Pucken: Warum Eltern ihre Babys in Zwangsjacken wickeln

Es handelt sich beim Pucken um das enge Einwickeln von Babys. Im englischen Sprachraum „Swaddling“. Es wird neuerdings wie folgt gepriesen:

„Ihrem Baby wird dadurch eine ähnliche Umgebung wie in der Gebärmutter gewährt, es fühlt sich wie in einem kuschelig-engen Tragetuch, es ist in seinen Bewegungen begrenzt, so wie es dies neun Monate lang gekannt hat, und hat dadurch viel mehr Vertrauen in seine neue Umgebung.“

Tatsächlich soll diese Zwangsjacke für Neugeborene das tun, was später die Körperpanzerung „automatisch“ macht: die lebendige Bewegung und die bioenergetischen Impulse, die hinter ihr stehen, abwürgen, um für Ruhe zu sorgen.

Deformation bei Babys Pucken im Tragegestell

 

Schädeldeformationen und das Festeinwickeln der Kinder wurde, wie archäologische Funde bestätigten, feste, institutionalisierte Tradition der Kindererziehung in den Wüstengebieten Zentralasiens, etwa 6000 v. Chr., als durch Wüstenbildung und Hunger das Patriarchat entstand. (Ausführliche Information über den Beginn der Schädeldeformationen und Traumatisierung.)

In den letzten Jahrzehnten gab es eine Wiederbelebung in der Praxis des Puckens von Babys und zwar mit dieser Taktik:

  1. Das Thema Pucken wird dem Thema plötzlicher Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) gegenübergestellt.
  2. Daraufhin erfolgt eine Wechselbeziehung  zwischen SIDS-Fällen und einer unsicheren Schlaf-Umgebung.
  3. Von dem ausgehend „findet“ man bessere Methoden des Puckens und
  4. als Grund für das Pucken wird angegeben, dass es „einen besseren Schlaf für alle“ gewährleiste.

Dieses Konstrukt ist eine typische Manifestation der Emotionellen Pest im Alltagsleben.

[bctt tweet=“Das Zusammenbringen von #Pucken und #SIDS bringt Mütter dazu, ihre Kinder zu pucken. #emotionaleKatastrophe“]

Das Pucken wird damit begründet, allen eine gute Nachtruhe zu gewährleisten, um so diese Praxis mit einer „guten Absicht“ zu rechtfertigen und den Eltern ein gutes Gewissen zu verschaffen.

Nichts wird über die Bedeutung der spontanen Bewegungen des Kindes für seine emotionale Gesundheit und natürliche Entwicklung gesagt; nichts darüber, wie schädlich die Einschränkung dieser Bewegungen für den Säugling ist.

Warum ist das Pucken so beliebt? Welche Schäden richtet es an und warum sind Eltern derartig willig, es zu akzeptieren? Kinderärzte, Hebammen, Krankenschwestern und Erzieher empfehlen es, und die Medien verkünden mit Begeisterung seinen Wert. Dass sich diese Methode derartig weit verbreitet hat, spricht eindeutig für tiefere Probleme in unserer Gesellschaft.

Hier eine Ausnahme, Dr. Hermann Josef Kahl:

„Wir Ärzte sehen immer wieder Kinder in unseren Praxen, die so eng gewickelt sind, dass sie zum Schreien gar nicht richtig Luft holen können.“ Für Dr. Kahl steht fest: „Es gibt keinen Grund, die Methode zu empfehlen.“ Schließlich wisse man doch gar nicht, ob sich das Baby wirklich wohlfühlt oder etwa nur aus Frust aufhöre zu weinen.

Vor allem aber fürchtet er, dass das Pucken den natürlichen Bewegungsdrang bremst. „Die Motorik wird über das Gehirn gesteuert. Es ist ein Lernprozess, den man fördern, nicht unterdrücken sollte.“[1]

Zwangsjacken für die Kinder der Zukunft

Zentral für die gesunde kindliche Entwicklung sind 2 Konzepte:

  • spontane Bewegung und
  • die Freiheit des emotionalen Ausdrucks.

Diese natürlichen Formen des Ausdrucks müssen zugelassen werden und sind unerlässlich, wenn man will, dass er sein oder sie ihr volles Potential entwickeln und das Leben genießen kann.

