Rette sich, wer kann!

Transformations-Blog

Schade nicht – Die Goldene Regel hinterfragt

| 15 Kommentare

Teil 1 / 2 der Serie Goldene Regel

“Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu!”

Die sogenannte “Goldene Regel” ist eine der wichtigsten Richtlinien des Patriarchats. Sie garantiert, dass Menschen als ‘gleich’ gelten und nicht als einzigartig.

Wenn man die Leute glauben macht, dass alles was sie wollen das Gleiche ist, das auch ihre Mitmenschen verlangen, und dies als ihr Recht[1] betrachtet, dann sind “die andern” der Maßstab, und nicht sie selbst.

Derartig konditionierte Männer und Frauen sind dankbare Konsumenten.

Festgelegte Schablonen – von Kleidergrößen, Gesundheitstabellen, Wohneinheiten, Ausbildungsplänen bis zu gesetzlichen Regelwerken – gewähren billige Massenabfertigung in Sachen Bedürfnisbefriedigung.

Indigene Völker sind anspruchsvoller. Sie bemühen sich, die persönlichen Bedürfnisse und individuellen Wünsche der Einzelnen zu erfüllen. Eine Gemeinschaft, die daran gewöhnt ist, dass jede Frau, jeder Mann und jedes Kind eigenwillig im besten Sinne ist, kann nicht beherrscht werden. Herrschaft verlangt Unterwürfigkeit und extreme Anpassung an vorgegebene Normen.[2]

Die “Goldene Regel” oder die “Moral der Gegenseitigkeit” ist in den Schriften aller patriarchaler Religionen (den sogenannten “Weltreligionen”) zu finden. Sie wird als das ausgeprägteste Prinzip von moralischer Unerbittlichkeit angesehen. Eine Verdichtung aller längeren Listen von Verordnungen (wie die Zehn Gebote der Bibel) in einem einzigen Prinzip.

Die Herkunft der Goldenen Regel

Anglikanische Christen bezeichneten Matthäus 7,12[3] seit 1615 als eine “golden rule”.[4] Der Begriff ‘golden’ – von höchstem Wert in Nationen mit einem Gold- und Geldsystem – zeigt seine patriarchale Herkunft. Für Indigene oder Indios hat Gold nicht die Bedeutung wie in kapitalistischen Staaten. In einen “Goldrausch” geraten ausschließlich patriarchale Menschen (Z.B. die spanischen Konquistadoren in Südamerika, und überall, wo Eroberer Gold fanden).

Geht die Goldenen Regel davon aus, dass ich weiß, was andere wollen?

Die Regel scheint nahezulegen, dass ich von meinem Bedürfnis ausgehe und es 1:1 auf mein Gegenüber übertrage. Aber wir sind nicht geklont. Das was ich will, muss nicht vom anderen gewollt sein – kann ihm/ihr schaden oder zumindest unangenehm sein. Die Regel wird zum Instrument der Selbstkontrolle, die uns in der “Zone des Normalen” hält.[5]

Die Goldene Regel stammt aus frühgeschichtlicher Zeit, in denen Religionen mit einer allmächtigen Vaterfigur (später im Deutschen “Gott” genannt) etabliert wurden. Der Wille dieser Überväter gilt als allgemein bekannt – er steht ja in den heiligen Büchern. Es ist nicht nötig, sich in andere einzufühlen, man muss nur “Gottes Wille” befolgen, und damit ist die Moral der Goldenen Regel erfüllt.

In das Mahabharata des Hinduismus wurde vor ca. 3700 Jahren geschrieben:

“Dies ist die Summe aller Pflichten: Tue keinem anderen das Leid an, was bei Dir selbst Leid verursacht hätte.”

Unter der Überschrift “Vom Tun des göttlichen Willens” in Matthäus 7,12 steht in der Lutherbibel von 1984:

“Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.”

Die Lehre vom Mittleren Weg 13, 3 (Konfuzius, um 500 v.u.Z., China):

“Ein Wort, das als Verhaltensregel für das Leben gelten kann, ist Gegenseitigkeit [Reziprozität]. Bürde anderen nicht auf, was Du selbst nicht erstrebst.”

