Rette sich, wer kann!

Transformationsblog

Anderssein: Die allmähliche Anerkennung des Andersseins im Patriarchat.

Anderssein

Anderssein

In indigenen Gesellschaften wird die Vielfalt geschätzt und für das Überleben der Gemeinschaft als notwendig erachtet. Jede Form von “Anderssein” wird eher verehrt als unterdrückt. Alle haben ihren individuellen Platz und ihre Aufgaben.

Im Patriarchat läuft alles auf Gleichmacherei und soziale Anpassung hinaus; Abweichler müssen sich Nischen suchen, wo sie “Narrenfreiheit” haben und sich möglichst unauffällig verhalten. Hyperaktive Kinder bekommen Medikamente, Stimmenhörende landen in der Psychiatrie und Menschen, die “aussteigen” werden als Spinner, Penner, Loser bezeichnet … Das “Andere” wird verachtet und bekämpft.

Aber es ändert sich was:

Allmählich wird #Anderssein im #Patriarchat anerkannt. D.h. patriarchale Strukturen lösen sich auf! Klick um zu Tweeten

Beispiel Autismus

Es war ein ganz privates Schlüsselerlebnis, mit dem eine der ungewöhnlichsten Firmengründungen in Deutschland in den vergangenen Jahren begann.

Als der Berliner IT-Manager Dirk Müller-Remus mit seinem erwachsenen, autistischen Sohn eine Autisten-Selbsthilfegruppe besuchte, saß er 25 top ausgebildeten Menschen gegenüber – die allesamt arbeitslos waren. Müller-Remus, dem auch aus eigenem Vatererleben wichtig war, dass man Autisten nicht einfach als “Behinderte” abstempeln sollte, beschloss, etwas für diese so häufig außerhalb des “normalen” Lebens stehenden Menschen zu tun: Er wollte es ihnen ermöglichen, ihre überragenden Stärken zu nutzen. Und fing an, sie zu IT-Beratern auszubilden.

Die Firma Auticon beschäftigt ausschließlich Autisten als Consultants im IT-Bereich – und nutzt deren ganz spezielle Fähigkeiten bei hochkomplexen Softwareaufgaben. Eine großartige Erfahrung, für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen. Und für Auticon der umjubelte Platz 1 beim New Work Award 2015 in der Kategorie „KMUs und Start-Ups“.[1]

Ein weiteres Beispiel ist Pablo Pineda:

Durch wen sind Menschen mit Downsyndrom eigentlich behindert?
Durch ihr Syndrom oder durch das Paradigma der Gesellschaft?
Diese 5 Minuten werden dir die Augen öffnen.
Und du lernst u.A. das Konzept der Liebe kennen.

Der Videoausschnitt stammt aus dem Film “Alphabet – Angst oder Liebe?“, den ich euch ans Herz lege!

Kennst ihr aus eurem Umfeld ähnliche Beispiele?



Quellen/Anmerkungen:
  1. Von Ralf Klassen, Spielraum ↩

Autor: Hannelore Vonier

Bloggerin mit dem leidenschaftlichen Drang, die destruktiven Kräfte in unserer Gesellschaft bekannt zu machen und Lösungen aufzuzeigen. Mehr über mich und diesen Blog.

6 Kommentare

  1. Liebe Hannelore, diesen Artikel habe ich sofort getwittert und auf anderen Kanälen bekannt gemacht. Von der IT Firma hatte ich schon gelesen und mich gefreut, doch den Film kannte ich noch nicht. Liebe Grüße aus dem Teutoburger Wald

    • Herzlichen Dank, Petra!

  2. Auch ich habe den Artikel weitergeleitet and FB und Twitter. Ich kann das bestätigen, was du hier schreibst, Hannelore. Ich habe unter Menschen diverser Länder gelebt, darunter im Urwald und den Anden Perus, unter Imazighen in Marokko und Tunesien. Wer lebhaft war, gehörte ebenso zur Familie, zur Nachbarschaft, zum Freundeskreis dazu wie Menschen, die eine Behinderung hatten. Um eine schizophrene Tante in der Familie, in die ich in Peru eingeheiratet hatte, wurde sich bis zu ihremTod liebevoll gekümmert. Egal, ob jemand seelisch, psychisch oder körperlich krank war, er/sie gehörte dazu und war immer bei allem dabei. Das Gleiche galt, wenn man einfach andere Ideeen hatte. Die Gemeinschaft war immer da und alle ein Teil davon.

