Gesellschaft im Wandel: Der Wert der Unordnung (Buchtipp)

Leserin Andrea hat im Kommentar auf das neue Buch von David Weinberger hingewiesen. Ich habe bei Amazon die Beschreibung und die Reviews gelesen und das Buch gleich bestellt. Hier einige Auszüge:

Kurzbeschreibung: Ob wir spazieren gehen, einkaufen oder uns unterhalten – ständig teilen wir die Lebewesen und Dinge, die uns umgeben, ein in verschiedene Kategorien: Bäume und Blumen, Milchprodukte und Gemüse, sympathische Menschen und unsympathische. So schaffen wir Ordnung und finden uns in der Welt zurecht wie in einer Bibliothek – alles hat seinen Platz.

Diese Ordnung kommt ins Wanken, sagt David Weinberger. Unser Denken in festen Kategorien führt uns auf Dauer nicht weiter, wir müssen lernen, mit Chaos, Unordnung und Unschärfe umzugehen. Nur so lässt sich verstehen, warum Projekte wie Wikipedia funktionieren, warum YouTube, Flickr und iTunes so populär und erfolgreich sind.

Das ist nicht weniger als eine Revolution: Denn auf einmal verlieren Experten ihre Macht, soziale Netzwerke werden immer einflussreicher, Kunden und Bürger entscheiden selbst, weil sie am besten wissen, was sie wollen. Jeder besorgt sich genau die Informationen, die er braucht, und bringt sie in die Ordnung, die ihm am besten nützt.

Lesermeinungen:

Das Wissen, das die Menschheit zusammengetragen hat, wird in Wisensspeichern gehortet und in verarbeitbaren kleinen Dosen von Generation zu Generation weitergegeben. Alles ist hübsch geordnet und in Disziplinen aufgeteilt. Die Erfinder dieser Ordnungen und die Hüter dieser Disziplinen haben (noch!) die Macht über unsere Erkenntnisprozesse und unser Verstehen dieser Welt.

Auch in unseren Unternehmen herrschen Ordnung und Kontrolle. Klare Strukturen, klare Zuständigkeiten, klare Ziele – noch! Nach herkömmlicher Auffassung braucht man das alles, um Risiken zu vermeiden. Aber die vermeintliche Sicherheit erhält man nicht zum Nulltarif. Man bekommt sie um den Preis eines gebremsten Wachstums und einer eingeschränkten Innovativität, denn Kontrolle kostet Zeit und Kraft. Intellekt und Kreativität werden auf das Vermeiden von Risiken gelenkt und nicht vorrangig zur Erschließung neuer Chancen eingesetzt. In unserer heutigen hochkomplexen und hochdynamischen Welt sind Risiken ohnehin nur bedingt beherrschbar.

Man wird – paradoxerweise – diesem Phänomen aber eben durch erhöhte Controllinganstrengungen nicht beikommen können. Ein solcher Problemlösungsversuch würde – im Gegenteil – das Problem zusätzlich verschärfen. Es gilt vielmehr, die Angst vor dem Kontrollverlust zu überwinden und die Zügel loszulassen. Weg mit einengender Bürokratie…

Weinberger plädiert ausgehend vom so genannten Web 2.0 für ein Enterprise 2.0. … „Das Ende der Schublade“ ist ein Buch, das jeder gelesen haben muss, der sich mit den Themen unserer Zeit auseinandersetzt. Die Unternehmen betreffend wird das aufkommende neue Leadership-Verständnis durch Weinbergers Buch gewaltig an Drive zulegen und den aktuellen Trend forcieren.

Obwohl wir Menschen immer nach Ordnung suchen und ganze Ordnungssysteme konstruieren z. B. für die Planeten, die Tier- und Pflanzenarten, die chemischen Elemente, für Bibliotheken und Supermärkte, sind wir in den letzten Jahrzehnten in eine gigantische digitale Unordnung hineingeschlittert. Und das ist auch gut so, denn das Chaos, das sich Internet nennt, bietet jedem Einzelnen nie da gewesene Chancen…

Mehr unter:

Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung

Ein Kommentar

  • Andrea

    Ich habe das Buch regelrecht verschlungen!  Vor allem der Vergleich zwischen Enzyclopädie Britannica gegenüber Wikipedia war ein richtiges Augenöffner…  Und herrlich zu sehen, wie Grenzen überschritten werden (in zutiefst politischen Sinne) und eine neue Ordnung des Wissens authentisch, authoritative und vor allem kollektiv praktiziert wird.  

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