In der Version des Hinduismus ist von Pflichten die Rede. In der Bibel von Gesetz. Konfuzius empfiehlt das “Geben-und-Nehmen”-Prinzip (ebenfalls eine zwingende Verpflichtung, vgl.  Geben und Nehmen-Prinzip, eine Tugend?).

Wenn ein Leitsatz auf den ersten Blick vernünftig aussieht, bei genauerem Hinsehen aber an moralische Pflichten und Gesetze geknüpft ist, Anordnungen “von ganz oben” – von der Herrscherklasse, die “Gottes Wille” vorschiebt und diese Anordnungen im Zweifelsfall mit Gewalt durchsetzen kann – kommt mir das verdächtig vor.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant bringt die Bedeutung und den wahren Grund der Goldenen Regel in seinem Kategorischen Imperativ auf den Punkt:

“Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.”

Heute werden Leute, die “allgemein Handeln” dem Mainstream zugeordnet, den Normalen, Angepassten. Sie heißen auf Englisch sheeple, auf deutsch Schlachtvieh. Für Individualismus ist bei Kant kein Platz.

Selbstjustiz

Was ist im Patriarchat das Allerwichtigste? Besitz.

Wer nicht in der Lage ist, sich materiellem Besitz zu beschaffen, kann nicht überleben. Wäre es anders, würden sich die Menschen nicht für Geld verdingen. Wer besitzt, will sein Eigentum schützen. Die Leute haben Angst um ihren Besitz; sie versehen ihre Häuser und Autos mit Alarmanlagen. Sie legen Lebensversicherungen für lebendes Eigentum an, für den Fall, dass der Tod einen Menschen mit sich nimmt.

In noch ursprünglich lebenden Gesellschaften ohne Eigentum sind diese Vorkehrungen nicht nötig.

Als das Patriarchat entstand war der Umgang mit Besitz neu. Je mehr jemand hatte, desto größer war seine Angst es nicht schützen zu können. Seine Güter waren begehrtes Ziel für Plünderer und Diebe.

Da es keine Versicherungen gab, griff man als Besitzender zur Selbsthilfe: Man nahm Rache.

Das Wort rächen geht auf mhd. rëchen, ahd.  rëhhan, älter *wrëhhan, got. wrikan zurück und heißt ‘verfolgen’. Die germ. Wurzel wrek (vgl. Rache, Recke, Wrack) mit der Grundbedeutung ‘verfolgen’ bzw. ‘vertreiben, besonders um Strafe zu üben’ ist verwandt mit aslow. vragu ‘Feind’, lit. vàrgas ‘Not’ (Not leiden), die eine ig. Wurzel werg wreg voraussetzen.[6]

(Tieferen Einblick hierzu gibt die Serie “Die Entstehung des Patriarchats“, speziell die Artikel Hirtentum und Besitz kommen in die Welt und Freund-Feind-Polarität)

Die Rache ist eine Form der Selbstjustiz und ein Prinzip zur Sühnung[7] von Verbrechen. Es gilt hierbei das “Talionsprinzip”[8]: Das Opfer oder seine Vertreter vergelten dem Täter “Gleiches mit Gleichem”, d.h. er sühnt sein Vergehen.

Eine Sonderform des Talion ist die “Spiegelstrafe”. Sie spiegelt das vorausgegangene Vergehen: Dem Täter wird ein gleichartiger Schaden zugefügt, wie der, den er zugefügt hat.

Gewaltmonopol des Staates

Die Spiegelstrafe, bzw. das Talionsprinzip gehen auf die ältesten Gesetzesbücher zurück, wie den babylonischen Codex Hammurapi (ca. 1700 v.u.Z.) oder den 200 Jahre älteren Codex Eschunna. Beide Strafrechtstraditionen haben sich in der hebräischen Tora, dem seit 1000 v.u.Z. entstandenen ältesten Teil der Bibel, niedergeschlagen. Dort findet man die sogenannte Talionsformel: „ein Leben für ein Leben, ein Auge für ein Auge, ein Zahn für einen Zahn, … Wunde für Wunde, Strieme für Strieme“ oder abstrakter: „Maß für Maß“.

Ein auf Schädigung oder Vernichtung des Verbrechers ausgerichtetes Vergeltungsdenken blieb in der Rechtsgeschichte und in der Moral der Religionen bis heute erhalten. Tradiert und popularisiert im Volksmund durch die Goldene Regel und die Märchen-Überlieferungen.