    • Vielen Dank Martina! Kennst du diese Lebensweise auch aus Städten, oder verhält man sich nur (noch) auf dem Land so?

  3. Warum heißt der Blog eigentlich “rette-sich-wer-kann”? Er ist doch eher visionär und greift aktiv Themen auf, die die Gesellschaft gestalten, ist also aktiv handelnd und nicht fliehend vor den Mißständen. Ich habe heute 2 Artikel gelesen und finde Sie beide Klasse.
    In Ihrem Artikel nehmen Sie die Wertedebatte wieder auf. Ich weiß nicht ob es ein Kennzeichen des Patriarchat ist, daß die Gesellschaftsmitglieder bestimmte Verhaltensweisen voneinander verlangen. Ich selbst war lange Zeit sehr tolerant und für eine möglichst ungeregelte und offene Gesellschaft. Dieses Weltbild konnte ich in der Bildungsgesellschaft auch aufrechterhalten. Unter einfach gestrickten Menschen begann jedoch die Erkenntnis Raum zu gewinnen, daß die Dinge geregelt werden müssen. Wenn der Ali, den ich kenne hier bleiben darf, aber alle anderen Ausländer raus müssen, wenn die Dinge genommen und weggeschmissen werden, so wie ich es eben im Moment gerade brauche, und dann vielleicht nicht einmal in die Mülltonne, weil da kommt dann schon jemand und räumt auf, Unstimmigkeiten, wenn es sein muß auch mal mit der Hand ausdiskutiert werden, anstelle den Mund zu gebrauchen wird es schwierig ein großes Maß an Toleranz aufrecht zu halten. Insofern halte ich es für sehr wichtig die Erwartungen, die wir an unser Zusammenlebens stellen, klar zu definieren. Dies hat Konfuzius getan, als er festschrieb, daß die Begriffe klar und deutlich definiert werden müssen, um anschließend mit diesen Begriffen Regeln für das Zusammenleben festzuschreiben. Auf diese Weise wollte er damals Morde und Kriege vermeiden.
    Es widerstrebt mir selbst, aber die Notwendigkeit von gesellschaftlichen Regeln schließt die Gefahr von Stigmatisierung ein. Dies bekommen heute Behinderte, Arbeitslose, Zigeuner und Mohammedaner zu spüren. Es ist schwierig den richtigen Weg der Mitte zu finden. Für wichtig erachte ich die Notwendigkeit jedem Menschen ein selbstbestimmtes und nützliches Dasein zu ermöglichen, jedem Individuum also im Rahmen der Summe seiner Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen. Das bedingt auch eine ausreichende finanzielle Versorgung und gerechte Verteilung der Güter. Damit wird jeder Mensch befähigt der Gesellschaft zu dienen – auch spirituell. Denn ein nützliches Dasein bedingt Zufriedenheit. Daher halte ich den Beitrag als Beispiel integrativer Geselschaftsführung für sehr wichtig.

    • Danke für deine Frage, Friedrich. “Rette sich, wer kann” ist ein Transformations-Blog. Wer hier Erkenntnisse gewinnt, wandelt sich, denn vor und nach einer Erkenntnis, ist man immer jemand anderes. Und wer sich wandelt, rettet sich ein Stück. Wer sich nicht retten kann, wandelt sich halt nicht, auch ok, dann eben im nächsten Leben 😉 Die Texte sind auf Wandlung ausgelegt.

      Es geht in diesem Artikel weniger um Migranten oder andere Kulturen, sondern um Menschen der eigenen Gemeinschaft, die wegen ihres “Andersseins”, das nicht der Norm des Systems entspricht, nicht gleichwertig behandelt und sogar diskriminiert werden.
      Hier kannst du über den Unterschied von frei und normal nachlesen.