Wie Mädchen und Jungen ungleich gemacht werden.

Wie Mädchen und Jungen ungleich gemacht werden.

Erziehung zur Ungleichheit[1]

„Es ist ein Junge!“ – „Es ist ein Mädchen!“ –
das sind die ersten Worte der Hebamme im Entbindungszimmer.

Dem Kleinen ist es völlig egal, welchem Geschlecht es angehört und es wird ihm noch ziemlich lange gleichgültig sein.
Aber in der Zwischenzeit gibt es Leute, die sich darum kümmern, dass das Kind das ideale Bild eines kleinen Mädchens oder eines kleinen Jungen eingetrichtert bekommt. Sie müssen lernen, sich so eng wie möglich dem Rollen-Modell anzupassen – koste es, was es wolle.

Das sicherste Mittel, ein Mädchen oder einen Jungen in seiner Geschlechterrolle festzulegen, ist:

  • das Kind in Verhaltensnormen zu zwängen, die keinen Widerspruch zulassen und von der Gesellschaft ständig bestätigt werden.

Je stärker sich diese Verhaltensmodelle bei Mädchen und Jungen unterscheiden, desto klarer ist das Resultat. Deshalb wird von frühester Kindheit an alles eliminiert, was Mädchen und Jungen gleich machen könnte und alles andere hervorgehoben, was den Unterschied betont.

Der Vater

Seit der Industrialisierung haben Väter nur eine zweitrangige Rolle im Umgang mit ihren Kindern. Ihre Funktion ist es, das mütterliche Verhalten zu korrigieren und zu kontrollieren. Und das tun sie entsprechend ihrer sozialen Rolle, um den Status quo aufrecht zu erhalten.

Sie präsentieren sich dem Jungen als Identifikationsperson, als jemand den der Sohn nachahmen soll. Für das Mädchen stellen sie die Idealfigur des Mannes dar. Aber es ist allein die Mutter, die die Kinder dauernd um sich hat, sowohl den Jungen, als auch das Mädchen.

Sie wird aus der kleinen Tochter genau die Art von Frau machen, die die Gesellschaft billigt und die sie selbst auch ist. Den kleinen Jungen erzieht sie so, wie sie Männer seit ihrer Kindheit kennt und akzeptieren muss. (Und nicht zu der Art Partner, wie sich die meisten Frauen einen für sich selbst wünschen.)

Es ist nicht besonders schwierig mit ihrem Sohn: sie braucht nichts anderes zu tun, als das tolerante, komplizenhafte, gefällige Gehabe an ihm anzuwenden, das sie auch erwachsenen Männern entgegen bringt.[2]

Die Mutter

  • Was passiert zwischen dem neugeborenen Mädchen und der Mutter?
  • Was passiert zwischen dem neugeborenen Jungen und der Mutter?
  • Welche Mittel hat sie, „unpassende“ Verhaltensweisen des Kindes zu verändern?
  • Wie kann sie das Kind dazu veranlassen, sich dem vorgeschriebenen Schema anzupassen?

Ein Baby hat verschiedene Bedürfnisse und einige davon sind so brennend, so unaufschiebbar, dass es schreckliche Qualen leidet, wenn sie nicht befriedigt werden. Das ist das Feld, auf dem es mit der Mutter zusammenkommt.

Und genau die Art und Weise, wie die Mutter diesen Kontakt gestaltet, bestimmt von Anfang an die Gewohnheiten, die schmerzlichen und die lustvollen Erfahrungen und die Konditionierung des Kindes.

In den ersten Lebenswochen ist für das Neugeborene die Haut das wichtigste Organ für die Aufnahme von Reizen.

In einem experimentellen Versuch erhielt eine Gruppe von Heimkindern 10 Wochen lang täglich 20 Minuten mehr Hautkontakt mit der Bezugsperson. Diese Gruppe konnte eine wesentlich höhere Zunahme ihrer Wahrnehmungs- und sozialen Fähigkeiten erreichen als die Vergleichsgruppe.[3]

Werden also Kinder in der Neugeborenenperiode durch Hautkontakt stimuliert, so haben sie weit bessere Bedingungen für ihre Entwicklung.

Nun ein paar Zahlen aus Untersuchungen zu zwei Beobachtungszeitpunkten[4]:

Jungen im Alter von drei Wochen werden von ihren Müttern im Zeitraum von acht Stunden durchschnittlich 27 Minuten länger als die Mädchen aus dem Bett und in die Arme genommen. Diese Differenz hält an, und im Alter von drei Monaten ist sie zwar geringer, beträgt aber immer noch 14 Minuten pro acht Stunden zugunsten der männlichen Säuglinge.

