Seit sieben Jahren schreibe ich über matriarchale Gesellschaften, und das Interesse an einer Alternative zum Patriarchat nimmt zu. Der Ekurs “Heutige Matriarchate aus neuester Sicht” hat so große Resonanz, dass ich Weiteres in dieser Richtung plane. Auch mit Unterstützung von Menschen, die in matriarchalen Ethnien aufgewachsen sind.
Es ist nun über ein Jahr her, dass ich das Matriarchat Blog begonnen habe. Anfangs schrieb ich nur ab und zu, aber seit diesem Sommer regelmäßig und die steigenden Besucherzahlen spiegeln die Nachfrage nach diesem Thema.
Ich mache diese Umfrage, weil ich kürzlich gehört habe, dass nur eine Handvoll Leute überhaupt das Wort “Matriarchat” kennt. Aber durch Gespräche mit Leserinnen und Lesern fand ich, dass doch eine Menge mit dem Begriff vertraut sind.
Interessant ist auch, dass immer mehr Literatur speziell von pensionierten Journalisten und Wissenschaftlern auf den Markt kommt, die matriarchale Kulturen zum Vergleich heranziehen. Also von Personen, die “nichts mehr zu verlieren haben”, zumindest keinen öffentlichen Posten. Ist das Tabu-Thema salonfähig geworden?
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Wann bist du dem Thema 'Matriarchat' begegnet?
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Wirklich bewusst, bin ich dem Wort Matriarchat vor ca. vier Jahren, es fing an als eine neu gewonnene Freundin mir ständig sagte: ich würde die Männer huddeln und auf ein Podest stellen. Innerlich sträubte sich alles in mir und rückwirkend betrachtet konnte ich gar nicht verstehen was sie meinte. Doch sie half mir Wörter – Begriffe auch von einer anderen als patriarchalen Sichtweise zu sehen. Sie las damals viel in dem Buch "Macht und Magie", der weibliche Weg die Welt zu verändern von Angelika Aliti, mir war das Buch zunächst sehr suspekt, zu "männerfeindlich". Doch nach ca. 1 Jahr war ich doch offen genug es zu lesen und es veränderte mein Denken, ziemlich radikal, nicht dass ich zur Männerhasserin wurde, aber sehr kritisch und bereit fast alles zu hinterfragen. Über diesen Weg, da ich neugierig und wissbegierig bezüglich des Matriarchats wurde, stieß ich auch auf die Wissenschaftlerin Heide Göttner-Abendroth. Ich kaufte mir viele ihrer Bücher, in denen ich immer wieder je nach Zeit lese und bin immer wieder über die vielfältigkeit des sozialen Zusammenlebens faziniert.
Da ich zu meinem Vollzeitjob noch künstlerisch tätig bin, entschloss ich mich im letzten Jahr künftig meine Kunst in Malerei, Bildhauerei den Frauen-,Kinder- und sozialkritischen Themen zu widmen. Und in langfristig das Wissen um Matriarchate an Kinder, Frauen und Männer weiter zu geben. Manchmal einfach indem ich in einem Kinderkurs die Kinder einfach frage, ob sie schon mal davon gehört hätten… Ich möchte nicht belehren, ich möchte eigentlich nur neugierig machen…., damit JEDE selbst entscheiden kann, denn entscheiden kann JEDE nur, wenn sie darum weiß…
Ich hoffe, dass viele dabei helfen, das Wissen wieder zu vermehren!
Ich muss zugeben, wenn ich jetzt so überlege, habe ich gar keine Ahnung, wann ich begann, mich so richtig mit dem Thema Matriarchat zu beschäftigen. Drei, vielleicht sogar vier Jahre dürften es schon her seien (da ich mir nicht so ganz sicher war, habe ich mal für 1-3 Jahre gestimmt).
Mit der ganzen Angelegenheit fing das ganze aber schon in der Grundschule an, wo ich die “Weltgeschichte dre Frau” von Rosalind Miles gekauft hatte und merkte, dass irgendwie nicht alles so ist, wie man es lernt. Nun ja und vor einigen Jahren kam eben das für mich um einige logischere Matriarchat dazu.
Zuerst Heide Göttner-Abendroth, dann das Internet (fornehmlich deine Seite) und jetzt vor kurzem auch die beiden Bänder von Irene Fleiss “Als alle Menschen Schwestern waren”, sowie diverse andere Bücher.
Und ich merke für mich, dass mein persönlicher Horizont durch das Wissen über eine (mögliche) andere Gesellschaftsform total erweitert hat und merke, in was für einer beschränkten Welt ich da eigentlich lebe. Ich für mich kann sagen, dass die Erfahrung darüber eine gewisse andere (für mich bessere) Lebensqualität erlangen kann (aber noch nicht in allen Bereichen, nicht einmal in vielen Bereichen) erlangt habe.
Daher ist es für mich auch wichtig, in diesem Sinne weiterzugehen ohne gleich Klischees (Männer sind doof, Frauen sind Opfer) weiterhin zu benutzen, was ich früher leider doch getan habe (jaja, ich war eben auch mal jung ^^).
Daher ist das Thema für mich sehr wichtig und wird auch immer wichtiger.
Mein Einstieg war mit Engels … vom Ursprung der Familie … für seine Zeit sehr geistreich, hat mich das vor 30 Jahren ziemlich beeindruckt …. "gg"
Vielleicht ist "Matriarchat" das, was Wilhelm Reich "Arbeitsdemokratie" nannte ?
ich kenne persönlich niemanden, der mit "matriarchat" etwas anfangen kann.
lg
"Matriarchat" ist mir selbst nicht nur ein Begriff, sondern auch eine Art "Lebenswunschform", und das schon seit 20 Jahren (im zarten Teenie-Alter).
