Rette sich, wer kann!

Transformationsblog

Gewaltstaat schickt Gewaltbewältigungshelfer mit Gewalt

Was sagt es über den Zustand einer Gesellschaft, wenn sie bezahlte Experten benötigt, um Kinder zu trösten?

In Winnenden wurden nach dem Amoklauf des Tim K. rund 100 Psychologen aus ganz Deutschland zusammengezogen, um Menschen Beistand zu leisten, die im Jargon des psychosozialen Helfersystems „Betroffene“ heißen.

Ein 12-jähriges Mädchen berichtete unter Tränen, dass es gerade einer Psychologin begegnet sei, die ihr geraten habe, sich mit einer Freundin zu treffen und sich ein „bisschen abzulenken“. Andere Jugendliche erhielten die Expertenempfehlung, jetzt „ganz fest zusammenzuhalten“.

Ein Haus stürzt ein, ein Tunnel brennt, ein Zug verunglückt, eine Lawine geht nieder, ein Flugzeug stürzt ab und prompt werden wir am Ende der Nachricht mit dem Hinweis darauf beruhigt, dass Psychologen bereits vor Ort seien und die Betroffenen betreuten.

„Ja, dann ist ja alles in Ordnung“, sagen wir uns und lehnen uns im Sessel bequem zurück.

Eine Schülerin in Winnenden äußerte, das Schrecklich­ste neben der Journalisten-Plage seien eigentlich die Psychologen gewesen, die einem überall aufgelauert und mit raffinierten Tricks zu verhindern versucht hätten, dass jemand mit Freunden und Angehörigen oder gar mit sich selbst allein war.

Wer sich beratungs- und therapieresistent verhalte, riskiere schlimme und schlimmste Spätfolgen, so sei zu hören gewesen, nur fachliche Anleitung garantiere, dass man einigermaßen glimpflich davonkomme.

Aufdringliche Psychoattacken dieser Art verhindern, dass die Opfer von Gewalterfahrungen zunächst einmal auf ihre eigenen Bewältigungsmechanismen und die ihrer näheren Umgebung zurückgreifen, und zielen darauf ab, mäandernde psychische Prozesse unter Kontrolle zu bringen und zu begradigen.

Manche Kritiker behaupten, dass Psychologen durch ihren voreiligen Zugriff und imperialen Gestus häufig die Störung erst schaffen, die zu behandeln sie vorgeben.

Experten, ursprünglich auf den Plan gerufen, um gesellschaftliche Mangelkrankheiten zu kompensieren, tragen, wenn sie sich als Berufszweig einmal etabliert haben, dazu bei, das „soziale Immunsystem“ durch Enteignung und Ausdünnung von Kompetenzen weiter zu schwächen.

Irgendwann sagen sich die Leute: „Bevor ich beim Helfen und Trost spenden irgendetwas falsch mache, überlasse ich es lieber den Fachleuten und halte mich raus.“

Wir sollen uns daran gewöhnen, unsere unwägbaren Gefühlszustände mittels Einnahme von psychoaktiven Substanzen oder Inanspruchnahme von Beratung zu regulieren.

An die Stelle autonomer Ich-Leistungen tritt der Gang zu Arzt und Apotheker oder zur nächsten psychosozialen Beratungsstelle.

Das als Kleinstunternehmen konzipierte Subjekt soll ein „Selbstmanagement“ erlernen, dem sein Selbst mehr und mehr abhanden kommt.

Quelle: Götz Eisenberg, Jahrgang 1951, Gefängnispsychologe. Mehr lesen über die Industrialisierung des Mitleids

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Helfer/innen, die vom Staat „zugelassen“ sind, arbeiten natürlicherweise für das System. Das sind zugelassene Ärzte, Psychotherapeut/innen, Sozialarbeiter/innen beim Jugendamt und anderen staatlichen Institutionen.

Der ganze Sozial- und Gesundheitsbereich wird vom Staat dadurch kontrolliert, dass er die systemkonforme Ausübung des Berufs mit der Kassenzugehörigkeit belohnt. Es geht nicht um Heilen, sondern darum, die Patienten zu befähigen angepasst zu leben.

Der Zwang in Kassen einzuzahlen macht es der Mehrheit finanziell sehr schwer bis unmöglich sich alternative Hilfe zu holen, die einen Menschen dabei unterstützt sich vom System frei zu machen.

Letzteres ist auch nicht gewollt, denn wir leben in einer ’streitbaren Demokratie‘. Das heißt, dass gegen verfassungsfeindliche Einzelpersonen und Parteien aktiv vorgegangen werden kann, bevor sie überhaupt strafrechtlich relevante Taten verüben. Da macht man doch lieber keinen Fehler, wenn man vom Staat zugelassen ist, oder?

Das Ergebnis sind Angst und „voreilender Gehorsam“.

Wem unser Gewaltstaat nicht gefällt, dem droht die – Achtung, offizielle Bezeichnung! – Staatsgewalt.


Autor: Hannelore Vonier

Bloggerin mit dem leidenschaftlichen Drang, die destruktiven Kräfte in unserer Gesellschaft bekannt zu machen und Lösungen aufzuzeigen. Mehr über mich und diesen Blog.

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