Es beginnt in der Kindheit. Die Art der Bildung entscheidet, ob Menschen selbstbestimmt und selbstverantwortlich ihr Leben gestalten. Ob sie Individualisten werden, oder ob sie sich in einer engen Zone bewegen, die von anderen definiert wurde.
Freilernende Kinder folgen ihren eigenen Impulsen und entscheiden sich selbstverantwortlich für das , was sie tun wollen. Die Eltern und andere Beziehungspersonen unterstützen als Berater, Gesprächspartner und Begleiter bei Vorhaben. Sie geben Tipps und stellen Materialien zur Verfügung.
Dagmar Neubronner[1] sagt:
Die Struktur dieses „informellen Lernens“ ist äußerlich meist erst im Nachhinein erkennbar, sie folgt dem inneren Entwicklungsplan eines jeden Kindes, ist daher vollkommen individuell und wird von den Kindern auch gar nicht als „Lernen“ erlebt.
Ein Beispiel sieht so aus:
Unsere Kinder interessieren sich nicht im Mindesten für Rechtschreibung, es gibt ja auch niemanden, der sie dafür lobt oder tadelt oder zensiert. Sie wollen aber mit ihrer eigenen Homepage eine gute Wirkung erzielen und möchten deswegen dort unter anderem keine Rechtschreibfehler haben. Also versuchen sie dafür zu sorgen. Sie würden aber nicht sagen „Ich lerne jetzt Rechtschreibung“. Sie optimieren einfach ihre Homepage.
In der Menschenrechtsdeklaration der UNO heißt es in Artikel 26 (3): „Eltern haben das vorrangige Recht, die Art der Bildung und Erziehung, die ihre Kinder erhalten sollen, zu wählen.“ Warum missachtet der Staat dieses Recht und übt Zwang auf Familien aus? Gesteht der Staat den Eltern keine Bildungskompetenz zu?[2]
Dagmar Neubronner:
Leider nicht, obwohl die Eltern ja in der Regel das Schulsystem durchlaufen haben, also nach staatlicher Logik topfit sein sollten. Auch im Grundgesetz heißt es ja eindeutig, dass den Eltern „zuvörderst“ die Sorge für die Erziehung der Kinder obliegt – und dem Staat nur ein Wächteramt. Der deutsche Staat behauptet aber einen (im Grundgesetz nicht vorgesehenen und bürgerrechtlich sehr zweifelhaften) „staatlichen Erziehungsauftrag“, Olaf Scholz (SPD) spricht sogar von der „Lufthoheit über den Kinderbetten“, die der Staat haben müsse.
Und die Begründung? Der offensichtliche Bildungserfolg beim Homeschooling wurde in vielen Studien zweifelsfrei nachgewiesen – und zwar auch und gerade für Kinder aus bildungsfernen oder Migrantenfamilien! Angesichts der katastrophalen Bildungsergebnisse unseres Schulsystems steht daher das Argument von der fehlenden Bildungskompetenz der Eltern nicht im Vordergrund. Stattdessen behauptet der Staat allen Ernstes, Kinder könnten im heimischen Umfeld nicht zu demokratiefähigen, toleranten Bürgern heranwachsen.
Kinder können im heimischen Umfeld nicht zu demokratiefähigen, toleranten Bürgern heranwachsen?
Demokratiefähig zu sein bedeutet seine Stimme an Autoritäten abzugeben. Es bedeutet sich zu fügen, wenn man bei Entscheidungen zufällig zur Minderheit gehört. Demokratiefähig zu sein heißt: Ich toleriere, dass ich keine Garantie habe, repräsentiert zu sein.
Stressfreie Zone für “Normalbürger”
Ein kurzer Ausschnitt aus dem Film Thrive macht deutlich, wer[3] die Norm definiert:
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Wenn du in der von “Autoritäten” als normal definierten Zone der Wahrnehmung lebst, dann wirst du in Ruhe gelassen, weil du als normal eingestuft wirst. Sobald du aus dieser Zone hinaus trittst, und deine Einzigartigkeit (Individualität) zum Ausdruck bringst, hat das System eine ganze menschliche Bevölkerung von Gefängniswärtern erstellt, die diejenigen angreifen, die aus der normalen Zone heraus treten. Es wird interessant, wenn man mit dem, was man sagt und denkt, an den Rand dieser stressfreien Zone tritt.
Du denkst nicht, was wird der Leiter der Weltbank denken, wenn ich das tue oder sage. Nein, wir sagen, was wird meine Mutter denken, oder die Jungs vom Stammtisch, oder die Menschen bei der Arbeit. Was würden sie sagen?
Indem die Autoritäten die Norm etablierten, schufen sie eine absolute Armee von Menschen, die diese Norm nicht nur sich selbst, sondern auch anderen auferlegen.
Das ist das verhängnisvolle an der Demokratie: Die Mehrheit übt subtilen Druck auf Minderheiten aus.
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Die Freilerner – Unser Leben ohne Schule
Quellen/Anmerkungen:
- Dagmar Neubronner, geb. 1959, Diplombiologin, Übersetzerin und Therapeutin, gründete 1997 den Genius Verlag mit ihrer ersten Übersetzung aus dem umfassenden Werk Walter Russells, des amerikanischen Universalgenies, »Das Genie steckt in jedem«. Dagmar Neubronner auf Youtube ↩
- Aus einem Interview von Peter Schipek mit Dagmar Neubronner, Blog Die rote Pille ↩
- Im Film werden die Illuminati als Definierer der Norm genannt. Allerdings gibt es diese Norm schon Jahrtausende, seit Herrschaftsstrukturen und Kapitalismus mit dem Patriarchat aufkamen. Die Illuminati (und viele andere) nutzen die Gesellschaftsstrukturen nur sehr gekonnt aus. ↩








