Der amerikanische Kolumnist Thomas Friedman schreibt aus Neu-Delhi.
Also, ich besuchte die Klima-Konferenz des Energy and Resources Institute in Neu-Delhi (Mitte Feb. 2009). Und während der Nachmittags-Veranstaltung machen mir zwei junge Amerikanerinnen – eine zusammen mit ihrer Mutter – einen Vorschlag.
“Hey, Mr. Friedman,” sagten sie, “hätten Sie Lust auf eine kleine Spritztour durch Neu-Delhi in unserem Auto?”
“Na, hören Sie mal! Den Satz kenne ich schon.”
“Ach was? Aber dieses Auto kennen Sie noch nicht. Es ist ein Elektro-Auto mit Steckeranschluss, das außerdem mit Solarzellen auf dem Dach angetrieben wird.”
Und die beiden jungen Frauen – frischgebackene Yale-Absolventinnen – sind gerade damit quer durch Indien in einer “Klima-Karawane” gefahren, um auf die Lösungen zur globalen Erwärmung aufmerksam zu machen, die von indischen Firmen, Gemeinschaften, Universitäten und Erfindern entwickelt wurden. Und auch um andere zu Taten zu inspirieren.
Sie fragen mich, ob ich mitfahren will, aber ich habe Visionen von Polizisten, die mich anhalten und einem Ende in einem indischen Gefängnis. Keine Sorge, meinen sie. Indische Polizisten haben sie überall in Indien angehalten. Zuerst wollten sie den Führerschein sehen, dann erkundigten sie sich, wie das Solardach des grünen Autos es schafft, 10 Prozent des Energieverbrauchs zu erzeugen – und dann haben sie versucht den Wagen zu kaufen.
Wir machten uns auf den Weg: die Panchsheel Marg runter, einer von Neu-Delhis Hauptstraßen. Die Damen wollten mir etwas zeigen. Die US-Botschaft und die chinesische Botschaft, beide an der Panchsheel, liegen sich direkt gegenüber. Sie forderten mich auf, das Dach jedes Botschaftsgebäudes genau anzuschauen. Was sehe ich da? Also … Das Dach der US-Botschaft ist voll von Antennen und anderen Abhörvorrichtungen. Das chinesische Botschafts-Dach ist voll von … neuen, in China gebauten Solar-Heißwasser-Boilern.
Darauf würde man nicht kommen!
Etwas tun zu wollen war nur einer von vielen Gründen, der meine Gastgeberinnen, Caroline Howe (ihr Blog), 23, eine Maschinenbauerin auf Ferien von Yale School of Forestry and Environmental Studies, und Alexis Ringwald (auf flickr), eine Fulbright-Stipendiatin in Indien und jetzt Solar-Unternehmerin, veranlasst hat sich mit Kartikeya Singh zusammenzutun.
Singh hat das Indian Youth Climate Network (IYCN) gegründet, um junge Klima-Führungspersönlichkeiten in Indien zu verbinden, ein Land, das wegen seines ökologischen Fussabdrucks unter steigenden globalen Druck gerät.
“Indien ist voll von innovativen Klima-Spezialisten, die weit verstreut sind über dieses riesige Land, so dass viele Leute nicht mitkriegen, dass diese Lösungen genau jetzt schon angewendet werden,” sagte Howe. “Wir wollten einen Weg finden, um Leute rund um existierende Lösungen zusammenzubringen und Anregung geben, damit Innovationen in die Tat umgesetzt werden. Es ist keine Zeit mehr, um nur über Probleme zu reden.
Howe und Ringwald hielten eine “Klima-Lösungs-Rundfahrt” für den besten Weg dazu. Sie benutzten dafür modifizierte Autos der indischen Reva Electric Car Company. Ringwald, die den Geschäftsführer kannte, überzeugte diesen drei seiner Autos zur Verfügung zu stellen und sie mit langlebigeren Batterien und Solar auszustatten. Damit konnten sie 90 Meilen (145 km) mit einer einzigen sechstündigen Ladung zurücklegen – und das zusätzliche Solardach würde die Strecke noch verlängern.
