Transformation – Change has come

by Hannelore Vonier on 20. Jan 2009 · 15 comments

Inauguration Day, der dritte, seit ich in den Staaten lebe. Der erste, den ich bewusst wahrnehme.

Wir schalten schon morgens den Fernseher ein und sehen ein Meer von Menschen. In Washington, DC haben tausende während der Nacht auf den Straßen gefeiert, tanzend und singend. Die U-Bahnen sind schon beim ersten Halt gestopft voll. Die Wartenden an den nächsten Stationen kommen gar nicht rein und schaffen es nicht in die Stadt.

Der erste zeremonielle Event an diesem Morgen ist ein Gottesdienst. Typisch USA. Auf den Geldnoten steht “In God we trust”. Und ich kenne viele Leute, die Sonntags morgens nicht für Tennis zur Verfügung stehen, weil sie in die Kirche gehen.

Heinz Grünwald hat einen Link zu einem Artikel getwittert: Barak Obama – Lebender Beweis, dass Familienwerte auch ohne Religion charakterbildend sind.
Das scheint mir gerade einer der Gründe für Baraks Fähigkeit zu Empathie und das Fehlen von Scheuklappen zu sein.

[Muhammad Ali läuft durchs Bild]

Nach der Kirche fahren Barack und Michelle zum Weißen Haus (sie halten sich übrigens die ganze Zeit an der Hand, wenn sie nicht anderer Leute Hände schütteln). Dort treffen sie Präsident George W. Bush und seine Frau Laura am Eingang. Während sie sich begrüßen, übergibt Michelle ein Geschenk.
Ein Abschiedsgeschenk vom neuen an das scheidende Präsidentenpaar – das gab’s noch nie.

Es ist eine der vielen Gesten und Handlungen der Obamas, die absolute Novitäten in diesem Amt darstellen. Wie z.B. dass Michelle Weihnachtsemails an Supporter schickte. (Ich habe auch eine bekommen, weil ich bei www.mybarackobama.com registriert bin. Sie hat mich mit ‘Hannelore’ angesprochen und mit ‘Michelle’ unterschrieben. Cool ;-) )

Die Fernseh-Kommentatoren beginnen zu spekulieren, was in dem Päckchen ist…

[Dustin Hoffman läuft durchs Bild.]

Jetzt ist es später Vormittag und ich muss mich entscheiden, ob ich Tennis spielen gehe oder am TV kleben bleibe. Ich habe seinerzeit live gesehen, wie das zweite Flugzeug in das World Trade Center krachte, dann bleibe ich auch in diesem historischen Moment hier sitzen.

Damals – am 11.9.2001, dachten wir, wir wären ins falsche Land ausgewandert. Dann die Wahl Bushs zum zweiten Mal. So traumhaft schön unser Leben hier ist, aber das waren mehr als Wermutstropfen.

Mit der Wahl von Barack Obama fühle ich mich wieder als Teil einer Gesellschaft, zu der ich gern dazu gehöre.

[Thomas Knüber twittert: Inauguration makes Twitter so much easier. Instead of president-elect it's just president. Saves 6 letters.]

Auf dem Bildschirm treffen mehr und mehr Gäste im Capitol ein. Gerade kommt Al Gore an. Was mag wohl durch seinen Kopf gehen? Was wäre, wenn ihm die Wahl von Bush nicht gestohlen worden wäre…

[Arnold Schwarzenegger geht durchs Bild]

Fünf Präsidenten stehen zusammen – 3 frühere (Carter, Bush sen.,Clinton), ein gegenwärtiger und ein zukünftiger. The most excluvive club of the world.

Der Zeitplan ist etwas hinterher. Der 20. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung besagt “noon transfers power”, ob die Vereidigung nun stattgefunden hat oder nicht. Hoffentlich schaffen sie es ;-)

“Big show” sagt mein Mann. Die Straßen und Plätze Washingtons sind schwarz vor Menschen. The biggest show ever. Und die Freude und Begeisterung springt über, dagegen kann man sich gar nicht wehren. Warum auch.