In den letzten 2-3 Jahren stelle ich aber einen enormen Anstieg des Interesses meiner weiblichen Bekannten am Matriarchat fest… mittlerweile hat sich in meiner Umgebung sogar schon der Spruch "wir MÜSSEN das Matriarchat wieder aufleben lassen.." etabliert…
Schwierig zu beschreiben, wann ich dem Thema zuerst begegnet bin. Ich denke, das begann mit der Geburt. Die Widersprüche spürt ja jeder. Ich suchte da, wie vermutlich viele, lange in den falschen Ecken. Mein Weg ging schliesslich über die Sexualität des Menschen. Dass diese verbogen war, spürte ich schon länger. Aber nach dem Begriff Matriarchat zu googlen, kam mir nie in den Sinn. Der Begriff war mir zwar bekannt, aber ich konnte nie einen Zusammenhang zur verkorksten Welt herstellen. Und vor allem war mir unbekannt, dass es Dinge gibt, die ausserhalb unserer Denkweise stehen. Matriarchat war für mich bis dahin gleich Feminismus a la Alice Schwarzer.
Ob die Sensibilität gegenüber dem Matriarchat zunimmt? Da wir uns damit beschäftigen, finden wir laufend neue Quellen. Dies bedeutet aber noch nicht, dass dieses Thema in der Gesellschaft Fuß fasst. Es gibt viele, die sich mit Teilen des Matriarchates anfreunden, unbewusst der Herkunft, aber kategorisch andere Dinge ablehnen, z.B. Eheverständnis oder Eigentumsfrage. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, das Matriarchat gegenüber den anderen nicht so breitzutreten, sondern mehr matriarchale Merkmale zu ermöglichen und zu unterstützen. Die Menschen sind eingeengt, es müssen Freiräume geschaffen werden, damit sie sich entwickeln können. Sie wissen es meist nicht und begegnen jeder anderen Denkweise oft mit Argwohn. So meine Erfahrung.
Aber wir haben einen großen Vorteil: Das Patriarchat versteht unsere Denkweise nicht! Denn wer sie versteht, läuft zu uns über.
Jetzt muß ich noch nachschieben:
Ich komme in der jetzigen Welt gut zurecht, tue mich vielleicht sogar leichter als andere, weil ich immer mehr Dinge durchschaue.
Wenn da steht: "…, die matriarchale Kulturen zum Vergleich heranziehen" mag das vielleicht so sein, aber was zumindest mich angeht, so habe ich das Gefühl, dass ich letztendlich doch nicht begreife, was Matriarchat bedeutet. Die Theorie ist bekannt. Aber mir fehlt so vieles an Erfahrung, die ich auch nie mehr machen kann. Ich komme mir da vor wie Moses, der seinem Volk den Weg ins gelobte Land zeigen konnte, aber es selbst nie betreten durfte. Unsere Kinder betreten einen Weg, den wir nicht mitgehen können, vielleicht sogar nicht mitgehen dürfen, um nicht alles zu verderben. Und das könnte ein Grund für viele Menschen sein, sich mit diesen Dingen erst gar nicht auseinanderzusetzen, damit sie nicht letztendlich allein zurückbleiben müssen.
Ich finde den Begriff “Matriarchat” ziemlich unglücklich, weil er vom Begriff Patriarchat abgeleitet, bzw. diesem dualistisch entgegengestellt wird. In diesem Sinne hat es in vorgeschichtlicher Zeit wohl auch keine hierarchisch strukturierte, von Frauen dominierte Gesellschaften gegeben.
Hierarchien sind die klassische patriarchale Organisationsform, wie diese seit der Machtusurpation durch die Männer alle Gesellschaften dominieren (Feudalismus -> Bürgertum -> Kapitalismus -> Globalisierter Kapitalismus).
Persönlich bevorzuge ich den Begriff “matristische Gesellschaft” für Gesellschaften mit flachen, bzw. kaum erkennbaren Hierarchien in denen der Frau und die Weiblichkeit in allen ihren Aspekten die zentrale Rolle zukam. Bei den uns am nächsten stehenden Säugetier-Verwandten sind etwa die Bonobos ein Beispiel dafür.
Danke für deinen Kommentar, Thys. Ich bin mit dem Begriff Matriarchat auch nicht glücklich, mit Patriarchat ebenfalls nicht, weil die Leute bei beiden nicht wissen, was es ist.
Matristisch/patristisch berücksichtigt allerdings nicht, dass das jeweilige System einen “Anfang, Ursprung” enthält (arché), der für beide Definitionen eines komplexen Gesellschaftssystems wichtig ist.
Matristisch/patristisch würde man einfach nur mit auf “die Mutter bezogen” bzw. “auf den Vater bezogen” übersetzen, und das greift jeweils zu kurz und ist auch nicht korrekt.
In Matriarchaten hat die Frau/die Weiblichkeit keine zentrale Rolle. Ich kenne zumindest keinen Beleg dafür, hast du einen? Das Zentrum im Matriarchat ist symbolisch und praktisch immer leer. (Siehe E-Kurs Matriarchat Teil 5: “Aber immer dient die Besetzung der Mitte dem gemeinschaftsstiftenden Ritual, dem egalitären Zugang aller, wodurch eine religiöse Machtballung in Form eines Organisationsmonopols verhindert wird.”)