Es gibt diesbezüglich keine Untersuchungen über das Verhalten von Vätern, aber es wird angenommen, dass es sogar gravierender ist, weil neuere Studien in anderen Entwicklungsstadien zeigen, dass sich Väter in Bezug auf die Geschlechterrollen-Erziehung noch konservativer verhalten als Mütter.

Geschlechtsspezifische Differenzen in der Behandlung des Neugeborenen zeigen sich auch

  • im Bewegungs-Bereich

Die Einschränkung der Bewegung eines Babys, z.B. durch Strampelsack, Festbinden u.a., die Positionsänderungen wie Kriechen und Krabbeln verhindert, beschneidet das Kind in der Wahrnehmung seiner Umwelt. Es kann dadurch nicht in dem Maße Erfahrungen sammeln, wie eine günstige intellektuelle Entwicklung es erfordert.

Wie durch Studien belegt wurde, werden auch hier Mädchen nachteilig behandelt und in ihrer Motorik eingeschränkt („Sonst werden sie zu wild!“). Diese Behinderung der weiblichen Säuglinge wirkt sich auf die Reflextätigkeit negativ aus. Die Mädchen werden und wirken passiver.
Jungen werden durch die erhöhte Bewegungs-Stimulierung lebhafter.

  • beim Stillen

Im Schnitt werden weibliche Babys mit drei Monaten entwöhnt, die Zwiemilchernährung beginnt bei eineinhalb Monaten.
Buben werden über vier Monate gestillt und die Zwiemilchernährung dauert bis zum achten Monat.

Die Dauer der Mahlzeiten im Schnitt:

  • an der Brust: Mädchen 25 Minuten, Jungen 45 Minuten
  • an der Flasche: Mädchen 8 Minuten, Jungen 15 Minuten

Der intime körperliche Kontakt zwischen Mutter und Kind beim Stillen (wenn wir bedenken, wie oft ein Kind ja gestillt wird), vermittelt ihm die tief greifende Bedeutung, die es für die Mutter hat; des Platzes, den es bei der Mutter und somit in der Welt einnimmt.

Steht ihm die ständige Bereitschaft der Mutter zur Verfügung? Werden seine Bedürfnisse, sein Rhythmus, akzeptiert? Durch dieses Akzeptieren des kindlichen Körpers durch die Mutter entsteht die Selbstachtung, das Selbstbewusstsein, das wir bei Frauen so wenig finden und von dem Männer scheinbar im Übermaß haben.

Der nachweisbare Unterschied in der Stilldauer bei Mädchen und Jungen ist auf die Häufigkeit der Pausen zurückzuführen, die die Mutter dem Jungen während des Stillens zugesteht.

Das ist der Vorgang: Babys saugen zunächst drei- bis viermal und machen danach eine Pause zum Hinunterschlucken.

Da der Vorgang des Saugens nicht nur die Gesichts- und Mundmuskeln beansprucht, sondern den ganzen Körper des Kindes einbezieht, der mit vollem Energieeinsatz mitwirkt, ist das Saugen für das Baby anstrengend und zwingt es oft dazu, wieder Atem zu holen und Kräfte zu sammeln.
Die Dynamik des Saugens und Schluckens können wir als Erwachsene nachvollziehen, aber wozu die lästigen Pausen? Reine Zeitverschwendung, gewollte Faulheit. „Es ist sehr faul“, sagen Mütter, wenn sie das Wesen, das von ihnen gefüttert wird, nur autoritär sehen.

Dem Kind die Freiheit zuzugestehen, sich auszuruhen, bedeutet, es als eine Persönlichkeit anzuerkennen, die durch ihren eigenen Rhythmus, durch ihre individuellen Bedürfnisse gekennzeichnet ist. Gerade in diesen ersten, scheinbar unbedeutenden Zugeständnissen an seine Autonomie, zeigt sich der Respekt der Bezugsperson dem Kind gegenüber.

Der schnellere Ablauf der Mahlzeiten bei kleinen Mädchen ist auf das wiederholte Drängen der Mütter zurückzuführen. Sie signalisieren mit allen Mitteln: „Beeil dich“.

Aber wie machen sie das?

[bctt tweet=“Übers Essen bereits beim Säugling die Geschlechtsrolle einüben.“]

Wie werden Säuglinge dazu gebracht, sich beim Essen zu beeilen?

„Beeil dich“ heißt: Kürzere Erholungspausen zwischen dem Herunterschlucken und dem nächsten Saugen.

