Subsistenzwirtschaft: Freude am Tun und dann genießen

Selbstversorgung

Die Menschen, die in vorpatriarchaler, vorkapitalistischer Zeit auf der Erde lebten, also bis vor ca. 6000 Jahren, waren Sammlerinnen, KünstlerInnen, betrieben Garten- und Ackerbau und kannten alle Handwerke. Ansiedlungen waren nicht befestigt, Besitzrechte waren unbekannt, und damit auch das Erbrecht und überhaupt die Sitte des Vererbens.

Die Felder waren nicht unterteilt, die Häuser gingen ineinander über, wie wir es heute noch bei den Pueblo-IndianerInnen sehen können. Es gab keine sozialen Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder innerhalb der Geschlechter, auch nicht zwischen den Generationen.

Die Gemeinschaften als Ganzes konnten aus mehreren Hunderttausend Menschen bestehen, die sich auf ein Netzwerk aus Sippen und Stämmen verteilte. Die Ökonomie war immer die der Subsistenzwirtschaft.

Was ist Subsistenzwirtschaft?

Subsistenzwirtschaft ist mit Selbstversorgung gleichzusetzen und zugleich mit Nachhaltigkeit. Das heißt nicht, den eigenen Salat im Ziergarten anzubauen oder überhaupt Landwirtschaft zu betreiben.

  • Subsistenzproduktion umfasst alle Tätigkeiten, die unmittelbar der Schaffung, der Wieder-Erschaffung und der Erhaltung von Leben dienen, und darüber hinaus keinen weiteren Zweck verfolgen.
  • Subsistenzproduktion steht deshalb im Gegensatz zu Waren- und Mehrwert-Produktion.
  • In der Subsistenzproduktion ist „Leben“ das Ziel, in der Warenproduktion hingegen ist es „Geld“, das immer mehr Geld produziert, oder die Akkumulation von Kapital.

Selbstversorgung heißt, dafür zu sorgen, dass du selbst versorgt bist, mit allem was deine persönlichen Bedürfnisse deckt. Das gleiche gilt für die anderen Individuen in der Gemeinschaft.

Leute, die Geld oder Menschen für sich arbeiten lassen, sind keine Selbstversorger.

Ein großer Teil der Frauenarbeit und der Do-it-yourself-Heimwerker gehört zur Sphäre der Subsistenzwirtschaft und wird von der herrschenden Volkswirtschaftslehre gar nicht erfasst.

Für die Mehrheit der Menschen wäre freie Subsistenzwirtschaft immer die angenehmere und effizientere Lebensweise.

Die Massen hatten nie einen Vorteil vom Kapitalismus; dieser war und ist für die herrschende Klasse das überlegene Unterdrückungssystem.

Freie Märkte gab es nicht in der Geschichte, sonst hätten die „freien Bürger“ zu ihrem Vorteil die Subsistenzwirtschaft durchgesetzt, anstatt in Bergwerken oder Fabriken ihre Gesundheit für den Profit der kapitalistischen Herren zu ruinieren.

Um Besitz zu vermehren muss Subsistenzwirtschaft künstlich verhindert werden, hat sie doch bis in unsere Zeit für die Mehrheit der Menschen bestens funktioniert.

Warum Subsistenzwirtschaft frei macht

Subsistent lebende Gemeinschaften sind subversiv, weil sie sich dem herrschenden System entziehen; sie können von den Unterdrückungsmechanismen des (kapitalistischen) Systems nur schwer erreicht werden und sind in der Reaktion auf schwierige Situationen sehr flexibel.

In einer Studie von Sinith Sitirak (1998) wird der Aspekt des umfassenden Wissens über ein nachhaltiges Leben in Verbindung mit oraler Tradition hingewiesen. Sie beschreibt, wie sich ihre in Bangkok lebende Mutter eine ganze Reihe im Hinterhof gezogener Pflanzen zunutze zu machen wusste und dadurch von in Geschäften erhältlichen Konsumgütern unabhängig war.

Farida Akhter (1990) identifizierte dieselbe Fertigkeit bei Dorfbewohnerinnen in Bangladesh (Literatur s.u.).

Aber auch bei uns kursieren in vielen Familien noch die Geschichten aus der Nachkriegszeit, als den Frauen gar nichts anderes übrig blieb, als jedes verfügbare Stücken Land in einen Nutzgarten zu verwandeln und die Haltung von ein paar Hühnern wesentlich zum Lebensunterhalt beitrug.

In unserem Wirtschaftssystem gibt es eine moderne Marktnische für Subsistenztreibende: die Baumärkte.

Jeder Hobbyhandwerker weiß, welch enorme Kosten durch „Do-it-yourself“ eingespart werden können. Für manche Familien ist ein Aus- oder Umbau am Haus so überhaupt nur möglich.

Oft hört man, dass das Selbstreparieren und Tüfteln, bis etwas Defektes wieder funktioniert, den Leuten ja Spaß mache. Genau darin liegt das Wesen von Subsistenz: Die Freude am Tun, was man gerne und gut macht, und der anschließende Genuss des Ergebnisses. (Geld ist dabei nicht ausgeschlossen!)

Wir haben sie bereits, die modernen Subsistenzberufe, wir brauchen nur das Wort „Hobby“ davor zu setzen: Hobbyfotograf, Hobbygärtnerin, Hobbykoch usw. und auch der Ort ist vorhanden: Hobbyraum.

Hobby ist synonym mit Freizeitbeschäftigung, im Unterschied zur Arbeit, die andere für (be)lohnenswert halten („Lohnarbeit“).

Was, wenn unsere Freizeitbeschäftigungen überhand nähmen, und sich direkt bezahlt machten?

Die Ausrichtung auf Subsistenz kann also die Basis für erfolgreichen und dauerhaften Widerstand gegen die Ausbeutung sein.

Ein Beispiel:

 

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Literatur:
Subsistenz und Widerstand: Alternativen zur Globalisierung

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Ein Kommentar

  • Pingback: Hannelore Vonier

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