Wir alle wissen, dass die meisten Kinder – in vielerlei Hinsicht – einen Anfang hatten, der sie gehemmt hat. Aber heute gibt es einen weiteren Angriff auf die hilflosen Jüngsten – das Pucken. Es wird weltweit mit Begeisterung angenommen und diese unmenschliche Praxis wird fast ausschließlich von wohlmeinenden Eltern durchgeführt. Es wird ihnen gesagt, und sie glauben das auch noch, dass Kinder gerne gewickelt werden wollen!

In den 1940er Jahren zählte der Arzt und Psychiater Wilhelm Reich das Pucken zu den glücklicherweise längst überwundenen Praktiken einer lebensfeindlichen Erziehung à la Schreber[2]:

„Die rein mechanische Pflege erfüllt natürlich in keiner Weise die emotionellen Bedürfnisse des Säuglings. (…) Ich sehe hier von den schädlichen Säuglingspflegearten ab, die die moderne Erziehung bereits aus der Welt geschafft oder noch zu bekämpfen hat:

  • die strenge Einteilung der Nahrungsmenge und der Nahrungszeiten (…),
  • gewaltsame Streckung der Beinchen durch festes Wickeln wie vor 30 Jahren,
  • Verweigerung der Brust in den ersten 24 Stunden in manchen Hospitälern,
  • Überhitzung der Säuglingsräume,
  • die Routinebehandlung von Säuglingen in großen Anstalten,
  • das „Ausschreienlassen“ etc.

Solche Zwangsmaßnahmen sind Ausdruck lebensfeindlicher Einstellungen von Eltern und Ärzten. Sie schädigen die biologische Selbststeuerung des Organismus sofort nach der Geburt und legen die Grundlage zur späteren Biopathie[3], die dann als vererbte Belastung verkannt wird. Dies ist heute bereits Allgemeingut des Wissens, wenn auch noch nicht Gemeingut der praktischen Säuglingspflege“[4].

Der Grund für die Konjunktur des Puckens ist zweifach:

  • Zunächst einmal sind heutzutage Mütter weniger im emotionalen Kontakt mit sich selbst und brauchen deshalb gute Ratschläge. (Immer mehr „Experten“ bieten sich auf dem Markt an, um sie zu geben.)
  • Zweitens haben in der heutigen anti-autoritären, allzu freizügigen Gesellschaft Menschen weniger Körperpanzer (und zum Ausgleich mehr Augenpanzerung) und sind daher in der Regel ängstlicher, als sie es früher waren. Für viele ist die Geburt eines Kindes mit Angst verbunden und die freie Beweglichkeit eines ungepanzerten Säuglings macht ihnen ebenfalls Angst.

Werdende Eltern müssen ihre Ängste unter Kontrolle bringen – weshalb sie die Babys zu einem festen Paket wickeln und diese künstlich abpanzern. Es wird vorgegeben, dies würde den Babys ein Gefühl der Sicherheit geben, tatsächlich sind es aber die Eltern, die sich dadurch sicherer fühlen.

Bevor nicht Mütter und Väter in besserem emotionalen Kontakt mit ihren eigenen emotionalen Bedürfnissen und denen ihrer Kinder sind, gibt es keine Hoffnung für eine echte Verbesserung in der Art und Weise, wie mit Neugeborenen und Babys umgegangen wird.[5]

Das Baby im Video signalisiert deutlich, dass ihm widerstrebt, wie es behandelt wird: achte ab Sekunde 53 auf Mimik und Geräusche. Am Sprechen der kontaktlosen Frau ist ablesbar, dass sie, völlig unbeeindruckt von den Signalen des Babys und ohne zu Zögern einfach weiter macht.

Eine kontaktlose Mutter erzieht ihr Kind nach einem vorgefassten Plan. Sie duldet zu keiner Zeit eine Einmischung des Kindes, wenn es einen gegenteiligen Willen hat. Die Erziehung ihres Kindes ist weder ein gemeinsames Abenteuer, ein gegenseitiges Dazulernen an Erfahrungen noch ein Dialog.

Für sie ist Erziehung lediglich eine Befehlskette, wobei sie sich sicher ist, wer höher in der Rangordnung steht.

Es gibt eine andere Variante einer kontaktlosen Mutter, die vom Leben bedrängt und überwältigt wird, weil der Umstand, ein Kind großzuziehen, für sie nur eine zusätzliche Last darstellt und sie sich verstört auf Lösungen stüzen muss. Hier gibt es keine Lebensphilosophie, kein Konzept, nur der verzweifelte, unorganisierte Versuch, mit der Situation klar zu kommen.

