Für die meisten ist es gar nicht einfach, sich mit der Natur zu verbinden und mit ihr in Harmonie (und gleichzeitig mit sich selbst) zu leben, so wie es die so genannten Naturvölker seit Jahrtausenden tun.
Warum?
Wir wurden von klein auf alle der patriarchalen Gehirnwäsche unterzogen und werden es immer noch. Die patriarchale Ideologie behandelt die Natur wie ein patriarchales Gesellschaftssystem.
Unter dem Titel „Bilanz der Sturmschäden“ sagte der Sprecher in der Tagesschau (22.1.07) „…allein in Nordrhein-Westfalen knickte der Orkan … 25 Millionen Bäume um … größter jemals festgestellter Schaden dieser Art … Landesregierung sagte … finanzielle Unterstützung zu“.
Wer ist eigentlich der oder die Geschädigte? Die Natur folgt ganz anderen Gesetzen als unsere kapitalistischen Wirtschaftsregeln.
Ist es nicht eine Lektion für die menschliche Hybris, die zeigt, dass Menschen keine Bäume oder sonstigen Teile der Natur besitzen können?
Die wirkliche „Eigentümerin“ kann mit ihren Bäumen machen was sie will. Welchen Illusionen sitzen wir da auf?
Als wir vor einigen Jahren hier in Florida vier Hurrikanes in einem Sommer erlebten, verloren wir sehr, sehr viele Bäume in unserer etwa 400 Häuser umfassenden park-ähnlichen Wohn-Anlage. Allein auf unserem Grundstück kippte der Sturm zwei große Eichen und eine Zwillingszypresse.

In unserer Tageszeitung kommentierte das ein Forstmann: „With every storm nature unclutters her backyard“ – Bei jedem Sturm räumt die Natur ihren Hinterhof auf. Klingt einleuchtend.
Wie sich später heraus stellte, waren vor allem überalterte Bäume mit hohlen Stämmen gefallen, und solche, die zu isoliert, zu eng und unsachgemäß gepflanzt worden waren oder ungeeignete Arten, die hier nicht einheimisch sind.
Nach einem Unwetter wäre es bestimmt sinnvoll, einen Blick aus einem Geld-unabhängigen Winkel auf das Ergebnis zu werfen, um zu verstehen, was den Naturgesetzen entsprechend da vor sich gegangen ist.
Daran sind wir aber nicht gewöhnt. Wir werden ständig als Opfer der “fürchterlichen” Natur dargestellt und es wird unterschwellig suggeriert, dass „da draußen“ etwas verkehrt läuft.
Für Lawinenopfer wird das gleiche Wort verwendet wie für Kriegsopfer. Da kann doch was nicht stimmen! Im ersten Fall geht es um den natürlichen Kreislauf und im anderen um Mord.
Natur kann nicht böse oder gut sein. Sie ist. Und wir sind ein Teil von ihr. Eine Bewertung kann es da nicht geben, weil es unser ganzes SEIN umfasst.
Wie hochgradig christlich-patriarchales Gedankengut uns täglich manipuliert und abhält mit der Natur ins Reine zu kommen, zeigt ein weiteres Beispiel. Vor einiger Zeit strahlte das ZDF einen Dokumentarfilm über die Erforschung der weißen Haie aus. Die biologischen Zusammenhänge wurden erklärt und dass diese Haie sich u.a. von Robben ernähren. Zitat des Sprechers: „Der Segen für den Hai ist der Fluch für die Robben.“
Was ganz einfach der natürliche Zyklus ist - das Alte vergeht und daraus entsteht Neues -, die Art von Energien aus denen der Planet Erde mit seinem Sonnensystem gemacht ist, dem wird der religiös-bigotte Stempel von „Gut und Böse“ aufgedrückt.
Indem man Vokabeln der Kirchenväter wie „Segen“ und „Fluch“ verwendet, in gleicher Weise, wie deren Gottes-System es mit seinen „Schäflein“ tut, um sie mit Angst in ihre Richtung zu lenken.
Wie soll man bei einem solchen alltäglichen Sprachmissbrauch zur Natur zurück finden und genauso wie die Naturvölker Wege zur Vorsorge entdecken, damit uns bei einem Orkan eben nichts passiert?
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Name: Hannelore Vonier
Wohnort: Kissimmee, Florida, USA
Bio: Kulturkritikerin, studiert seit Jahren Naturvölker, zieht Vergleiche zwischen diesen und uns. Hinterfragen von Kontroversen und Tabu-Themen? Kein Problem!
