Wertewandel: Es ist Zeit, gegen den Wind zu spucken!

geoidUnsere Großeltern wussten, wo es lang geht, und haben unsere Eltern damit gedrillt und diese wiederum uns. Kluge Sprüche wie „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ bildeten die Werte der Gesellschaft ab.

Sie sind dabei sich aufzulösen. Früher war die Erde flach, dann wurde sie rund, welche Form wird sie morgen annehmen?

Begriffe wie unerzogen, unwissend und unordentlich bekommen eine neue Bedeutung und gewinnen an Wert.
Die Medien schlachten Unglaubliches aus, und wir alle können es anhand unverfälschter Versionen überprüfen.
Wir können unangepasst werden, uns eine eigene Meinung bilden und neue Werte finden.
Eine Zeit, gegen den Wind zu spucken.

Eine spannende Zeit!

*

Zum Bild: Die Grafik zeigt – in stark überhöhter Form – die Anomalien des Schwerefelds der Erde als Beulen und Dellen eines „Geoides“. Die Form dieser, aus Orten gleicher Erdbeschleunigung zusammengesetzten Fläche würde die Erde annehmen, wäre sie vollständig mit Wasser bedeckt.

8 Kommentare

  • René

    Gegen den Wind spucken… eine feuchte Angelegenheit, abhängig von der Windstärke, der Bewegungsfähigkeit oder Flexibität und nicht zuletzt von der Spucke selbst 🙂

    ja, damals war noch die Weltanschauung unserer Grosseltern und Eltern ganz anders, andere Wertvorstellungen, Vorgaben, kurzum es war in unseren Breitengraden auch eine viel rauhere Zeit.
    Da wurden die Kinder auch viel strenger erzogen, waren viel bescheidener, ihnen vielmehr Respekt und Regeln  eingeflösst und Werte vermittelt damit sie dann auch in der damaligen Zeit später sich als Erwachsene zurechtfinden und das Leben durchstehen können.
    Aus heutiger Sicht sicherlich extrem; ich erinnere mich noch als Kind als meine Mutter versehentlich meiner Grossmutter das „Du“ ausgebüxt ist.  Da erhielt meine Mutter prompt eine kräftige Backpfeife, notabene mit 47!! und Grossmutter ärgerte sich über mangelndem Respekt noch lange darüber.
    Heute kann man teils das schiere Gegenteil beobachten. Die Wertvorstellungen haben sich verschoben, die Respektlosigkeit zwischen Jung und Alt nimmt stetig zu, das Verantwortungsgefühl zu sich selber , in der Familie und anderen gegenüber nimmt ab, die Spassgesellschaft, auch Weichspülgesellschaft wie ich es nenne, hat sich breitgeschlagen.
    Einen Klaps wird gleich mit Körperverletzung gleichgestellt, Kinder können wegen Nichtigkeiten die eigenen Eltern anzeigen, man hört nicht einander zu, Konfliktbewältigung ein Fremdwort,  jeder macht was er will, die Jugendämter mischen sich oftmals über Gebühr in familiäre Angelegenheiten, die Eltern sind zeitlich auch oftmals überfordert wegen Doppelbelastung, Stress, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen.
    Das Pendel ist dabei von einem Extrem ins andere zu kippen.
    Wie Paracelsus damals predigte, es ist alles eine Frage des Masses und der Vernunft.
    Heute herrscht das Unmass, die Medien trichtern es auf die feine Art dies tagtäglich ein.  Das ist cool, das andere auch und… du bist es dich wert.
    Die Diktatur der Wirtschaft..alles ist erlaubt wenn die Wirtschaft seinen Nutzen ziehen kann  -> Gewinnmaximierung.
    Das ist heute sehr stark ausgeprägt.

    Wohin wird das wohl führen?? Spannend vielleicht schon aber ob die eigene Spucke mit Rückendeckung eines kräftigen Windstosses die Masslosigkeit beeindrucken kann??

    Mal schauen 🙂

  • @ René: eigentlich hast du die Frage nicht beantwortet… und was du über die Vergangenheit schreibst ist ja vom Prinzip her das Gleiche wie während der ganzen letzten 7000 Jahre Patriarchat. Einmal schlagen die zu, einmal die andren, aber drauf gehauen wird immer.

    Wenn man gegen den Wind spuckt, fliegt einem die Spucke zurück ins Gesicht – heißt: Man ist bereit für das eigene unangepasste Verhalten Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen.

    Vielleicht finden sich LeserInnen, die ihre Kinder nicht erziehen und uns ein Beispiel geben, wie ihnen die Gesellschaft dafür ins Gesicht spuckt.

    Vielleicht nimmst du René – und sicher nicht du allein – die aufkommende Subversion, also die echt umstürzlerischen Trends,  noch nicht wahr?

  • René

    Hallo Hannelore,

    welche subversive Strömungen an die man sich vorsehen soll hast Du denn gedacht bei denen ein Wertewechsel stattfindet?

    Evtl. eine „Aufweichung“ des Patriarchats durch das Internet, wo teils altruistisch Wissen für alle zugänglich gemacht wird (z.B. Wikipedia) und alle gemeinsam an etwas teilhaben und selbst weiterentwickeln können? Ähnlich wie beim Matriarchat wo eine Sippe ihre Entwicklung gemeinsam und soweit wie möglich unabhängig in eigener Regie führt mit dem Wissen ihrer Bevölkerung und den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Im Gegensatz zum Patriarchtat wo die Selbstverwirklichung im Vordergrund steht.
    Oder meinst Du das pure Gegenteil wo alles staatlich geregelt, kontrolliert und geprüft werden muss was zum gläsernen Menschen führt.