Die ideologische Mutter aber schenkt dem Kind ihre Aufmerksamkeit, doch nur soweit ihre ideologische Doktrin reicht. Weil es an Balance in ihrem eigenen Leben fehlt, ist sie sich nicht bewusst, dass das Übermaß, bis zu dem sie ihren „Glauben“ treibt, einen Zustand von Ungleichgewicht in ihrem Kind hervorruft.

Das bleibende Prinzip der gesunden Kindererziehung ist es, dass reichliche Befriedigung der Bedürfnisse des abhängigen Kindes zum vollständigsten und am ehesten unabhängigen Menschen führen wird.[6]


Quellen/Anmerkungen:
  1. Quelle: Kinder- und Jugendarzt Dr. Hermann Josef Kahl, Sprecher des Ausschusses „Frühtherapie und Prävention“ im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. ↩
  2. Schreber lehrte seine Kinder, ihn als eine gottähnliche Gestalt zu verehren und zu fürchten. Er malträtierte sie durch diverse mechanische Geräte, fesselte sie, zwängte sie in ein Gestell, das die Kinder mittels Riemen und Stahlfedern zu einem kerzengeraden Gang zwang. Ließ diese Geräte herstellen und verkaufen. Prügel wurden bei ihm schon zur Disziplinierung des Säuglings eingesetzt, denn: „Eine solche Prozedur ist nur ein- oder höchstens zweimal nötig, und – man ist Herr des Kindes für immer.“ (sic!) Wikipedia ↩
  3. Biopathie: Erkrankung, die durch Störung der organismischen Pulsation entsteht (orgastische Impotenz). ↩
  4. Wilhelm Reich: Der Krebs, Fischer TB, S. 384 ↩
  5. Quellen: Charles Konia, Peter Nasselstein ↩
  6. Morton Herskowitz: Emotionale Panzerung, LIT, S. 186ff. ↩

27 Kommentare

  • Martina Bedregal Calderón

    So war das leider in Peru in den Städten und Anden auch, wo mein Sohn zur Welt kam (ich war dort verheiratet). „Hay que fajar los niños“ hieß es dort, „die Kinder müssen eingewickelt werden“. Als Grund sagte man mir, damit sie sich nachts nicht frei strampelten (in den Anden hat man nachts schon mal 20 Grad unter null und keine Heizungen) und sich nicht erschreckten.

    Ich hatte schon Jahre vorher das Buch „Auf der Suche nach dem Verlorenen Glück“ von Jean Liedloff gelesen. Und habe meinen Sohn danach aufwachsen lassen, oft auch gegen den Willen meines peruanischen Mannes: Ich habe meinen Sohn als er klein war immer bei mir getragen, im Tragtuch (qepe) oder im Tragbeutel (cangúro). Nachts schlief er bei uns/mir. Gewickelt habe ich ihn nicht, sondern ihm auf dem dortigen Schmuggelmarkt einen aus Chile gebrachten weiten Schlafsack gekauft. Darin hatte er Bewegungsfreiheit und war trotzdem vor der Nachtkälte geschützt (es gibt dort auch keine oder kaum Daunendecken).

    Wenn die Kinder in Peru älter wurden, gestand man ihnen allerdings sehr viel mehr Bewegungsfreiheit zu, so durften sie auf allen Feiern und oft auch bei der Arbeit dabei sein und herumtoben, ohne dass man gleich von Hyperaktivität sprach und Ritalin verordnete. Die Begriffe Hyperaktivität und ADHS sind übrigens in Peru kaum bekannt (mein Exmann ist Arzt), Kindern wird das Ausleben des Bewegungsdranges zugestanden, sie nahmen an vielen Dingen des Lebens der Erwachsenen teil und Anteil. Ganz besonders im Urwald, wo wir bis zu unserer Flucht aus einem Guerrillagebiet unter Machiguengua lebten.

    Hier wieder in Deutschland sehe ich, dass der Bewegungsdrang der Kinder (und Erwachsenen ) sehr eingschränkt wird, in der Erziehung, per Gesetz oder schlichtweg durch Abbau großer und gut ausgestatteter Spielplätze und Freiflächen.