7 Kommentare zu "Warum wir die Natur verloren haben"
o.k., deine einfache weltsicht, nach der alles die schuld des patriarchalen, umfassend männer bevorzugenden, systems ist, habe ich soweit verstanden. wenn aber alles so einfach ist, dann schreib doch mal, wie wir wieder zurück in die harmonie der “verbundenheit mit der “natur”" kommen! gedankenexperiment: alle väter (oder auch männer) sind zu frauen umerzogen oder zum mars ausgewandert. was sind die ersten schritte von wem? und was machst du dann als erstes? und zweites? und drittes?
Verstanden? Wohl nicht so ganz, z.B. dass es nicht um Männer geht.
Individuelle Denker finden ihren eigenen Weg, das lässt sich nicht verallgemeinern.
Erst wenn der letzte Mensch "sich ausgerottet hat", kann der Planet mit seiner Natur sich erholen!
Seit langer Zeit wundere ich mich über das Verhältnis patriarchaler Gesellschaften zur Natur. Es wurde und wird uns suggeriert, wir seien die "Krone der Schöpfung" und alles "sei uns untertan". Welch eine irrsinnge Selbstüberschätzung! Ich erinnere mich an einen Fernsehwerbespot mit der Aussage "Die Natur braucht uns nicht - aber wir brauchen die Natur" in den 80er Jahren. Eine Behauptung, die jedoch nur langsam Platz in den Köpfen fand. Trotzdem entfernen sich die Menschen immer weiter von der Natur, die jedoch unser Lebensraum ist, unsere Nahrungsquelle. Kinder kennen die Zusammenhänge zwischen Natur und Mensch nicht mehr, daraus folgert ein immer gedankenloserer Umgang mit unserer Umwelt und immer größere Defizite bei der Weitergabe notwendigen Wissens. Naturvölker ehren ihre Alten u.a. auch deshalb, weil sie BewahrerInnen dieses Wissens sind. Alter ist in unseren Breiten in nahezu allen Bereichen nur negativ besetzt. Auch daran erkennt man das gestörte Verhältnis zur Natur, deren Gesetz "Altes vergeht - Neues entsteht" wir bezogen auf uns Menschen nicht akzeptieren wollen.
Eine Naturkatastrophe in unserer Welt ist eben eine Katastrophe. Bei Naturvölkern ein Ereignis.
Jose, Arhuaco Indianer aus Kolumbien wurde sehr früh durch ein Rumpeln geweckt. Er trat aus seiner Hütte und sah eine ca. 4 m hohe Erdlavine 30m von seinem Haus entfernt. Sie war scheinbar da zum stehen gekommen. Er schloss seine Hühner und Schweine in die Hütte ein und machte sich auf, oben auf dem Berg zu schauen wo der Erdrutsch hergekommen war. Als er zurück kam hatte der Erdrutsch seine Hütte völlig verschluckt. Nur sein Gemüsegarten blieb verschont. Sein stoischer Komentar in meinem (10jähriges Kind) Beisein, “Schade um die Tiere” und wir liefen ins nächste Tal zu seinem Sohn. Nach einer Woche schaute ich mit meinen Geschwistern den Erdrutsch an und wir staunten. Jose hatte etwas vom Erdrutsch entfernt nicht eine sondern 2 schöne Hütten aufgebaut, Hühner und Schweine liefen wie eh und je darum herum und alles war so wie wenn nie was passiert wäre. Seine Söhne, Familie, Gemeinschaft hatten das Neue aufgebaut und das Leben ging weiter. Keine Versicherung, keine Baufirma, kein Viehmarkt und doch war in kürzester Zeit alles wieder da und noch besser als das Alte. Wir “Zivilisierte” waren völlig platt !!!!
“Natur kann nicht böse oder gut sein. Sie ist. Und wir sind ein Teil von ihr. Eine Bewertung kann es da nicht geben, weil es unser ganzes SEIN umfasst.”
Heißt das, dass wir Menschen, da wir ein Teil der Natur sind, auch nicht böse oder gut sind?
Rosana
@ Rosana:
genau, auch Menschen als Teil der Natur sind weder gut noch böse. Du kannst das ganz leicht nachvollziehen, wenn du an ein neu geborenes Baby denkst. Es IST. Sonst nichts. Und doch gibt es Leute, die erzählen was von Ursünde und Schuld, auch bei Babys. Daran wiederum ist zu erkennen, dass die gut/schlecht (bzw. böse)-Einteilung ein hausgemachtes Konzept ist.
Dieses bewertende Konzept eignet sich hervorragend, die Leute zu manipulieren. Ich bevorzuge anstatt gut/schlecht die Bezeichnung krank/gesund. Das lässt sich auf alle Lebewesen anwenden.
Ein tollwütiges Tier kann Schaden anrichten, aber man weiß, es ist eben krank. Bei Menschen ist es ebenso, nur werden die Ursachen in unserem mechanistischen Weltbild nicht untersucht, sondern man versucht die Symptome zu “reparieren” (zu behandeln).
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