Mehr Zeitlosigkeit

Mehr Zeitlosigkeit

von Hannelore Vonier

Viele Leute in der Esoterik-Szene benutzen abgedroschene Floskeln wie “Zeit existiert nicht” und dergleichen, aber die tatsächliche Erfahrung dessen machen wenige.

Comic, Durch Zeiteinteilung die Produktivität erhöhen?Anklichen zum Vergrößern

Glaubst du, produktiver zu sein, wenn du dir die Zeit einteilst? Kann man Zeit wirklich messen, mit Uhr und Kalender?

Denk’ mal nach: Fühlen sich manche Tage oder Stunden nicht länger an, als andere? Ältere Leute behaupten, dass die Zeit im späteren Leben schneller vergeht. Kinder werden ungeduldig, weil die Zeit so langsam vergeht.

Wenn Zeit subjektiv so unterschiedlich erfahren wird, hat es dann überhaupt einen Sinn, sie messen zu wollen? Ich glaube, wir sitzen da einer Illusion auf. Die Frage ist, hilft uns diese Illusion in irgendeiner Form oder bremst sie uns aus?

Wir sind alle daran gewöhnt, die Zeit in Stücke zu zerhacken. Schulstunden sind das beste Beispiel dafür. Der Tag wird mit Frühstück, Mittag- und Abendessen in einen Rahmen gepresst. Egal ob wir hungrig sind oder nicht.

Hungrig oder nicht – das ist doch ein Hinweis, dass individuelle Bedürfnisse und Vorlieben missachtet werden.

Workflow – im Fluss sein

Zeit, Salvador DaliOder denke an das moderne Wort “Workflow” – Arbeitsfluss. Wenn dein Workflow bei einer Aufgabe unterbrochen wird, musst du Konzentration und Energie aufwenden, um wieder “rein zu kommen”. Abgesehen davon, dass deine Produktivität verzögert wird, kann es sich äußerst unangenehm anfühlen, je nachdem, wie konzentriert du warst. Du erlebst Frustration. Ich spreche nicht nur von Workflow bei der Arbeit (zum Gelderwerb), sondern vor allem in deinem Leben.

Ein Kind, das versunken eine Sandburg baut, erlebt Frustration, wenn es mitten drin zu etwas anderem gerufen wird. Es befindet sich in einem bestimmten Bewusstseinszustand, der es uns erlaubt höchst kreativ und innovativ und bei uns selbst zu sein. Man kann diesen Zustand als Trance bezeichnen.

Trance kennt keine Zeit

Trance erleben wir in verschiedenen Abstufungen von Intensität. Trance verträgt sich nicht mit dem Konzept Zeit, denn während dieser “Versunkenheit” erleben wir keine Zeit.

Wird unser trancehafter Handlungsfluss gestört, so entspricht das dem Aufwecken aus dem Schlaf. Ständiges Aufwecken wird als Foltermethode bei Gefangenen angewendet.
Über Unterbrechungen im Workflow regt sich niemand auf – es passiert ständig und gilt als normal.

Naturvölkern ist unser Zeitbegriff völlig fremd. Für sie ist das ‘Jetzt’ kein äußerlich festgelegter Zeitpunkt, sondern eine soziale Übereinstimmung. (Zeiteinteilung ist typisch patriarchal und wurde mit dem Beginn der Viehzucht eingeführt: Lies mehr dazu unter Entstehung Patriarchat: Der Zeitfaktor)

Übung: Ausdehnung über die Zeit hinaus

Möglicherweise kennst du diesen befriedigenden Trancezustand nicht. Hier ist eine Übung, die billiger ist als eine Reise und “high” macht (Vorsicht: Suchtgefahr!):

Verbringe EINE GANZE WOCHE ohne das Konzept Zeit. Gewinne während dieser Woche ein erweitertes Empfinden: eine ‘Ausdehnung’ über die Zeit hinaus. Es ist ein besonderes Juwel. Gehe dafür folgendermaßen vor:

  1. Entferne deine Armbanduhr und alle Uhren um dich herum, hänge sie zu. Stelle sicher, dass du in dieser Woche keine Uhren siehst.
  2. Ignoriere Uhren in der Öffentlichkeit bewusst.
  3. Vermeide Begriffe des Zeitkonzepts, wie “Uhr”, “Zeit”. Sage nicht “Wir treffen uns heute Abend um 8 Uhr” oder “ich mache diese Woche ein Experiment mit Zeit“. Alternativen: “Ich komme nach der Arbeit (nach dem Dunkelwerden) bei dir vorbei.” – “Ich rufe dich an, wenn ich wach bin.” – “Wenn es aufhört zu schneien, fahren wir los.” – “Wenn ich fertig damit bin, erzähle ich dir von dem Experiment, das ich gerade mache.”
  4. Plane keine bestimmten Aktivitäten zu bestimmten Zeiten, sondern tue oder erledige das, was dir gerade einfällt.
  5. Vielleicht ist es nötig Fernsehen oder Internet oder Arbeit zu vermindern, da diese Systeme das Konzept Zeit stark unterstützen. Vielleicht musst du für diese Übung ganz von der Arbeit frei haben.

Nach der Übung wirst du eine Erfahrung von Zeitlosigkeit besitzen, die sich von dem intellektuellen Verständnis “Zeit existiert nicht” unterscheidet.

Ideen für mehr Zeitlosigkeit

Hier sind ein paar persönliche Beispiele, wie ich mich vom Zeitkonzept unabhängig halte.

  • Eine Armbanduhr hat mein Handgelenkt schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.
  • In meinem Filofax ist alles mögliche, aber kein Kalender.
  • Zuhause essen wir, wenn wir Hunger/Appetit haben. Manchmal ist das gleichzeitig. Manchmal leisten wir anderen beim Essen Gesellschaft und essen selbst nichts, weil wir schon gegessen haben oder noch nicht essen wollen.

Es gibt Termine in meinem Alltag, allerdings wenige: a) Wenn ich mich zum Tennis verabrede oder b) eine bestimmte Fernsehsendung sehen will.

Dafür benutze ich den Google-Kalender folgendermaßen: Ich denke nicht in Zeit, sondern in Koordinaten. Die Koordinaten trage ich für einen bestimmten Tag in das Kalenderkästchen ein.

Bei einem Tennistermin sind die Koordinaten: die Uhrzeit und die Namen der drei anderen Mitspieler, evtl. deren Telefonnummern.
Bei einer Fernsehsendung bestehen die Koordinaten aus der Uhrzeit, dem Sender und dem Titel der Sendung, evtl. ein Link zu einer Website.

Ein paar Stunden oder am Tag vor dem Termin (einstellbar) schickt Google mir eine Email. Dann entscheide ich, ob ich den Termin wahrnehme, ob es mir “danach ist”. Ist die TV-Sendung noch interessant für mich? Will ich bei dem kühlen Wetter Tennis spielen oder finde ich Ersatz?

Also: Bei Terminen kümmere ich mich nicht darum, welcher Wochentag es ist, ob es früh oder spät ist. Einzige Bedingung: das Tages-Kalenderkästchen muss leer sein. Denn 2 festgelegte Dinge am Tag sind zuviel.

*

Inspiriert von “High werden ohne Drogen: Ein Bewusstseinserweiterndes Handbuch” von Frederick. E. Dodson – Wärmstens zu empfehlen!


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