Um das zu erreichen, wird das Kind geschüttelt, wenn es langsamer trinkt, es wird in die Backe gezwickt oder es wird in einer unbequemen provisorischen Haltung gestillt, z.B. im Stehen, ohne das Köpfchen gut abzustützen, so dass ein Gefühl des Erstickens entsteht. Gelegentlich halten Mütter dem Kind die Nase zu, damit es wieder den Mund öffnen muss und sie erneut den Schnuller oder die Brust hineinstecken können.

Essen und Trinken
hält Leib und Seel‘ zusammen. Deutsches Sprichwort
Unruhig Essen gibt ein schlecht verdau’n. Shakespeare
Gut gekaut ist halb verdaut. Volksmund

Das Kind lernt sehr schnell, ob es sich darauf verlassen kann, dass es in Ruhe seine Nahrung essen darf, oder ob ihm das Vergnügen des Essens, der Genuss, verweigert wird.

Dem Jungen wird diese Pause von der Mutter eher zugestanden als dem Mädchen. Sie akzeptiert seinen eigenen Rhythmus. Ich stimme den französischen Psychologinnen zu, die sagen: Frauen haben eine unbewusste Achtung vor der männlichen Autorität. D.h., die Mutter akzeptiert in ihrem kleinen Sohn den Mann und gesteht ihm seinen eigenen Willen zu – bricht jedoch diesen eigenen Willen beim Mädchen.

Und als wäre es damit noch nicht genug, gibt es eine weitere Studie, die den größeren Drill bei Mädchen offenbart[5]:

  • Mädchen essen früher als Jungen selbständig, und zwar zwischen 24 und 30 Monaten, während die meisten Jungen sich bis zum Alter von 4 bis 5 Jahren helfen lassen.

Es wird deutlich, dass es sich nicht nur um kleine Differenzen handelt, sondern bereits um eine grundsätzliche Benachteiligung und Weichenstellung mit schweren Folgen für die Entwicklung kleiner Mädchen.

Während bei Jungen von Anfang an eine relative Autonomie gewährt und unterstützt wird, ist auf Seiten der Mädchen Anpassung und Unterordnung unter einen fremden Willen gefordert. Die Autonomie wird gebrochen.

Dabei ist auffallend, dass die „mädchenspezifischen“ Fertigkeiten und Eigenschaften die Erziehungspersonen von Arbeit entlasten.

Mädchen werden früher als Jungen nicht mehr gefüttert, machen nicht so häufig die Windeln nass, und müssen weniger intensiv bei lebhaften körperlichen Aktivitäten beaufsichtigt werden.

Die Tatsache, dass kleine Mädchen bereits in diesem Alter in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nicht nur behindert, sondern schon geschädigt sind, zeigt sich beispielsweise deutlich in Ess- und Schlafschwierigkeiten.
(Ess-Störungen in vielen Facetten – von Mager- bis Diätsucht – kennen wir von Mädchen und Frauen aller Altersstufen.)

Nach einer Umfrage haben 94% aller Mädchen „Schwierigkeiten beim Füttern“ (extrem langsames Essen, Erbrechen, Zerfahrenheit), dagegen nur 40% der Jungen.
Hier wird deutlich, dass zwischen Müttern und ihren kleinen Mädchen etwas überhaupt nicht stimmt!

Schlucken

Zu den häufigsten „Ess-Schwierigkeiten“ gehört die Eigenart, das gekaute Essen stundenlang im Mund zu behalten. Was hat es damit auf sich?

Mädchen (auch manche Jungen) kauen ihr Essen, schaffen es aber nicht das Zerkaute herunterzuschlucken, besonders wenn es festes Essen ist, z.B. Fleisch. Je fester die Nahrung, desto enger kommt ihnen ihr Hals vor, wo sie ja durch soll. Flüssige Nahrung, Milch oder dünner Brei „fließt“ von alleine. Die Kinder müssen nicht aktiv schlucken.

Warum haben sie diese Schwierigkeiten?

Der Körper ist immer ein Spiegel der seelisch-emotionalen Befindlichkeit. Wenn Kinder sich durch alles Mögliche belastet fühlen,  das sie schlucken müssen, obwohl sie es nicht wollen und weil sie in der Zwangsjacke stecken, die da Eltern-Kind-Beziehung heißt, fühlt es sich für sie „erstickend“ an, wenn sie noch mehr schlucken sollen, von dem Zeug, das sie einfach vorgesetzt bekommen.

„Friss’ Vogel, oder stirb!“ Kinder in Industrieländern müssen sich emotional anpassen, wenn sie die Zuwendung der Eltern bekommen wollen. Babys, die keine oder zu wenig emotionale Zuwendung bekommen sterben an Hospitalismus, der auch „plötzlicher Kindstod“ genannt wird. Das Kind liegt eines morgens einfach tot in seinem Bettchen. Es ist an Gefühlsmangel gestorben, die Erziehungspersonen haben es emotional verhungern lassen.