    Und immer wieder schütteln meine Angehörigen, Kollegen etc. den Kopf, wenn ich ihnen erzähle, dass ich mit nun 51 Jahren gerne und stundenlang in meiner Freizeit durch Wälder streife, immer noch gerne schaukle oder auf Bäume klettere :-D.

  • Martina Bedregal Calderón

    …Mein Sohn ist übrigens inzwischen 22 Jahre alt, sozial sehr engagiert, hinterfragt auch mal Dinge in unserer Gesellschaft, musikalisch sehr begabt, selbstbewusst, empathisch, sprachenbegabt, hat Spaß an Tanz und Sport, rücksichtsvoll, war in der Schulzeit und ist jetzt an der Uni seit Jahren Mediator und Mentor für Jüngere und hat inzwischen auch die Flucht aus Peru und das Wiedereinleben in Deutschland gut verkraftet und verarbeitet, er ist selbstbewusst und hat weiterhin einen guten Kontakt und gute Beziehung zu mir und zu unseren Angehörigen in Peru. 🙂

  • Caspar

    Diese Perversion Babies gegenüber schmerzt mich sehr und ich konnte mir das Video nicht anschauen, der Artikel war genug! Wenn ich mir vorstelle, neun Stunden eng verschnürt im Bett verbringen zu müssen – Horror…
    Wie die Emotionale Pest durch Sexualunterdrückung entsteht und der Faschismus, hatte W. Reich z.B. in „Die Massenpsychologie des Faschismus“ detailliert beschrieben. Die gigantische Welle von Sexualunterdrückung ab 1983, die auf Lügen und Angst basierende „hiv“ macht „aids“-Lüge , durch die global reichenden Massenmedien, die von wenigen Familien kontrolliert werden, in Gang gesetzt,
    musste wieder zu Faschismuss und endlosen Kriegen führen. Bis heute ist dieser Glaube an die Gefährlichkeit des natürlichen, gefühlvollen Sex in den meisten Staaten tief verwurzelt, auch durch Schulumerziehung und konnte in kürzester Zeit zur weltgrößten Religion mit den meisten Mitgliedern aller Religionen aufsteigen – und so entstehen wieder mehr und mehr Grausamkeiten gegen das Leben. Ich wünsche mir manchmal, Reich hätte sich da und dort geirrt, aber leider ist das nicht der Fall. Martina Bedregal, Beitrag oben, möchte ich herzlich gratulieren!! Wo soll ich nun klicken, wenn ich angeben will, wie ich mich nach Lesen des Artikel fühle? Ziemlich nutzlos, diese Felder…
    Mit freundlichen und solidarischen Grüßen Caspar!

    • Solidarische Grüße zurück, Caspar, danke.

    • Martina Bedregal Calderón

      Danke, Caspar, dir möchte ich das selbe sagen: Danke für deinen Beitrag hier. Auch ich habe die Bücher Wilhelm Reichs gelesen und darin viele Wurzeln dessen gefunden, was unsere Gesellschaften und die Situation unserer Welt ausmachen.

      Sehr empfehlenswert ist auch das Buch „Die Rückkehr des weiblichen Prinzips“ von Inaqiawa. Eine Art utopischer Roman darüber, wie unsere Welt in 60 Jahren aussehen könnte und wie wir miteinander leben würden, wenn männliches und weibliches Prinzip wieder in der Balance wären, gleich nebeneinander und miteinander.

      Ich versuche, danach zu leben und habe glücklicherweise hier in Deutschland und auch im Ausland (England, USA, Marokko, Spanien) Freunde gefunden (Männer und Frauen) in denen beide Prinzipien im Einklang sind. 🙂

  • Interessant. Spannend wäre eine Erklärung, weshalb das Pucken vor allem bei Eltern aus dem „alternativen“ und so genannt „bedürfnisorientierten“ Spektrum so beliebt ist. Also die tragen/stillen/familienbetten/etc.

    • Gute Frage. Ich vermute mal, wenn eine Mutter davon ausgeht, dass sich das eingewickelte Kind geborgen fühlt, dann tut sie ja genau das Richtige. Und wenn du mal „pucken“ googelst, siehst du, dass sie von von überall bestätigt wird. Es geht schon gar nicht mehr ums ‚ob‘, sondern ums ‚richtige‘ Pucken.