Eine Regel wird aufgestellt, weil man das Übertreten dieser Regel erwartet. Ansonsten bräuchte man die Regel nicht. Geschichtlich sicherte sich der Staat (= Kombination von Regierung und Religion) mehr und mehr das Gewaltmonopol, indem er das Vergeltungsrecht in Besitz nahm. Wobei das Definitionsmonopol für “richtig” und “falsch” ebenfalls beim Staat liegt.

Die römische Justitia

Die römische Justitia ist blind. Sie muss alle Menschen gleich behandeln und kann Individuen nicht voneinander unterscheiden.

Wird die Goldene Regel übertreten, geschieht das, was ihrem Inhalt nach zu vermeiden ist: Dem Täter wird Schaden zugefügt. Entsprechend dem Rechtsgrundsatz “Gleiches mit Gleichem” vergelten. Das erklärt die Waagschale in der Hand der römischen Justitia.

Und um uns Glauben zu machen, dass dieser Umgang mit Konflikten “objektiv” sei, hat die “Göttin der Gerechtigkeit” die Augen verbunden. Ohne Ansehen der Person, jeder wird gleich behandelt.

Doch wie ich schon sagte: Wir sind nicht geklont.

 


Quellen/Anmerkungen:
  1. Ein typisches Beispiel gleiches Recht wie die andern einzufordern ist der Feminismus ↩
  2. Vgl. Der Unterschied zwischen freien und normalen Menschen ↩
  3. Der Anfang von Mt 7,12 lautet: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! ↩
  4. Wikipedia ↩
  5. Vgl. das Video unter Stressfreie Zone für Normalbürger ↩
  6. Kluge, F.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (1899) : Trübner, Strassburg, 1899 ↩
  7. Als Sühne (von ahd. suona = Gericht, Urteil, Versöhnung, Verb suonen = zur Sühne bringen, versöhnen, ausgleichen) wird der Akt bezeichnet, durch den ein Mensch, der schuldig geworden ist, diese Schuld durch eine Ausgleichsleistung aufhebt oder mindert. ↩
  8. Unter Talion, alternativ ius talionis oder Talionsprinzip, versteht man eine Rechtsfigur, nach der zwischen dem Schaden, der einem Opfer zugefügt wurde, und dem Schaden, der dem Täter zugefügt werden soll, ein Gleichgewicht angestrebt wird. ↩

Autor: Hannelore Vonier

Kulturkritikerin mit dem leidenschaftlichen Drang, die destruktiven Kräfte in unserer Gesellschaft bekannt zu machen und Lösungen aufzuzeigen. Mehr über mich.

15 Kommentare

  1. Liebe Hannelore,
    Du schaffst es immer wieder, mich noch einen Schritt weiter denken zu lassen. Ja, wer eigenwillig ist, wird sich nicht beherrschen lassen wollen.
    Wenn ich mich nicht berrschen lassen will, werde ich dann gleichzeitig aus diesem Denken heraus auch Andere nicht beherrschen wollen?
    Dein Artikel ist so wichtig für meine Arbeiten, dass ich ihn gerne komplett nochmals auf meinem Blog posten mag, da wir hier im Zusammenhang inzwischen sehr intensiv diskutieren. Darf ich, inklusive Link auf das Originial hier?
    Lieben Gruß, Martin

  2. Pingback: Bräuchten wir nicht einmal die “Goldene Regel”, wenn wir EIGENWILLIG wären? « Der Mensch – das faszinierende Wesen

  3. Jeder darf meine Artikel woanders veröffentlichen, sind Allgemeingut (Commons Lizenz, siehe Fußzeile). Ich freu mich über Verbreitung! Backlink ist halt gut, wenn eure Leser mehr von dem Stoff finden wollen, aus dem meine Texte gemacht sind.  

  4. Ja, liebe Hannelore, ich kann Dr. Martin Baronitz nur zustimmen, es tut mir so gut, immer einen Schritt weiter zu gehen! Und auch mein Partner steigt nun immer tiefer in diese Themen ein. DANKE!