Gerade kommen die Obama-Töchter mit ihrer Großmutter. Locker – cool. In Jakarta, Indonesien, sitzen mitten in der Nacht die Kinder der Grundschule, die Barak besucht hat, in ihrer Klasse vor großen Bildschirmen und schauen zu. Was sie denken? “Das kann ich auch!”

Jetzt kommt Barack Obama. Er geht langsam, das muss er wegen des Protokolls. Passt nicht zu ihm. Kommt ja auch nicht so oft vor. Vielleicht wieder in 4 Jahren…

Zehn vor 12:00: Ein christlicher Priester spricht. Alle beten. Das könnten sie weglassen. Es scheint mir der künstlichste Teil der ‘big show’. Die Menschen waren fröhlich und lebendig. Jetzt ist alles erstarrt.

Aber der anschließende Auftritt von Aretha Franklin lässt die pastoralen letzten Minuten schnell vergessen. Sie singt so superkitschig, dass es schon wieder schön ist. So sind sie halt, die Amis ;-) Viel Licht und viel Schatten. Dazwischen bunt.

Nun der Eid des Vizepräsidenten. 3 Minuten vor 12:00 h. Geschafft. Jetzt wirds aber höchste Zeit für B…

Ooops, Itzhak Perlman, weltberühmter jüdischer Geiger spielt erst noch. Obama will wirklich alle Hautfarben, Religionen und politischen Richtungen unter einen Hut kriegen.Strategisch geschickt, sie zu so einem Anlass einzuladen.

12:03 h – wir haben einen neuen Präsidenten, Perlman spielt immer noch.

Jetzt endlich die Vereidigung. Barack spricht den Eid nach, stockt und bleibt zweimal stecken. Klar, einer der gewohnt ist Eigenes zu formulieren, kann schlecht nachplappern.* Die ca. 25 minutenlange Antrittsrede spricht er auswendig und souverän wie er es immer tut.

*Später erfuhr ich, das der vereidigende Richter die Worte etwas verdreht vorsagte. Obama kannte den Eid natürlich auswendig.

[Caroline Kennedy, die Tochter von John F. Kennedy ist im Bild, und die Leute vorm Bildschirm in Kongelo, Kenia, wo Baracks Vater geboren wurde.]

Ein Satz aus der fast halbstündigen Rede, der mir sinngemäß im Gedächtnis blieb:
“Wir messen daran, was jemand aufbaut, nicht was jemand zerstört.”

12:30 h
Gerade kommt über Twitter, dass das weiße Haus upgedatet und jetzt ein Blog hat: Change has come to White House.

Das glaube ich auch, change has come.

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1 Alienor 20. Jan 2009 um 15:25

Mich hält man hier für naiv, weil ich diesem Mann zutraue, daß er tut, was er versprochen hat, speziell seine ethics bezüglich der Lobbyisten.
Aber wer SO einen Durchmarsch ab dem Beginn seiner politischen Laufbahn hingelegt hat, der kann es schaffen.
Und ich glaube daran, daß er auch Europa und speziell Deutschland guttun wird, weil er Pragmatiker und community-builder ist, er sucht Kompromisse und Bündnisse statt Feindbilder aufzubauen – das imponiert mir am meisten.
Von daher müßte sich Frau Merkel sehr gut mit ihm verstehen.
Was mich etwas beunruhigt, ist:
Barack Obama lässt sich in Sachen Landwirtschaft von Michael Tayler, Vize-Präsident von Monsanto beraten.
Demensprechend soll Thomas J. Visack, Ex Gouverneur von Iowa, Gentech-Beführworter und Betreiber der Bioethanol-Erzeugung, Landwirtschaftsminister werden.

Das ist nicht wirklich gut – GVO und die Pestizid-Palette von immer höherer Potenz ud Gefährlichkeit haben in freier Wildbahn nichts zu suchen.
Wird er sich korrumpieren lassen?