      Die allermeisten Eltern haben ja selbst keine Geborgenheit erfahren und können sich in das Baby nicht hinein versetzen. Und wer liest schon Wilhelm Reich in der Schwangerschaft?

      • Martina Bedregal Calderón

        Ja, es ist ganz schwierig, diesen Kreis der fehlenden Geborgenheit zu durchbrechen, wenn man selber als Kind so aufgewachsen ist. Ich bin uneheliches Kind, das die ersten drei jahre im Heim aufwachsen musste, weil meine Mutter in einer katholischen Gegend (Rheinland) von ihren Eltern ins Mütterheim „abgeschoben“ wurde (weil die Leute ja hätten darüber schlecht reden können) und weil meine Mutter arbeiten mussste. Ich hatte damals also keine feste Bezugsperson. dann hat meine Mutter meinen Stiefvater geheiratet und ist zu ihm gezogen, wohl, um materielle Sicherheit zu haben.

        Der Rest meiner Kindheit war von Gewalt geprägt: meine Eltern haben sich untereinander ständig gestritten und geprügelt, und auch mein Halbbruder und ich wurden mit allem geprügelt, was meine Eltern in der Hand hatten, oft bis zur Krankenhausreife.

        Ich habe mich damals schon oft von der Familie und auch in der Schule etc. abgesondert, habe , wenn es zu schlimm wurde , oft tagelang im Wald gelebt (dort bin ich auch heute noch gerne). Meine Mutter (heute 72) kann heute noch keine Liebe oder auch nur eine Umarmung annehmen oder geben, gleichzeitig habe ich das Gefühl, sie verzehrt sich förmlich danach.

        Ich habe dann 1991 in eine machistische (vom Wort Macho abgeleitet), vom Katholizismus geprägte und somit ebenfalls gewaltgeprägte Gesellscheft eingeheiratet , die städtische in Peru. 1992 kam unser Sohn zur Welt.

        Einige Male ist auch mir die Hand ausgerutscht. Allerdings nie so gnadenlos wie bei meinen Eltern. Als mein Exmann (bin inzwischen geschieden) einmal unseren Sohn mit dem Hosengürtel verhauen wollte, bin ich dazwischen gegangen. Und ich war immer für meinen Sohn da, egal ob ich selber krtank war, wir Erdbeben hatten, es mir nicht gut ging etc. Als mein Sohn 16 wurde, habe ich mich bei ihm entschuldigt für die Klapse , die ich ihm gegeben hatte.

        Ich bin zwischen 1993 und 2005 mehrmals Opfer extremster Gewalt in Peru gewesen, im Bürgerkrieg dort durch Militärs (Guerrillakrieg), bei Überfällen und schließlich durch den eigenen Ehemann.

        Ich war einmal fast soweit, dass ich selber Gewalt ausübte in schlimmster Form, war kurz davor mitzuhelfen einen Verbrecher zu lynchen (gängig in Peru, da die Polizei dort sehr korrupt ist), habe mich aber dann abgewandt und die Gewalt gegen mich selber gerichtet. Es hat Jahre gebraucht, um mich daraus zu befreien, Jahre der PTBS und Suizidversuche.

        Inzwischen geht es mir sehr gut, nicht zuletzt dank einiger sehr guter Freunde, die als Soldaten in Kriegseinsätzen waren und in denen die Gewalt, die sie gesehen und erlebt haben, ebenfalls tiefe seelische Spuren hinterlassen haben.

        All dies bestätigt das, was die anderen Kommentatoren hier schreiben und auch das , was du in deinem Artiekl sagst, Hannelore. Gewalt erzeugt gewalt. Fürsorge- und Liebesentzug in der Kindheit und Jugend führt zu dem , was wir heutzutage auf der Welt und hier bei uns haben. Das tatsächliche und seelische „Einschnüren“ macht viele Menschen zu dem, was ich heute in unserer Gesellschaft sehe: Resignation, Ängste, Unsicherheit, materielle statt menschliche Ausrichtung, Gewalt, Aggression, Nebeneinander und Gegeneinander statt Miteinander, Unterdrückung von Gefühlen bis hin zu dem Punkt dass diese absterben in den Menschen. Vor allem aber Aggression (unter Nachbarn, am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr, auf Feiern etc etc. )

        Ich bin darum heute noch gerne lange alleine im Wald, gelte unter meinen Angehörigen (außer meinem Sohn) als Außenseiterin, habe aber wiederum hier und weltweit sehr gute Freunde, die wie ich empfinden und denken. Bin absolut gegen Gewalt und helfe inzwischen Flüchtlingen, praktisch aber auch seelisch.