  5. Klasse Beitrag!

    Gruß Hans Erdmann

  6. dies sind für mich zwei paar schuhe: ob ich mir auferlege, nicht das einem anderen Menschen zuzufügen, was ich auch nicht zugefügt haben möchte – oder ob ich sage: ich tue jenes einem anderen Menschen, damit er mir gleiches zurückgebe…

  7. Sehr interessanter Gedanke, der einem vor allem, nicht so leicht kommt. Im ersten Moment erscheint es logisch und gerecht.
    Der verborgene Aspekt entgeht einem. Danke für deine Analyse!
    Vielleicht steckt ja auch dahinter, dass der patriarchale Mensch “sich selbst” als “sein Eigentum” definiert?

  8. Ich habe diesen Beitrag bereits auf Facebook verfasst, möchte aber, dass die Autorin folgendes ließt: Um das mal rein logisch
    anzugehen.. (und Hannelores Argumentation zu widerlegen) Es gilt (Ich
    will X nicht => Ich füge X nicht zu) (Ich füge X zu =>
    Ich will X). Die goldene Regel wird im fraglichen Artikel ausgelegt, als
    gelte (Ich will X nicht => Ich füge X
    nicht zu) (Ich will X => Ich füge X zu). Sie wird so
    ausgelegt, da behauptet wird, man würde durch sie die eigene Maßstäbe
    anderen aufzwingen. Faktisch sagt sie aber lediglich aus, dass man
    anderen erspart, was man selbst auch von anderen erspart sehen will. Das
    ist ein sehr elementarer Unterschied. Es ist schließlich keine Pflicht,
    zu geben, sondern nur nicht ohne Zustimmung zu nehmen. Zweiteres wird
    eingehalten. Der positive Effekt ist bloß, dass man anderen viel
    mögliches Leid erspart, indem man ihnen alles Leid des eigenen Ermessens
    erspart. Falls eine kleine Nachhilfe in Logik (wegen des Beweises) von
    Nöten ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Aussagenlogik#Materiale_Implikation

    • Danke für deinen Kommentar! Hast du einen Link zur Facebook-Diskussion?
      In einem Folgebeitrag habe ich mich mit der positiven/negativen Formulierung der Goldenen Regel befasst: http://rette-sich-wer-kann.com/realitaet-und-illusion/die-goldene-regel-reine-theorie/
      Beispiele pos/neg gibt es zu hunderten in Sammlungen der Goldenen Regel in den patriarchalen Subkulturen, googlen

    • normal so: ich hatte gestern noch einen Beitrag über unsere Aristotelische Logik der Ausschließung des Dritten gehört und als in Frage zu stellen wahrgenommen. Warum sollte es neben der ausschließenden Dualität wahr und falsch nicht auch ein sowohl als auch und weder noch geben? Wenn also unser Grundmodell unserer Sprachlogik auf falschen bzw. ungenauen Annahmen fusst, können wir noch so genau zu denken versuchen und werden dennoch unsere so schon subjektiv konsturierte Wirklichkeit nicht noch weiter optimieren …

  9. Liebe Hannelore,
    Danke für deinen Artikel. Hat mich zum Nachdenken angeregt.
    Leider scheinen darin einige Widersprüche auf.

    1) “Die sogenannte “Goldene Regel” ist eine der wichtigsten Richtlinien des Patriarchats.”

    Das Patriarchat als hierarchische Herrschaftsform steht offensichtlich im Widerspruch zu der Idee, dass alle gleich sind und kann so schlecht eine wichtige Richtlinie sein.

    2) “Wenn man die Leute glauben macht, dass alles was sie wollen das Gleiche
    ist, das auch ihre Mitmenschen verlangen, und dies als ihr Recht[1] betrachtet, dann sind “die andern” der Maßstab, und nicht sie selbst.”

    Nein. Es ist -wie du auch weiter unten selber schreibst- genau umgekehrt!

    Laut der goldenen Regel, sind nicht “die andern” der Maßstab, sondern ICH. Im Grunde ist diese Regel erst mal sehr egozentrisch. Nicht “Festgelegte Schablonen” sind der Maßstab, sondern meine Wünsche.
    Nun gilt das aber nicht nur für mich, sondern natürlich auch für alle anderen.
    “Ich behandle dich, wie ICH behandelt werden will und du behandelst mich, wie DU behandelt werden willst.”