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2 jurek 21. Jan 2009 um 01:07

noch was..
ich hab immer gerne deine artikel gelesen, aber dieser ist ghostwriter stil. ja cool, michelle hat sie geschrieben, wars wirklich michelle oder einer aus dem team, oder ein programm, und wo ist der unterschied wer dich mit vornamen anspricht, alle menschen sind auf einer stufe.
wen interessieren prominente im fernsehen? macht das eine sache ehrlicher und glaubwürdigen? klar, genau wie in der werbung oder auch propaganda genannt.

barack ist auch nur ein lügner von vielen…

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3 Hannelore 21. Jan 2009 um 15:49

@Alienor – ich glaube nicht, dass Obama überhaupt in der Lage ist, gegen sein besseres Wissen zu handeln.

Er sucht sich Berater aus, die langjährige Erfahrungen in einem Bereich mitbringen. Unabhängig von deren Überzeugungen oder Meinungen.

Z.B. duldet er keine Folterungen, unter keinen Umständen. Selbst wenn sein Verteidigungsminister da anderer Auffassung ist, der muss sich nach den Anweisungen des Präsidenten richten.

Ein amerikanischer Präsident hat sehr viel Macht und immer das letzte Wort. Obama setzt den ethischen Rahmen, der seinen Zielen entspricht: jeder hat ein Recht auf Glück und Freiheit, und das gilt für die ganze Welt.

Berater müssen nicht seiner Meinung sein, im Gegenteil. Man muss möglichst alle Argumente kennen.
In den USA üben Senatoren harte Kritik aneinander, liefern sich Argumentations-Schlachten und sind die besten Freunde. Je stärker jemand seine Meinung vertritt, desto mehr wird er/sie respektiert.

Das ist auch bei normalen Leuten so.

Obama ist ein Führer, er gibt den Ton an, die anderen führen aus. Und damit die auch in seinem Sinn bzw. im Interesse des Volkes handeln, hat er ein riesiges soziales Netz per Internet aufgebaut, wo jedeR Bürger/in der Regierung mitteilen kann, was er/sie anders haben will.

Top 10 Online Tools to Connect With the Obama Administration

Es gibt verschiedene Bereiche (Finanzen, Gesundheit, Bildung etc.) und man kann für Vorschläge von anderen stimmen. Die Vorschläge mit den meisten Stimmen, werden dem Präsidenten persönlich vorgelegt.

Das ist völlig neu. Kontrolle und Macht von unten. Ich kenne das in ähnlicher Form nur von matriarchalen Gesellschaften, wo Häuptlinge überhaupt keine Entscheidungsmacht besitzen und jeder eine Stimme hat.

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4 Alienor 21. Jan 2009 um 16:23

@Hannelore: vielen herzlichen Dank für deine Antwort, ich wurde heute von Kollegen wieder mächtig gebasht, weil ich meine, daß Obama integer und pragmatisch ist.
Andere Leute sind der Überzeugung, daß er nur grad der Gute im Spiel “bad cop -good cop” ist, und sie kriegen die Krise beim Anblick solcher Menschenmassen wie gestern – da kommen wohl Assoziationen zu Reichsparteitagen auf.

Ich bin der Meinung, da Obama nicht mal “Little-Rock”-Leichen im Keller hat wie bei Clinton damals, und sowohl die Presse als auch die Republikaner JEDEN Fehler der Vergangenheit gnadenlos ausgebreitet hätten, muß er ziemlich okay sein, er steht für das, was er sagt.

Und wieder k*** mich der deutsche Pessimismus und Negativismus an.
Ich bin optimistisch und hoffe auf Synergie-Effekte, die sich auch auf Europa auswirken, und laufe vor Wände.

Andererseits ist ein Land, was auch Minderjährige zu life without parole veruteilt, nicht grad ein Beispiel von Rechtsstaatlichkeit.
Es gilt immer noch, wer die guten Anwälte bezahlen kann, hat Chancen, alle anderen nicht – von daher bin ich ganz froh, nicht in den USA zu leben, die deutsche Justiz ist zwar auch arg fehlerhaft, aber besser. ;-)

Ich hab eigentlich nur noch Angst, daß Obama getötet wird, ich weiß noch zuwenig über Biden, um ihn einschätzen zu können.
Aber zumindest ist für 4 Jahre das Risiko weg, eine Palin-Präsidentschaft zu erleiden….;-)

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5 Hannelore 21. Jan 2009 um 17:34

@Alienor – “Andererseits ist ein Land, was auch Minderjährige zu life without parole veruteilt, nicht grad ein Beispiel von Rechtsstaatlichkeit.”

