
Ich weiß nicht, wie oft mir diese Frage gestellt wurde - in unterschiedlicher Formulierung. Aber es war über die Jahre sehr oft!
Jetzt erschien sie wieder einmal in meiner Inbox:
“Ich finde Ihre Ausführungen über das Matriarchat sehr spannend, finde aber dass es zu idealisiert wirkt. Wie das Patriarchat negative Seiten hat, wird es sicher auch negative Komponenten im Matriarchat geben. Deshalb interessiert mich, was läuft in dieser Gesellschaftsform nicht so gut, denn überall wo Menschen leben, läuft nicht alles rund und ist nicht alles ideal” schrieb eine Leserin.
Eigentlich kann ich die Frage nicht nachvollziehen, deshalb veröffentliche ich sie und frage alle, denen Ähnliches durch den Kopf geht oder auf der Zunge liegt:
- Was finden Sie am Patriarchat gut?
- Was glauben Sie, das in nicht-patriarchalen Gesellschaften nicht so toll ist?
- Kennen Sie solche Fragen aus Diskussionen?
Nutzen Sie die Kommentarfunktion, ich werde in weiteren Blogposts darauf eingehen.
(Für alle, die neu hier sind: Beschreibung und Definition des zeitgenössischen Matriarchats)
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6 Kommentare ↓
Fortschritt! Aufklärung! Wissenschaft! Technik!
"Was glauben Sie, das in nicht-patriarchalen Gesellschaften nicht so toll ist?"
Ich befürchte, die soziale Kontrolle ist wesentlich größer, sozusagen der "Zwang zur Gemeinschaft" … und: langatmige "Konsensbildungsprozesse" machen Entscheidungsfindungen träge …
(aber: die elektronischen Medien erleichtern das:
http://www.bernd-hercksen.de
"direkte Demokratie")
Ich habe mich ein wenig im Internet umgesehen und einfach mal Anarchie + Matriarchat eingegeben und bin zufälligerweise in eine Diskussion reingerutscht wo ich das Gefühl habe, dass die Leute regelrechte Angst haben, dass wirklich mal ein Matriarchat kommen könnte. Warum aber, ist mir persönlich schleierhaft geblieben.
Aber sonst habe ich auch erlebt, geht es um Matriarchate, heißt es gleich, dass es sofort um Frauenherrschaft geht und über kurz oder lang bleiben vernünftige Diskussionen auf der Strecke, was ich bedauerlich finde. Kleineste Nachteile für den Mann wird als absolute Ungerechtigkeit empfunden (so beschwerte sich einer mal, dass eben bei den Mosuo die Männer nichts erben und regte sich darüber auf und bezeichnete gleich das ganze System komplett als sinnlos und derartiges ab, Diskussionen waren danach leider nicht mehr möglich).
Ich glaube, dass trotz Information die meisten immer noch oder noch nicht das Verständnis haben, was ist das denn genau (so ganz spontan könnte ich nach den Jahren des Lesens die Frage bestimmt nicht korrekt beantworten, ich stehe dazu) und auch die Vorstellung fehlt eben in einer solchen Gesellschaft zu leben. Viele glauben ja, dass es eben eine direkte Umkehrung zum Patriarchat ist und die Männer eben nichts zu sagen haben, sie werden unterdrückt und ausgebeutet (gab es nicht mal eine Autorin die sagte, dass es schon interessant ist, wie sehr sich die Männer vor dem möglichen HerrscherInverhalten fürchten, weil sie genau wissen, dass sie selber so handeln? mir war das mal so).
Sonst stimme ich mit richards Analyse überein. Im Moment fällt mir sonst erst einmal nichts weiteres dazu ein.
Vielleicht finden die Leute das schlecht am Matriarchat, wovor sie Angst haben: dass sie anstatt Auto nur noch Fahrrad fahren dürfen, ihr schönes Haus mit einer Lehmhütte ersetzen müssen, ohne Strom und fließend Wasser leben und dergleichen…
Ich vermute es sind die Dinge, weswegen sie ein schlechtes Gewissen haben (bewusst oder unbewusst), weil sie denken, es geht auf Kosten der Natur oder anderer Menschen.
Ein herzliches Hallo!
Nach allem, was ich über die Gesellschaft in die ich hineingeboren wurde gelernt habe, wird generell das Gegenteil gesagt, von dem, was gemeint wird. So ist die Frage: Gibt es denn um Himmelswillen auch irgendwelche Schwachpunkte am Matriarchat, irgenwas, über das man herziehen und das man kritisieren könnte? - diese Frage ist ein großes Kompliment an alle, die sich mit dieser Lebensweise Matriarchat beschäftigen, denn es meint: wow. Einfach umwerfend. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Es geht also auch so viel einfacher! Soviel weniger Schmerz! Wow! Muss das schön sein! Das alles bedeutet diese Frage eigentlich, so klingt sie in meinen Ohren.
Was es so bitter macht, ist diese Bedeutung, die immer überall mit drinsteckt: Cool, ihr habt eine Utopie (in diesem Fall Matriarchat) gefunden, und seid dabei, euch zu retten … aber leider, zu schade, das klappt nur weil ihr so aussergewöhnlich spezielle Personen seid, wir, die Fragenden, werden auf immer unserem Patriarchat verhaftet bleiben, weil wir zu feige, oder auch schon zu kraftlos sind, um uns aus unseren Krankheiten zu befreien. Deshalb, bitte, gebt uns doch etwas woran wir uns trösten können. Sagt uns, dass das Matriarchat doch nicht das Gelbe vom Ei ist, das macht unser tägliches Leiden erträglicher.
Die, die so fragen, suchen meiner Meinung nach einfach nur Trost für ihr eigenes von fremder Angst gesteuertes Verhalten. Sie suchen Absolution dafür, warum sie sich nicht für diese Utopie oder irgendeine andere einsetzen, sie wollen im voraus beweisen, dass das nur böse enden kann und die bestehende Welt doch die beste aller möglichen ist. Sie suchen den süßen Trost, dass all ihre Leiden doch irgendwo einen höheren Sinn haben, aber diesen höheren Sinn gibt es nicht. Im Patriarchat leidet jeder nur für den unmittelbaren Vorteil eines anderen, niemals für eine ‘höhere Sache’, wie es dann immer dargestellt wird.
Diesen einen Trost kann ich euch sagen: auch im Matriarchat ist das soziale Miteinander nur so angenehm, wie die Menschen. Hinterhältige Menschen sind auch im Matriarchat hinterhältig. Der Unterschied ist nur, dass ihnen dann eine solche Verhaltensweise schaden würde, anstatt ihnen wie bei uns zu nützen. Ist es das, was soviel Angst macht?
[...] Frage stellt Hannelore Vonier in ihrem interessanten Blog “Rette-sich-wer-kann” (The blog [...]
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