Für die meisten ist es gar nicht einfach, sich mit der Natur zu verbinden und mit ihr in Harmonie (und gleichzeitig mit sich selbst) zu leben, so wie es die deshalb so genannten Naturvölker seit Jahrtausenden tun.
Warum?
In den christlichen Ländern lernen wir, dass wir von außerhalb der Natur kommen. Wir sollen glauben – und die meisten tun es auch – dass ein ‘Gott’ die Natur zuerst in siebentägiger Arbeit erschaffen musste, bevor sie ‘da’ war.
Adam und Eva konnten dann in der Natur herum spazieren – das war das Paradies. Dort gab es Tiere, Blumen und Bäume. Und Nacktheit war für die damaligen Naturkinder kein Problem.
Das Paradies mussten die Menschen aber wieder verlassen und landeten – voll bekleidet – in der Welt. So konnte man das Natürliche an den Mitmenschen nicht mehr sinnlich wahrnehmen: Nicht sehen, fühlen, schmecken oder riechen. Und schon gar nicht hören.
Diese patriarchale Ideologie vermittelt, dass der Ursprung, unser Ursprung, woanders liegt, als in der Natur selbst und dass wir seit der Vertreibung nicht mehr Teil davon sind. Daher fühlen wir uns von allem Natürlichen abgegrenzt. Ja, wir wissen eigentlich nicht, was ‘Natur’ bedeutet und was ihr eigen ist.
Dieses Weltbild unterscheidet uns von dem der Naturvölker.
Die Natur ‘wirtschaftet’ anders, als wir denken
Unter dem Titel „Bilanz der Sturmschäden“ sagte seinerzeit der Sprecher in der Tagesschau (22.1.07) „…allein in Nordrhein-Westfalen knickte der Orkan … 25 Millionen Bäume um … größter jemals festgestellter Schaden dieser Art … Landesregierung sagte … finanzielle Unterstützung zu“.
Wer ist eigentlich der oder die Geschädigte? Die Natur folgt ganz anderen Gesetzen als unsere kapitalistischen Wirtschaftsregeln.
Ist es nicht eine Lektion für die menschliche Hybris, die zeigt, dass Menschen keine Bäume oder sonstigen Teile der Natur besitzen können?
Die wirkliche „Eigentümerin“ kann mit ihren Bäumen machen was sie will. Welchen Illusionen sitzen wir da auf?
Als wir vor einigen Jahren hier in Florida vier Hurrikans in einem Sommer erlebten, verloren wir sehr, sehr viele Bäume in unserer etwa 400 Häuser umfassenden park-ähnlichen Wohn-Anlage. Allein auf unserem Grundstück kippte der Sturm zwei große Eichen und eine Zwillingszypresse um.

Unser Grundstück nach dem Hurrikan 'Charly' 2004
In unserer Tageszeitung kommentierte das ein Forstmann: „With every storm nature unclutters her backyard“ – Bei jedem Sturm räumt die Natur ihren Hinterhof auf. Klingt einleuchtend.
Wie sich später heraus stellte, waren vor allem überalterte Bäume mit hohlen Stämmen gefallen, und solche, die zu isoliert, zu eng und unsachgemäß gepflanzt worden waren oder ungeeignete Arten, die hier nicht einheimisch sind.
Nach einem Unwetter wäre es bestimmt sinnvoll, einen Blick aus einem Geld-unabhängigen Winkel auf das Ergebnis zu werfen, um zu verstehen, was den Gesetzen der Natur entsprechend da vor sich gegangen ist.
Daran sind wir aber nicht gewöhnt. Wir werden ständig als Opfer der “fürchterlichen” Natur dargestellt und es wird unterschwellig suggeriert, dass „da draußen“ etwas verkehrt läuft.
‘Opfer’ der Natur?
Für Lawinenopfer wird das gleiche Wort verwendet wie für Kriegsopfer. Da stimmt doch was nicht! Im ersten Fall geht es um den natürlichen Kreislauf und im anderen um Mord.
Natur kann nicht böse oder gut sein. Sie ist. Und wir sind ein Teil von ihr. Eine Bewertung kann es da nicht geben, weil es unser ganzes SEIN umfasst.

Weißer Hai
Wie hochgradig christlich-patriarchales Gedankengut uns täglich manipuliert und abhält mit der Natur ins Reine zu kommen, zeigt ein weiteres Beispiel.
Vor einiger Zeit strahlte das ZDF einen Dokumentarfilm über die Erforschung der weißen Haie aus. Die biologischen Zusammenhänge wurden erklärt und, dass diese Haie sich u.a. von Robben ernähren. Zitat des Sprechers: „Der Segen für den Hai ist der Fluch für die Robben.“
Was ganz einfach der natürliche Zyklus ist – das Alte vergeht und daraus entsteht Neues -, die Art von Energien aus denen der Planet Erde mit seinem Sonnensystem gemacht ist, dem wird der religiös-bigotte Stempel von „Gut und Böse“ aufgedrückt.
Vokabeln der Kirchenväter wie „Segen“ und „Fluch“ werden in gleicher Weise verwendet, wie deren Gottes-System es mit seinen „Schäflein“ tut, um sie mit der Hilfe von Angst in ihre Richtung zu lenken.
Wie soll man bei einem solchen alltäglichen Sprachmissbrauch zur Natur zurück finden und genauso wie die Naturvölker Wege zur Vorsorge entdecken, damit uns bei einem Orkan eben nichts passiert?
Titelfoto: Aaron Reed










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