Dabei musst du bedenken, dass die große Mehrheit der Gefängnisinsassen Farbige sind. Es ist also kein Weißenproblem, warum sollte eine weiße Regierung sich da den Kopf drüber zerbrechen?

In diesem Punkt wird sich auch Einiges ändern.

Es gibt eine irre Kriminalität unter Armen, Schwarzen und auch Latinos. Andererseits haben wir seit Jahren unsere 6 Außentüren und das Auto nicht abgeschlossen. Die Nachbarn auch nicht. Es kann jeder ein- und ausgehen. Das würde ich mich in DE auch auf dem Land nicht trauen.

Ja, die Angst mit dem Erschießen hatte ich auch…

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6 Matthias 22. Jan 2009 um 09:58

Hallo!
Mich stört,dass wir nun auf den politisch-ethisch-sozialen Messias in Amerika warten. Dass das in den US ein Riesenthema ist und Begeisterungsstürme in der aufgeschlossenen Gesellschaft (wie Hannelore) auslöst ist verständlich. Die alte Welt hat brav den Fernseher eingeschaltet und mit offenem Mund dem pompösen Trara zugeschaut; die Medien haben`s ja auch lang und breit ausgeschlachtet. “Das muss man ja gesehen haben”!! Wen interessiert`s wie es bei uns abgeht, was sich bei uns ändert? Amerika ist ja so viel interessanter! Leute lasst uns versuchen bei uns was zu bewegen, anstatt Obama hochzustilisieren. Er ist ohne Zweifel eine neue interessante Figur im Spiel der Großen. Und ich hoffe, dass er seimnen Vorschusslorbeeren gerecht wird. Aber vergesst darauf die eigenen 4 Wände nicht.

lg
M

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7 rainer 23. Jan 2009 um 13:42

Liebe hannelore,

ein schönes Stück Zeitgeschichte von Dir, von Deinem Logenplatz aus kommentiert….Schön…
Was Obama bringt, werden wir nach 100 Tagen sehen…. LG rainer

rainers letzter Blog-Beitrag…Mit dem Herzen erzählen

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8 Ursula 25. Jan 2009 um 04:29

Ich höre so vieles zu Barack Obama, dass einem schwindelig im Kopf werden kann…
In 100 Tagen wird sich zeigen??? Mein Bauch sagt mir, es zeigt sich schon jetzt in diesem Augenblick. Er hat schon jetzt etwas sehr wesentliches verändert…. er schenkt den Menschen Hoffnung… nicht Hoffnung dass nun alles besser wird… nach dem Motto alles wird schon gut werden….

nein er hat schon jetzt den Menschen Mut gemacht und die Hoffnung und das Wissen geschenkt, dass es sich lohnt SELBST mitzuarbeiten an einer neuen Zukunft…. Die Botschaft: Hey, ich brauche jeden einzelnen von Euch und nicht nur die studierten Berater um mich herum, ich brauche jeden von Euch da draußen auf der Straße oder aus den Elendsvierteln. Ihr seit wichtig, damit wir GEMEINSAM diesem Land eine Chance geben können…. ich glaube das ist das besondere an diesem Mann… hier in Deutschland ist die Staatsverdrossenheit sehr groß… weil wir eh nicht mehr nach unserer Meinung gefragt werden… und egal wen wir wählen, es ändert sich eh nicht…
Die Menschen werden von Jahr zu Jahr depressiver…

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9 Akareyon 27. Jan 2009 um 00:00

Has change really come? Ich will hier niemandem auf den Umzug regnen, aber es verlautete soeben, daß Obama schon die ersten Kriegshandlungen begangen hat; 10-18 Tote sind zu beklagen nach einem Angriff in Pakistan, dem der POTUS de jure zustimmen mußte. (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/01/obamas-erster-mordauftrag.html; http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5hkiMxbHNH0BqgpWA2ZG6VD6wVTmAD95STD380)

