Mainstream sitzt 5 Minuten im Dunkeln /Earth Hour

Mainstream sitzt 5 Minuten im Dunkeln /Earth Hour

von Hannelore Vonier

Gestern (2.2.2007) gingen in der Lichterstadt für 5 Minuten die Lichter aus. Paris und Halb-Europa im Dunkeln.
Wie kam es dazu?
Anlässlich des nachlassenden Tourismusgeschäfts in der französischen Hauptstadt und an der Côte d’Azur nahm ein Angestellter* des Tourismusbüros Tour d’Europe die Tagung des “UN-Ausschusses für Klimawandel der Vereinten Nationen” zum Anlass, eine Aktion über das Internet auszulösen, die von einem Yigg-Leser folgendermaßen kommentiert wurde:

“Diese Aktion steht symptomatisch für alle Lobbygruppen-Aktionen: Mit oberflächlich vernünftigen Aktionen wird PR-Hype erzeugt. Meist sinnfrei, oft kontraproduktiv.”

*der Angestellte Jean M. wurde inzwischen aufgrund des sensationellen Medienerfolgs auf einen Direktorsposten befördert und bekam einen eigenen Dienstwagen.

Hier ist ein Foto derjenigen, die an der Aktion teilnahmen:

EDIT: Das Foto wurde inzwischen retuschiert, weil sich jemand wiedererkannt und beschwert hat. Siehe Kommentar.

Die Abgebildeten haben begriffen, dass sie Gleichgesinnte vor allem auf ausgetretenen Trampelpfaden finden und der individuelle Weg zuviel Denkarbeit erfordert. Deshalb ihr Motto: Dabei sein ist alles!

Ein anderer Kommentator war besorgt:

“Um 19.55 wird also erstmal Strom sinnlos verbraten, weil er nicht abgenommen wird und um 20.00 wird dann eine ordentliche Lastspitze durch die Netze rollen. Jetzt frage ich mich ironischerweise gerade, ob ich meine Elektrogeräte um die Zeit ausmachen soll, damit sie keinen Schaden nehmen, falls alles zusammenbrechen sollte.”

*

Earth Hour

Update (28.3.2009): Die Aktion war auch in der Umweltschutzbewegung aufgrund ihrer reinen Symbolwirkung umstritten. Eine Initiative von taz, attac, NABU, Robin Wood, Grüne Liga und anderen rief zu „Licht an – aber richtig“ auf.

Sie fordert, dass stattdessen unter anderem auf Energiesparlampen und Ökostrom gesetzt werden solle. Eine Berechnung des Öko-Institutes im Auftrag der taz ergab, dass falls 50 Prozent der deutschen Haushalte für fünf Minuten das Licht ausschalten, deutschlandweit etwa 343 Tonnen CO2 eingespart werden.

Falls aber 50 Prozent der Haushalte Glühbirnen gegen Energiesparlampen tauschten, in einem Jahr 2,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, also 7.000 mal so viel.

In Australien gab es zum ersten Mal die Earth Hour am 31. März 2007. Durch das symbolische Ausschalten der Beleuchtung zwischen 19:30 Uhr und 20:30 Uhr Ortszeit sollte auf die Energieverschwendung durch unnötige Beleuchtung und anderen Stromverbrauch und das Einsparpotential hingewiesen werden. Während der Earth Hour wurden die Beleuchtung der Stadtwahrzeichen Sydney Harbour Bridge und Opera House sowie zum ersten Mal seit Inbetriebnahme 1974 die bekannte Coca-Cola-Leuchtreklame im Stadtviertel Kings Cross abgeschaltet. Restaurants servierten Essen bei Kerzenschein.

Andere Städte weltweit folgten. Bei „Lights Out London“ wurde unter anderem auch zum ersten Mal seit 68 Jahren die berühmte Leuchtreklame am Piccadilly Circus ausgeschaltet.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde eine Aktion unter dem Titel „Licht aus! Für unser Klima.“ am 8. Dezember 2007 durchgeführt. Unter anderem wurde am Kölner Dom, am Schloss Neuschwanstein, beim Brandenburger Tor und in der Frankfurter Zeil das Licht ausgeschaltet.

Pyramide des kapitalistischen SystemsIn Deutschland und allen angrenzenden Ländern fand am 29. März 2008 von 20:00 bis 21:00 Uhr die „Earth Hour 2008“ als Folgeaktion vom Vorjahr statt.

Dies sind keine Graswurzelaktionen, denn sonst wären Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen wie die genannten nicht abgeschaltet worden. Der organisatorische Aufwand ist groß und muss von “oben” angeordnet werden.

Leidenschaftliche AktivistInnen können mit einem einfachen Test feststellen, wem sie eventuell auf den Leim gehen, indem sie die Frage beantworten:

Wer profiliert sich und wer trägt die Last?

Zur Veranschaulichung das Bild mit der Pyramide zum Vergrößern anklicken.

*

Warum “Mainstream” besser als “Mainblock” bezeichnet würde, erklärt Bernd Senf in seinem Vortrag über Lebensenergie und die Gemeinsamkeiten von Viktor Schauberger, Wilhelm Reich und Silvio Gesell.

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