Wir wissen, dass körperlich unterernährte Kinder Schäden davon tragen, die sie teilweise ihr ganzes Leben lang behalten. Genauso ist es mit gefühlsmäßig unterernährten Kindern, solche die keine positive Zuwendung bekommen, die als Objekt oder Gegenstand behandelt werden.

Solche, die eine Funktion erfüllen müssen, beispielsweise

  • „das Kind, das die Ehe retten soll“,
  • „der Stammhalter“,
  • „die süße Kleine, zum Knuddeln“,
  • „der Beweis dafür, dass die Ehefrau eine richtige Frau ist und entsprechend Anerkennung bekommt“,
  • „das Alibi, damit die Frau keine Selbstverantwortung übernehmen muss, sondern sich versorgen lässt“,
  • „das Kind als Instrument, um die Frau ans Haus/an den Mann zu fesseln“ usw.

Kinder, die eine solche Funktion ausfüllen müssen, und das sind bis auf Ausnahmen alle in dieser Gesellschaft, fühlen sich – zu Recht – überfordert. Ein Kind will um seiner selbst willen akzeptiert werden.

Sie kauen ihr essen, schaffen es aber nicht, noch mehr zu schlucken. Sie spucken es auch nicht aus, denn ihr Körper hat ja eigentlich Hunger. Sie sind in einem Dilemma.

Bei kleinen Kindern findet sich diese Problematik überwiegend bei Mädchen, aber auch bei Jungen. Später erfahren Jungen mehr und mehr Akzeptanz, so dass sie nicht länger „Schluckprobleme“ haben.

Mädchen erfahren im Allgemeinen während ihres ganzen Lebens keine Akzeptanz als Persönlichkeit, sie müssen weiter Demütigungen und Ungerechtigkeiten in sich hineinfressen – ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ab und zu auszuspeien.

Am deutlichsten wird es, wenn sie in die Pubertät kommen, vorher haben sie noch Illusionen über die Welt, denken alles steht ihnen offen. Jetzt spüren sie mit voller Wucht, was es wirklich bedeutet, ein Mädchen/eine Frau in dieser Gesellschaft zu sein.

  • Ein Sexobjekt.
  • Ein Opfer.
  • Eine Eheprostituierte.
  • Eine Schlechterverdienende.
  • Eine Doppel- oder Dreifachbelastete.
  • Eine Zweitrangige.
  • Eine Putzfrau, Dienerin, Sklavin – mit 75% Rentenanspruch.
  • Eine dreifach belastete Berufsmutter.
  • Eine, die dressiert wurde ihre Kraft aufzugeben.
  • Eine fleißige, nimmermüde Perfektionistin.
  • Eine Mundtotgemachte.
  • Eine Zweitwagenbesitzerin.
  • Eine wunderbare Filmleiche.
  • Eine Frauenhausbewohnerin.
  • Eine fremdbestimmte Gebärmaschine.
  • Eine Männerbewunderin.
  • Eine Vergewaltigte, Geschlagene.

Diese noch so verletzlichen pubertierenden Mädchen bekommen keine Unterstützung. Keinen Trost, keine Liebe, kein Verständnis. Und schon gar nicht von der nächstliegenden Person, ihrer Mutter. Nicht wirklich. Denn die müsste ja ihr eigenes Weltbild in Frage stellen, wenn sie das Dilemma ihrer Tochter erkennen würde. Sie steckt ja selbst im Konflikt.

Wie reagieren Töchter auf diesen ganzen Müll, der hier über sie hereinbricht?

Wie reagiert eine Person mit gesundem Menschenverstand auf eine Situation, die sich nicht zu leben lohnt, keine lebenswerten Aussichten anbietet?

Sie versucht sich umzubringen, bewusst oder unbewusst – das Ergebnis ist das gleiche.

Indem sie die Nahrung verweigert (Magersucht), indem sie Medikamente/Drogen nimmt, indem sie sich leichtfertig in gefährliche Situationen begibt, indem sie sich innerlich abtötet, als roboterhafte, aber gepflegte und vorzeigbare Kreatur dahin vegetiert (solche sehen am normalsten aus…).[4]


Ebook: Ich empfehle euch das Ebook „Am Anfang war die Lust“, das sich mit dem Thema Stillen ausführlich beschäftigt. Allerdings nicht in Bezug auf Nahrung, sondern es geht um die Gefühle des Babys, die Bindung zur Mutter und um stillende Väter!