        Das war jetzt alles sehr lang und ziemlich persönlich, aber ich wollte mal zeigen, woher das kommt, was heutzutage ist und wie sehr Wilhelm Reich und andere Autoren Recht haben mit dem, was sie festgestellt haben.

  • Für mich kommt aus Pucken aus der Bindungsphsychologie – was das Statement von Katarina ergänzt – und in meiner Wahrnehmung nichts anderes als eine überholte patriarchale Form ist Einfluss auf Kinder zu nehmen, sie zu kontrollieren und zu formen. Was Kinder brauchen sind feste stabile Wurzeln und dann freigelassen werden, damit sie sie selbst sein können, IHREN Weg gehen können. Das Pucken ist für mich der pervertierte Ausdruck der Bindungspsychologie und drückt physisch aus, was emotional geschieht.
    Es braucht eine Synthese zwischen reptiloider Selbstüberlassung und Distanz vom Kind und überbemutternder erdrückender Enge. Das sind zwei duale Pole, die Eins werden wollen. Die Mitte ist wie immer der Weg.

    • Danke für deinen Kommentar, Christel! Mit Bindungspsychologie habe ich mich wenig beschäftigt, werde ich aber ab jetzt tun. Hast du einen Link, wo beschrieben wird, wie ‚pucken‘ mit ‚Bindung‘ im Zusammenhang steht?

  • inge

    Das ist wirklich der dümmste Artikel, den ich dieses Jahr lesen durfte.

    • Inge, ich nehme an, dass sehr viele Leser/innen genau so denken. Deshalb habe ich den Artikel geschrieben. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deinen Gedanken hier mitzuteilen!

  • Regina

    Hilfe von Außen wird einem in der Kindererziehung zuhauf „angeboten“ (aufgedrängt!), auch wenn man gar nicht danach fragt! Ich habe in meiner Schwangerschaft viel gelesen, Jean Liedloff, Wilhelm Reich, A.S. Neill, Bücher über Homeschooling, etc… Meinen Sohn habe und lasse ich immernoch danach aufwachsen.

    Schon im Kindergarten merkte ich das er dadurch nicht so wirklich in das Gesellschaftsbild passt, und jetzt in der Schule ist es ganz besonders deutlich geworden. Er kann viele Dinge einfach nicht nachvollziehen (z.B. warum muss ich alle 45 Minuten das Fach wechseln, wenn ich gerade an etwas gearbeitet habe was mich sehr interessiert hat. Warum müssen wir in Kunst alle genau das gleiche Bild malen? Etc…).
    Jetzt bekommt er psychologische Hilfe weil er so „schwer“ ist (sonst wurde uns Sonderschule angedroht), und da wurde auch gleich die Quelle allen Übels herausgefunden: er wurde erst mit vier gänzlich abgestillt und darf bis heute noch bei mir im Schlafzimmer schlafen. Ich brauche wohl nicht erwähnen das ich auch therapiert werden muss.

    Na klar, ich gehe zu dem Psychotherapeuten und diskutiere mit ihm! Der warf mir vor ich hätte dem Kind die gesellschaftlich normalen Trennungserfahrungen vorenthalten. Abstillen muss man mit 9 Monaten. Und spätestens dann wollen (!!!) die Kinder auch in ihr eigenes Bett. Ich habe ihn dann mal gefragt, ob er ERNSTHAFT glaubt, wenn 9monatige Babies schon sprechen könnten, das auch nur ein Einziges nach seinem eigenen Bett fragen würde. Und wenn man sich so den Zustand unserer Welt = unserer Gesellschaft anschaut, ob er das wirklich für „normal“ hält. Habe ich leider keine Antwort drauf bekommen.

    Der Maßstab, an dem ich meine Handlungen messe, ist mein innerstes Gefühl. Wenn ich so auf die meisten (Gott sei Dank nicht alle) Menschen um mich herum hören würde, wüsste ich, das ich meinem Gefühl auf gar keinem Fall trauen darf. Nur den Experten.

    So, das hatte jetzt gar nichts mit dem Pucken zu tun… Aber das wollte ich jetzt trotzdem mal loswerden!