Zwischen dem 1. Janur und dem 5. Februar 2009 fuhren sie auf einem 2.100-Meilen-Trip von Chennai bis Neu-Delhi, hielten in 15 Städten und Dutzenden von Dörfern, um indische Student/innen zu trainieren, damit diese ihr eigenes Klima-Aktions-Programm starten konnten. Sie filmten dabei 20 Videos über die besten einheimischen Energie-Neuerungen Indiens.
Dabei hatten sie außerdem eine solar-betriebene Musik-Band, plus einen Lastwagen für das Gepäck, der mit dem extrahierten Pflanzenöl von wild wachsenden Jatropha (Wolfsmilchgewächs) und Pongamia (Hülsenfrucht) lief. Eine Bollywood-Tanzgruppe begleitete die Gruppe zeitweise und ein Tscheche, der von der Road-Tour über YouTube erfahren hatte, schloss sich mit seinem Laster an, der mit den Abfallstoffen von Pflanzenöl betrieben wurde.
Deepa Gupta, 21, eine IYCN-Mitgründerin, erklärte der Hindustan Times, dass der Trip ihr die Augen für die vielen bevorstehenden einheimischen Energie-Lösungen geöffnet hat – “wie ökologische Landwirtschaft in Andhra Pradesh oder die Verwendung von neem (tropischer Niembaum) und Knoblauch als Pestizide. Vieles war bereits vor Ort etabliert, wie die Gadhia-Solaranlage in Valsad, Gujarat, wo Dampf zum Kochen verwendet wird und man fast 50.000 Leute in einem Rutsch verköstigen kann.” (Siehe: India Climate Solutions.com.)
In Rajpipla, in Gujarat, stoppten sie beim dortigen Prinzenpalast, um ihre Autos aufzuladen. Dabei entdeckten sie, dass der Prinz beruflich die Kultivierung von Würmern betrieb und sie als öko-freundliche Alternative zu chemischen Düngern verkaufte. (Video)
Ich traf Caroline Howe und Alexis Ringwald nach einem ermüdenden Tag, aber ich muss zugeben, dass ich lächeln musste, sobald sie begannen ihre Geschichte zu erzählen.
Nach einem Jahr als Beobachter von Erwachsenen, die sich mit der verheerenden Rücksichtslosigkeit in den Finanzmärkten abgeben, und mit deprimierenden, nutzlosen Gesprächen über das globale Klima, ist es erfrischend zu wissen, dass die Welt weiterhin junge idealistische Menschen hervor bringt, die nicht darauf warten, dass Regierungen handeln, sondern ihre eigenen Projekte starten und Innovationen vorantreiben.
“Warum fand diese Tour statt?” fragte Ringwald. “Warum dieser total verrückte Plan, durch ganz Indien in einer Karawane von Elektro-Autos und Jatropha-Lastern zu reisen, mit Solar-Musik, Kunst, Tanz und einer schlagkräftigen Botschaft für Klima-Lösungen?
Na ja, die Welt braucht verrückte Ideen, um Dinge zu verändern, weil die konventionelle Art des Denkens nicht mehr funktioniert.”
Thomas L. Friedman ist Pulitzer-Preis-Gewinner und schreibt für die New York Times seit 1981. Übersetzung und Hervorhebungen von mir.

Ich, Hannelore, bin davon überzeugt, dass die Klimaschwankungen auf diesem Planeten weder etwas mit dem Verhalten der Menschen zu tun haben, noch von uns beeinflusst werden können. Es gibt zuviele Wissenschaftszweige, deren Studien das belegen, von der Geologie bis zur Genetik. Was wir tun können, ist diese Schwankungen und die damit zusammenhängenden Phänomene, die wir katastrophisch nennen, besser verstehen lernen, um uns besser anzupassen.
Ich glaube andererseits, dass es sinnvoll ist, viele alternative “saubere” Energie-Lösungen zu finden und anzuwenden, aus reiner Selbsterhaltung. Dabei kann jedeR zur Tat schreiten. Apropos Tat, hier ist ein Link zum Zenhabits-Blog Task Ninja: Form the Action Habit
Ein Post-it-Zettelchen klebt an meinem Monitor, darauf steht “The Cure: Stop thinking, just do it”.
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