An ihren Taten werden wir sie erkennen; schöne Worte sprechen sie vorher alle :-/

PS: Auch die Zustimmungsquote ist schon von 83 auf 68% gesunken: http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1127427/After-week-office-Barack-Obamas-approval-rating-plunges-shocking-15-points.html

Und was Du über “Führer” sagst, Hannelore, stimmt mich auf gewisse Weise auch nachdenklich…

;-)

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10 Hannelore 27. Jan 2009 um 17:56

@Akareyon – Immer langsam mit den Pferden… Hier ist ein Textausschnitt aus einem Huffingtonpost-Artikel:
Obama On Al-Arabiya: First Formal Interview As President With Arab TV Network (VIDEO) (Lesenswert!!)

Barack Obama struck a note of foreign policy confidence Monday night, telling an Arabic news station that al Qaida leaders and Osama bin Laden “seem nervous” now that they don’t have George W. Bush as a recruiting tool.

In his first formal interview since taking office, the president spoke with the Dubai-based station Al Arabiya on topics pertinent to the Arab and Muslim worlds. [Interview im arabischen Radio!!]
Much of the interview was spent defining the new approach that the United States would implement in that region:
respectfulness over divisiveness,
listening over dictating,
engagement over militarism.

But the president drew the line when it came to terrorist organizations.

Auf Letzteres beziehst du dich. Obama hat immer gesagt, dass er den Terrorismus bekämpfen will. Aber nicht im Irak (da ging es Bush um das Öl!), sondern in Afghanistan/Pakistan.

Was juckt mich eine Zustimmungsquote? Es zeigt nur, dass die Leute nicht verstehen (können), was Obama macht. Vielleicht verstehe ich es nur, weil ich mich so ausgiebig mit Konsensgesellschaften beschäftigt habe. Ich lernte dabei, dass und wie die anders ticken. Und genauso tickt Obama. Ich habe mir seine Biographie besorgt, um herauszufinden, woran das liegen könnte.

Zu “Führer” – ich kann nichts dafür, dass das Wort einen schlechten Beigeschmack hat. Ist es nicht an der Zeit bei dem Wort mal nicht an Hitler zu denken? Ich habe seinerzeit ein Seminar “Excellence and Leadership” besucht, seitdem bin ich eine exzellente Führerin ;-)

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11 Akareyon 27. Jan 2009 um 19:36

Ja, ich habe ein Transkript des Interviews gelesen. Es geht mir auch nicht darum, Obama schlechtzumachen. Bereits mit Abgabe des Eides (bzw. Nicht-Abgabe) hat er Geschichte geschrieben.

Begrüßenswert finde ich auch die neue Kommunikationsstruktur zwischen dem Weissen Haus und der Bevölkerung, die in der einen oder anderen Form mit Sicherheit Schule machen wird – hier früher, dort später.

Es ist noch viel zu früh für Unkenrufe. Dennoch: nachdenklich stimmt mich allein, daß Obama Präsident der mächtigsten Nation des Planeten werden konnte, was wohl offensichtlich nur geschehen kann, wenn man das System an sich und als solches nicht in Frage stellt und wenn man nicht die wesentlichen Ursachen für die ökonomische Schieflage (und den Terror, wo wir schonmal dabeisind) benennt. Die – per se richtige – Ansage in seiner Antrittsrede, alle müßten mit anpacken, ist ein verklausuliertes “Ihr tut zu wenig” und ein Schlag ins Gesicht für die “working poor”. “Wir reichen jedem die Hand, der bereit ist, seine Faust zu öffnen” hört sich wunderschön an, ist aber eine in Wattebäuschchen verpackte Drohung. Politikersprech.

Ich hege einen letzten Funken Hoffnung, daß die Stimmen der Vernunft, der Weitsicht und der Weisheit – die ein Merkmal jeder Stammeskultur sind – in dem Meer von Forderungen und Vorschlägen an die Regierung nicht untergehen.

