Von Obama lernen und Erfolg haben, das wollen auch deutsche Parteien mit Blick auf die Bundestagswahl. Doch die Begeisterung für digitale Werkzeuge reicht nicht aus, erklärte Mary C. Joyce Golem.de im Gespräch. Sie war in Obamas Wahlkampfteam.
Mary C. Joyce:
“Das Wichtigste sind nicht die Tools, das Wichtigste ist die Strategie.”
Ein möglicherweise hilfreicher Hinweis für deutsche Politiker, die seit Obamas Sieg überlegen, wozu Onlineauftritte, Blogs und Twitter gut sein könnten.
“Viele digitale Aktivisten sind Technikfanatiker”, sagt Joyce. “Sie wissen über Blogs, Videos und Twitter Bescheid. Sie glauben, dass sie politisch etwas verändern können, wenn sie diese Tools nutzen.”
Der Obama-Wahlkampf aber sei die ausgefeilteste digitale Kampagne gewesen, die es je gegeben hat. Es war klar definiert, welches Publikum angesprochen werden sollte – die Jungen. Und es war klar, welches Ziel es zu erreichen galt – den Wahlsieg. Erst dann wurde überlegt, welche Werkzeuge zu diesem Zweck eingesetzt wurden.
Mitmachcharakter
Anders als bei früheren Wahlkämpfen hat Obama die Leute nicht nur dazu aufgerufen, wählen zu gehen, sondern auch dazu, sich zu beteiligen. Sie sollten selbst zum Wandel beitragen. So konnte jeder, der wollte, beim sozialen Netzwerk Mybarackobama.com bloggen, Gruppen bilden, Veranstaltungen organisieren. Das war ganz typisch für den Mitmachcharakter des Obama-Wahlkampfs.
Eine klare Strategie und perfekte Organisation.
Aber dass die Menschen sich auch beteiligen wollten, hatte laut Joyce seinen Grund jenseits des Internets.
“Das lag zum großen Teil daran, dass Obama selbst so inspirierend war. Als er die Menschen aufgefordert hat mitzumachen, haben sie einfach Ja gesagt. Das Internet war nur noch ein Mittel, tatsächlich etwas zu tun.”
Der Mut, Macht zu teilen
Und schließlich hatte Obama auch den Mut, betont Joyce, einen Teil der Kontrolle über den Wahlkampf abzugeben.
Weil die Nutzer eigene Inhalte erstellten, bekamen sie Macht. Und genau das machte den Wahlkampf so populär.
“Die Menschen können sehr gut unterscheiden, ob man nur ihre Stimme und ihr Geld will, oder ob sie aktiv mitmachen dürfen. Die zweite Variante ist viel inspirierender. Und das könnte auch anderswo funktionieren”, überlegt Joyce.
Übrigens auch der Slogan “Yes we can” wurde von den Aktivisten getragen und durch einen Hip-Hop-Song verstärkt. Eine Kampagnen-Agentur wäre wohl kaum dazu in der Lage gewesen.
Hier ist der Link zu dem Video mit dem Hip-Hop-Song und dem Lied-Text, inspiriert von den konkreten Worten Obamas: Yes We Can – Barack Obama Music Video
Obamas Wahlkampfslogan hat sein Vorbild in dem gewerkschaftlichen Kampfruf Yes we can, den 1972 die US-Landarbeiter-Gewerkschafter César Chávez und Dolores Huerta als Sí se puede geprägt hatten.
Quelle Video und Interviewtext: Golem
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