    Jetzt bin ich gespannt was Du mir antwortest 🙂

    René

  • @René, hast du denn meinen Gedankengang anhand der eingefügten Links nachvollzogen? Links gehören immer zu einem Artikel dazu. Damit man nicht alles zitieren muss. Und wenn du mit der Maus drüber fährst, dann siehst du am Titel, wo der Link hinführt.

    Oder setze ich da zuviel voraus? Der Beitrag ist halt ein Schnipsel zum Gesamthema dieses Blogs: Gesellschaft im Wandel – vom Patriarchat zum Web 2.0, verkürzt gesagt.

    Und wieso „vorsehen soll“? Steht doch nirgends.

  • ps ich bin froh, René, wenn du klar machst, was dir unklar ist. Ich bin dabei den Blog neu zu strukturieren und freu mich über jedes Feedback.

  • [Ich glaube,] Du hast insofern recht, Hannelore, als heute als Meinungs-, Glaubensäusserung und Haltung im Internet jedenfalls der zivilen Gesellschaften westlicher Prägung nahezu alles möglich ist, „Freiheit“ herrscht. Allerdings [glaube ich,] führt diese gewaltigen Ausweitung und Aufsplitterung des Informationsangebots bloss zu einem gigantischen Informationswettbewerb der damit letztlich klar von patriarchaler „Herr“schaft dominiert wird. So ganz nach dem Motto „divide et impera“. [Ich glaube,] Da nützen 100’000 einzelne individuelle, sich widersprechende Meinungen, Ansichten und Haltungen nichts, wenn Sie dem Handeln und der physischen Macht des Patriarchats gegenüberstehen.
    Jedenfalls zeigt [mir] die tatsächliche Entwicklung der Gesellschaft erschreckende Tendenzen und ein ganz anderes Bild: Einerseits Ausweitung des Patriarchats durch die Globalisierung. Anderseits und damit verbunden entsprechende Machtkämpfe und Umverteilungen zu Gunsten der Herrschenden.

    [Ich glaube,] Mit den technischen Mitteln die der Herrschaft zur Verfügung stehen, benötigt diese keinerlei Zustimmung des Volkes mehr. [Ich glaube,] Medienhypes dauern zwei, drei Tage, vielleicht zwei, drei Wochen und dann geht man(n) zur Tagesordnung über. Gegen die Macht des Faktischen [glaube ich] nützen alle wohlgemeinten und guten Änderungsvorschläge zur Gesellschaft nichts: [Ich glaube] sie verpuffen bloss und dienen damit nur der Legitimation der Herrschaft ganz nach dem Motto „Seht bloss bei uns herrscht Meinungsfreiheit“.

    Anmerkung von Hannelore: Mit den Zusätzen in den eckigen Klammern habe ich den Text personalisiert. Sonst glaubt vielleicht jemand, es wäre wirklich so 😉

  • Thys, ich glaube, dass es eine Menge Elemente gibt, die das Patriarchat unterlaufen, während diejenigen, die in der Glocke des patriarchalen Paradigmas gefangen sind, dies gar nicht sehen können. D.h. ich glaube es nicht, sondern ich sehe es und blogge ja hier oft genug darüber.

    Solche, die am Patriarchat hängen, spüren, dass da was im Gange ist, ohne zu wissen was. Manche schlagen dann in ihrer Hilflosigkeit wild um sich. Das nenne ich: „Das Patriarchat läuft Amok.“

    Ich bin nicht allein in der Annahme, dass es immer Menschen gibt, die Erkenntnis suchen und andere, die sie vermeiden wollen.
    1945 schrieb Wilhelm Reich: „Wir wissen genau, dass der heutige durchschnittliche Mensch nichts so sehr fürchtet wie die Erkenntnis seines biologischen Wesens. Wir wissen gleichzeitig, dass er nichts so sehr herbei sehnt wie die Erfüllung seines biologischen Wesens. Beide, Angst vor Erkenntnis und Sehnsucht nach Erfüllung, begegnen uns gleichzeitig.“ (Der Krebs, S. 22)
    Reich hat das wissenschaftlich nachgewiesen (im medizinisch-biologischen, so wie im sozialen Bereich).

    Du hast schon Recht mit deinem Text, aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Ich lade dich ein, sie mal umzudrehen 😉

  • Liebe Hannelore. Du hast mich insofern missverstanden, als ich tatsächlich ganz Deiner Meinung bin, dass es breite Bewegungen und Strömungen gibt, die sich dem Patriarchat zu entziehen versuchen (Du nennst es das Patriarchat „unterlaufen“). Ich zähle mich selbst ja auch dazu 🙂 Dennoch
    bezweifle ich, dass diese „Entziehung“ noch rechtzeitig die gewaltige physische und hierarchisch strukturierte Macht des Patriarchats zum Einstürzen bringt.

    Ich denke, dass es nötig wäre, die gemeinsamen Kräfte die sich gegen das Patriarchat richten, zu bündeln. Hierzu bräuchte es einen kleinsten gemeinsamen Nenner der Übereinstimmungen, eine entsprechende Organisation und gewaltfreie Aktionen, die in erster Linie von Frauen getragen würden (Männer neigen immer wieder dazu, in geschlechtsspezifische Rollen zu fallen, das hat auch die kommunistische Revolution von 1918 gezeigt, die ursprünglich durchaus matristische Züge trug).

Schreibe einen Kommentar

draw-freehand.png

Diese Art von Kommentaren lieben unsere Leser/innen:

- in denen du deine Erfahrungen weiter gibst,
- den Beitrag um weitere Informationen ergänzt
- und Lesern des Artikels mit deinem Kommentar einen „Mehrwert“ schenkst.

Gelöscht werden Kommentare,

- die sich nicht auf diesen Artikel beziehen.
 
You have to agree to the comment policy.