Du hast recht: der Führer gibt den Ton an, und als Moderator des Things ist es auch seine Aufgabe, den leisen Stimmen zum Gehör zu verhelfen und das Krakeele für diese Zeit verstummen zu lassen. Möge Obama dem Wort “Führer” eine neue Bedeutung geben.

Akareyons letzter Blog-Beitrag…Du bist zu Du

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12 Hannelore 27. Jan 2009 um 20:28

@Akareyon – “Die Ansage in seiner Antrittsrede, alle müßten mit anpacken, ist ein verklausuliertes “Ihr tut zu wenig” und ein Schlag ins Gesicht für die “working poor”.”

Die working poor (Schwarze und Latinos) haben ihn absolut richtig verstanden.

Obama schont nicht, sondern sagt ehrlich, was er meint. Eben kein Politikersprech. Er hat es sogar noch drastischer gesagt: You have to grow up!

Und das ist eine passende und realistische Forderung in den USA, wo Männer sich von ihren Ehefrauen das Fleisch auf dem Teller schneiden lassen und Frauen wie kleine Mädchen aufgemacht sind.

Obama nimmt seine Landsleute in die Pflicht. Und nicht nur die, wie das arabische Interview zeigt.
Europa kommt auch noch dran.
Ihr könnt schon mal überlegen, in welchem Bereich ihr konkret was tun wollt.

Es haben sich bereits deutsche Gruppen gebildet, die fleißig auf den US-Government-Seiten mitstimmen und sich anmelden.

Oder auf Facebook: Herr Schäuble, helfen Sie Guantánamo zu schließen!

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13 Matthias 28. Jan 2009 um 02:31

Hallo Leute!

Bitte lasst die Spielerei mit der US-Government-Seiten! Schreibt lieber den eigenen Regierungen eure Wünsche und Sorgen! Das “Schlaraffenland” auf der anderen Seite des Antlantik löst unsere Probleme nicht!
lg
M

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14 jurek 28. Jan 2009 um 06:20

hannelore, ja im irak gehts um öl und ums banksystem, in afghanistan und pakistan gehts ums opium;)und ein bißchen hanf…
hast du auch die bio von webster griffin tarpley (Barack Obama, wie ein us präsident gemacht wird) gelesen? kann ich nur empfehlen

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15 Stefan 20. Feb 2009 um 14:36

Hallo Hannelore,

ich habe den Eindruck, dass bei uns (Deutschland, EU) versucht wird frontal an der Politik Obamas vorbeizuwursteln oder nach Möglichkeit sogar dagegen zu arbeiten (die berüchtigte Schere zwischen arm und reich noch weiter zu vergrößern).

Während für die Banken Milliarden locker gemacht werden ist angeblich nicht genug Geld da um z. B. Schmwerzpatienten adäquat zu versorgen (DEUTSCHLAND). Im Gesundheitswesen sind die eigenartigsten Stilblüten und Verteilungskämpfe am toben. Man versucht für mein Dafürhalten so weiterzumachen wie bisher nur noch ein bisschen extremer.

Gewisse Unternehmensberatungsfirmen arbeiten fieberhaft daran alte patriarchale Parolen an den Mann zu bringen und es kommt mir so vor als ob versucht wird autoritäre (patriarchale) Sturkturen zu etablieren, die als längst überholt galten.

Das hat für mich den unweigerlichen Zusammenbruch unseres Landes, wenn nicht der EU zur Folge. Vielleicht sind es aber auch nur die letzten wütenden Zuckungen einer (vermeintlichen?) Elite.

Wie ist die Lage im Moment für Obama? Ich habe vor kurzem in den Nachrichten mitbekommen, dass er seine ersten Vorhaben mit hauchdünner Mehrheit durchsetzen konnte. Warum hauchdünn? Und dann noch mit drei Republikanern. Gibt es Informationen wie ich mich akutell auf dem Laufenden halten kann? Vielleicht kannst Du mir (oder uns) einen Link nennen. Optimal wäre es wenn es so etwas auf deutsch gibt, english geht allerdings auch,

vlG,

Stefan

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