    Daraus folgt: Ich sehe an dem was du tust, was du willst. Und du siehst, was ich will!!
    Diese Regel implizieren also auch: “Ich akzeptiere, dass du mich anders behandelst, als ich dich und umgekehrt”

    Gleichmacherei kann ich daran nicht erkennen. Ganz im Gegenteil!!
    Jeder zeigt, was er will und so kann jeder auf dessen Wünsche individuell eingehen.

    Im besten Sinne bedeutet das: Jeder macht was er will, ohne andern zu schaden. Oder um es mit der Kernaussage der Bergpredigt zu sagen: “Liebe, und mache was du willst.”

    3) “Selbstjustiz”  vs. “Gewaltmonopol des Staates”

    “Auge um Auge” wurde eingeführt, um eben die Selbstjustiz private Rache zu verhindern.

    Du verwendest die Begriffe  “Staat” und “Regeln” mMn sehr negativ, im Sinne von unterdrückender Herrschaft. Ich sehe die Begriffe positiv im Sinne von “Gemeinschaft”.

    “Eine Regel wird aufgestellt, weil man das Übertreten dieser Regel
    erwartet. Ansonsten bräuchte man die Regel nicht”
    Das ist eine sehr polemische Aussage. Auch (ideale?) Gemeinschaften stellen Regeln auf, auch wenn sie führerlos, subsidiär und basisdemokratisch sind. Jede WG hat einen Putzplan. Erst gibt es in der Gemeinschaft gar keine Regeln. Erst wenn etwas nicht funktioniert und zum Schaden des Einzelnen oder der Gruppe führt, werden Regeln als notwendiges Übel eingeführt und ggf. wieder verworfen. Ich kann an Regeln nichts negatives finden.

    “Geschichtlich sicherte
    sich der Staat (= Kombination von Regierung und Religion) mehr und mehr
    das Gewaltmonopol, indem er das Vergeltungsrecht in Besitz nahm. Wobei
    das Definitionsmonopol für “richtig” und “falsch” ebenfalls beim Staat
    liegt.”

    Wenn sich ein Mitglied der Gemeinschaft nicht an die Regeln hält, die es selbst mit-aufgestellt hat und einem andern Mitglied Schaden zufügt, kann das u.U. zum Nachteil der gesamten Gruppe sein.

    Wie soll nun damit umgegangen werden?
    Ist es nicht besser, wenn sich die Gemeinschaft das gemeinsam überlegt? Ev. gibt es schon eine Regel dazu, die der “Täter” selbst mitgestaltet hat.
    Oder obliegt es dem Geschädigten nach Gutdünken zu reagieren?  Das wäre Rache. Genau um diese Rache zu unterbinden, stellt die Gemeinschaft Regeln auf. Das “Gewaltmonopol” liegt nun bei der Gemeinschaft und nicht beim Einzelnen. Ich betrachte das als gewaltigen Vorteil.

  10. Hallo Hannelore,
    vielen Dank für den Artikel, den ich als ehemalige christliche Fundamentalistin voll und ganz bestätigen kann, denn das war mein Leitsatz:“Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu!” Nun war ich durch meinen Leitsatz, den ich tief verinnerlicht hatte, verführt worden. Ich habe meine Charaktereigenschaften auf den Nächsten projiziert und genau dadurch nicht erkennen können, dass der Nächste ganz anders dachte als ich und mich genau darin missbrauchte. Das ist das Geheimnis und die Aufklärung und Erkenntnis war für mich daher ein Schock.
    Interessant finde ich auch, was du zur Selbstjustiz geschrieben hast. Ich habe es mehrfach beobachten können, dass besonders Frauen, die aus destruktiven Kulten fliehen, deren Begleiter/in getötet werden. Die Betroffenen werden als der absolute Besitz betrachtet und wenn dieser verloren geht, dann ist es die Rache die Verantwortlichen zu töten. Das Tragische dabei ist, dass Menschen, die Gutes tun, getötet werden. Das finde ich furchtbar, weil es für die Betroffenen ein Terror ist und weil sich womöglich in der Zukunft keine bzw. wenige Helfer finden lassen. Das ist die Absicht: Die ewige Besitzherrschaft!

  11. Pingback: Wer EIGENWILLIG ist, lässt sich nicht beherrschen? Warum sind wir so wenig selbstbestimmt? | Der Mensch - das faszinierende Wesen

Deine Gedanken dazu