  • Erika Evers

    Haben diese Leute, die diese Technik anwenden schon selbst an sich erfahren dürfen? Wie geht pucken an Erwachsenen? Bevor ich etwas nicht an mir selbst erfahren habe möchte ich mir kein Urteil darüber erlauben. Aber der gesunde Menschenverstand sagt mir, das ich es nicht lange aushalten würde.

    • Martina Bedregal Calderón

      Pucken an Erwachsenen wäre dann wohl die Zwangsjacke… so wird sich ein Baby wahrscheinlich fühlen… Vorbereitung auf die „Stillhaltegesellschaft“?

      • Erika Evers

        Das pucken geht viel weiter als eine Zwangsjacke. Bei der ZwangsJacke kann der Erwachsene die Beine spreizen und anziehen, was beim pucken ja unmöglich ist. Also angenommen ein Erwachsener trägt wie das Baby eine Windel, dann frage ich mich wie er den „Stuhlgang“ erledigen kann, so im stramm geschnürten Zustand.
        Ich erinner mich noch genau bei meinen Kindern. Wenn sie groß mussten hat man es ihnen meisst im Gesicht und an der Körperhaltung angemerkt. Wenn sie dann im liegen die Beinchen angezogen haben und dann wieder ruckartig die Beinchen ausgestreckt hatten war es eindeutig. Hat man noch mit einer Hand gegen die FussSohlen gedrückt, als Hilfestellung sozusagen, dann ging es noch schneller. Wie soll das im geschnürten Zustand gehen? Kann mir nicht Vorstellen, daß das Gesund sein soll. Der ursprüngliche Gedanke eines geborgenen Gefühls wie im Mutterleib mißachtet die Tatsache, das mit der Geburt und der Aufnahme von Darmbakterien die Darmtätigkeit angeregt wird und ab diesem Zeitpunkt für den Säugling nichts mehr so ist wie es im Mutterleib war.

  • Beatrix

    Unter 400 Säuglingen wird es niemals den einen Weg geben, der für alle in gleicher Weise richtig ist. Es werden immer 400 unterschiedliche und individuelle Wege sein, die insgesamt erfolgversprechender sind. Das Pucken ist aus meiner Sicht einer dieser 400 individuellen Wege.

    Da eines meiner Kinder von Geburt an ein außerordentlicher Schreier bzw. exzessives „Schreibaby“ war, konnten wir ihn durch das Pucken schneller beruhigen und die Schlafphasen merklich verlängern. Hierzu ist zu sagen, das die Geburt unseres Kleinen alles andere als glatt verlief. Sein Start ins neue Leben war sehr holprig und stand mit viel Stress in Verbindung. Aufgrund dieser frühen negativen und aus heutiger Sicht traumatischen Erfahrung, reagierte unser Kind mit andauerndem und exzessiven Schreien. Anders als bei normalen Schreiern war er nicht in der Lage sich selbst zu beruhigen und steigerte sich regelrecht ohne Ende in sein Schreien rein. Dieser Zustand dauerte gut 18 Monate. Körperliche oder geistige Erkrankungen lagen nicht vor.

    Emotional und psychisch war es für uns (inkl. Baby) eine nervliche Entlastung, wenn wir ihn eingepuckt haben. Gerade in diesen Situationen war es überhaupt erst möglich mit unserem Kind zu kommunizieren. Von daher ist aus meiner Sicht abzuwägen, wann und ob das Pucken bei Neugeborenen sinnvoll erscheint. Geholfen hat es uns jedenfalls sehr!

    Ganz anders verhielt es sich bei unserem zweiten Kind. Hier stellte sich für uns überhaupt nicht mehr die Frage, dass Kind zu pucken, da es in der Lage war sich schnell selbst zu beruhigen und auf unsere Beruhigungsversuche auch sofort reagierte. Zudem haben wir schnell bemerkt, dass Trage- und Puck-Tücher u. ä. eher den umgekehrten Effekt hatten und ihn sehr schnell reizten und er dies uns lautstark mitteilte.

    Das Pucken als „Zwangsjacke“ zu bezeichnen, ist jenen Eltern gegenüber eine Ohrfeige, die ein exzessives Schreibaby haben und kaum bis keine andere Möglichkeit mehr haben, um ihr Neugeborenes zu beruhigen. Von daher sehe ich eine Verallgemeinerung in dieser Sache äußerst kritisch!

