnisse. Die Natur in der der Mensch lebte, als er in kleinen Sippen in fruchtbaren subtropischen Gegenden lebten (ähnlich wie dies die Bonobos heute noch tun).

    Mit den von James De Meo in der Saharasia-These beschriebenen Klimaveränderungen wurden die Menschen aus diesem Paradies vertrieben. Durch die damit verbundenen sozialen Umwälzungen gewannen die Männer die „Erkenntnis“ (vom Stammbaum) über die Vaterschaft. Die Sippe wurde gesprengt und das Patriarchat nahm seinen Anfang.

    Nur, zurück zur Natur können wir nicht. Längst ist der Kampf um die letzten Ressourcen entbrannt und der Mensch überzieht die Welt wie ein Krebsgeschwür. Und wenn der Apfel gegessen ist, beginnt alles wieder von vorn. Wir haben keinen Einfluss darauf.

    • 1. Thys, das Wort ‚Paradies‘ geht auf indogermanische Wurzeln zurück, ist also ein patriarchaler Begriff und Mythos. Aus unserem Defizit heraus beziehen wir uns auf etwas, das wir uns zwar irgendwie vorstellen, aber nicht haben.

      Kulturen, die aus unserer Perspektive ‚paradiesisch‘ leben, entwickeln keinen Begriff und schon gar keinen Mythos dazu, weil es für sie ihr Alltag ist, sie kennen keine andere Lebensform.

      Genauso wie viele bei uns nicht wissen, dass sie im Patriarchat leben, weil sie noch nie von etwas anderem, als so zu leben, gehört haben.

      2. Mit der Erkenntnis der Vaterschaft wurden die Sippen nicht abgeschafft. Sie lebten weiterhin im Stammesverbund. Populär ist ein gewisser Jesus, ein Spross aus dem Stamm Davids.
      Später und bis heute hießen diese Sippen/Stämme ‚Geschlechter‘ (Habsburger, Hohenzollern etc.).

      3. Wieso sollten wir nicht zurück zur Natur können? Ich bin wandelndes, lebendiges Beispiel und kenne noch weitere. Manche nennen sich sogar ‚Naturisten‘ und pflegen diesen Lebensstil. Die Frage ist, ob wir überhaupt „außerhalb“ von Natur sein können.

      • Hannelore ;Deine letzte Frage muss ich mit einem klaren Nein beantworten
        und ich setz noch einen drauf : wir kämpfen gegen das Leben bis wir diese
        Unterscheidung bis ins letzte Detail aufklären können . Also weiter so !