    • Martina Bedregal Calderón

      Beatrix, ok, dann ist in solchen Fällen das Pucken wohl nötig. Dann will ich auch nicht verallgemeinern.

      Mein Sohn hatte reisebedingt (wir lebten abwechslend in den Hochanden und tiefer gelegen) die häufigen Koliken und hat auch viel geweint in den ersten Monaten. ich habe ihn dann im so genannten „Fliegergriff“ in Bauchlage herumgetragen, damit konnte ich ihn schnell beruhigen. Aber das war natürlich auch wiederum eine andere Sachlage als bei deinem Kind.

  • Nun, ich finde den Artikel offen gesagt recht reißerisch und undifferenziert. Kein vernünftiger Mensch wird die Vorgehensweisen und Praktiken von längst überwundenen Zeiten im Hinblick auf Kindererziehung oder andere Lebensbereiche gutheißen. Das sollte ausser Frage stehen. Das hier ins Feld zu ziehen, ist nicht ganz in Ordnung. Unabhängig davon, kann man das Pucken sicher kritisch sehen. Aber man muss auch die sprichwörtliche Kirche auch da lassen wo sie hingehört: pucken kann, muss aber nicht durchaus bei dem einen oder anderen Kind z.B. das Ein- und Durchschlafen positiv beeinflussen. Wer allerdings sein Kind gegen seinen klaren Willen fest wickelt, handelt falsch. Das gilt nicht nur für das Pucken, sondern auch für hunderte andere Dinge die Babypflege betreffend. Dazu muss man weder studieren noch historische Zusammenhänge jedweder Art kennen – man muss lediglich seinen Kopf benutzen und seiner logischen aber auch empatischen Intuition folgen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

    • Christine, ich habe auf deiner Webseite gelesen. Was du befürwortest ist ein „Pucksack“, eine Art Schlafsack für Babys. Auch Erwachsene benutzen Schlafsäcke, die Bewegungsfreiheit gewähren, würden sich aber nicht pucken lassen, wie oben im Video gezeigt. Wenn das Baby z.B. so eingewickelt ist, dass es den Daumen nicht zum Mund führen kann, ist das schädlich für die psychologische Entwicklung des Kindes.

      Ich werde darüber in einem eigenen Artikel schreiben. Auf jeden Fall Danke für deinen Beitrag, hat mich inspiriert.

  • Rosalix

    Wahrscheinlich liegt die Gefahr tatsächlich in der zuz allgemeinen Empfehlung des Puckens , sowie darin, dass manche es einfach falsch anwenden. Solche Praktiken stammen einfach nicht aus unserem Kulturkreis ( siehe oben) . Meine unruhigere Tochter schlief immer sofort ein wenn ich ihr den „Shneeanzug“ anzog.. Das fand sie anscheinend sehr beruhigend.
    Die Art wie das Kind im Video zusammen geschnürt wird finde ich dagegen schon befremdlich. Wo ist das rechte Maß?

  • Martina Bedregal Calderón

    Im städtischen Peru (eher spanisch geprägt) wird wie gesagt auch noch gepuckt, in fast allen Familien. Und dort werden auf den Straßen auch noch Lederriemen zum Züchtigen der Kinder verkauft. In staatlichen Schulen regiert noch der Stock, obwohl gesetzlich verboten.

    Ich habe auch in Nordafrika gelebt (Tubu, Kel Tamachek), dort wurden Kinder nicht eingewickelt.

    Ebenso wenig bei den indigenen Völkern im Urwald Perus (Machiguengua, Shipibo). In den Anden (Aymará, Quechua) wurden sie warm eingepackt im bunten Tragtuch (qepe) getragen, aber nicht so stramm gewickelt.

  • Rosalix

    Sher interessante Details! Wußte ich nicht und das weiss wahrscheinlich auch kaum jemand der nich dort war. Danke!

  • Marcus Breitmeyer

    Bewegungsunfähig eingebunden zu sein, verursacht zunächst Angst bis hin zur Panik und in letzter Konsequenz Hass, und zwar auf jenen Menschen, der aktiv einbindet und einen anderen Menschen (hier einen Säugling) seiner Bewegungsfähigkeit beraubt. Wollen diese Mütter etwa von ihren eigenen Kindern gefürchtet und gehasst werden?

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