 

 

 

 


Quellen/Anmerkungen:
  1. Foto-Credit: diepuppenstubensammlerin ↩
  2. Sie dazu auch Der Unterschied zwischen freien und normalen Menschen ↩
  3. Daten aus: Belotti, Elena Gianini: Was geschieht mit kleinen Mädchen?, München,  1975. ↩
  4. Belotti, Elena Gianini: Was geschieht mit kleinen Mädchen?, München, 1975. ↩ ↩
  5. Belotti, Elena Gianini: Was geschieht mit kleinen Mädchen? München,  1975. ↩

12 Kommentare

  • Da ist auf alle Fälle ganz ganz viel dran! Die Ungleichbehandlung ist subtil und wir sind von ihr selber so beeinflusst, dass wir sie im Alltag kaum wahrnehmen. Rosafarbenes fällt nicht auf, wenn wir die Welt durch eine rosa Brille betrachten… Ich nenne das beschriebene Phänomen die Patriarchalen Grundverletzungen (PGV)! Ich schreibe dazu ganz viel in meinem Blog „Matriasys“.
    Liebe Grüße und weiter so!!
    Anatol Stein

  • Andrea

    Hm, ich weiß nicht so recht, ob diese Unterschiede wirklich nur von uns gemacht werden. Ich bin eine emanzipierte Frau und ich habe 2 Söhne und eine Tochter. Ganz sicher habe ich meine Tochter weder bewußt noch unbewußt „schlechter“ behandelt als meine Söhne und ich liebe alle drei Kinder über alles. Was mir aber auch auffällt, ist die frühe Selbständigkeit. Meine Tochter zieht sich schon alleine an, seit sie 2 ist, die Jungs haben sich mit 5 noch anziehen lassen, wobei ich das frühe anziehen nicht gefördert habe, das dauert nämlich oft dreimal solange, als wenn man helfen darf. Meine Tochter war trotz Bemühen Ihrer Brüder nicht für Bob der Baumeister zu begeistern, sie liebt Prinzessinnen und Feen und alles was rosa ist. Und sie spielt Fußball in einer Mannschaft, in der sonst nur Jungs sind, im rosa Trikot 🙂
    Gerade bei der Vorliebe für Rosa und Glitzer – da denke ich mir manchmal, daß die Mädchen nicht darauf getrimmt werden – das Gegenteil ist der Fall – es würde uns allen gut gefallen – nur den Jungs und Erwachsenen wird es nicht (mehr) zugestanden.

  • Monika

    Drr neue Artikel, den ich nur ueberflogen habe, stimmt mich doch eher skeptisch. Meine beiden Kinder (ein Maedchen und ein Buebchen) haben von mir gelernt, dass das Patriarchat eine katastrophale Gesellschaft ist und abgeschafft werden muss. Trotzdem werden unsere Kinder durch andere patriarchale Menschen z.B. in der Schule und Universitaet mit geformt.
    Ich wuensche allen Muettern viel Mut zum Widerspruch. Monika

  • Manuela

    Nach dem Lesen dieses Beitrages fühle ich mich w ü t e n d .

  • Maria Anna

    Also ich kann diesem Artikel auch nicht voll zustimmen. Ich habe 2 Söhne und eine Tochter.
    Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß Jungen und
    Mädchen einfach verschieden sind. Das weiß ich auch von vielen Gesprächen mit anderen Müttern. Mädchen werden z.B. als Baby nicht so viel herumgetragen, weil sie
    länger und besser schlafen, weil sie ruhiger sind. Meine Jungen waren beim
    Stillen immer schneller fertig als meine Tochter. Ich weiß also nicht, ob man das alles so
    pauschalieren kann.
    Es ist mir klar, daß man bei der Erziehung vieles unbewußt macht,
    aber die Unterschiede sind da und ich bin der Meinung , daß man diese nicht gleichmachen soll und kann.

  • Sigi Knappinger

    Das Gleichmachen ist auch ganz schlimm, weil es eben doch Unterschiede gibt!

    • Hannelore Vonier

      Hier ist „gleich“ im Sinne von Gleichstellung gemeint. Dass es Unterschiede gibt wissen wir ja.

  • …. auch ich denke, dass wir in vieler Hinsicht über die (feministischen) Klagen, dass Mädchen und Jungen „ungleich“ behandelt werden, längst hinaus sind. Und mehr denn je hat sich die Geschlechtergleichmacherei als Trugschluss und erneute Falle erwiesen.
    Maiden und Buben kann man weder gleich noch ungleich machen… sie sind sowieso verschieden.
    Jedes Individuum ist ein Unikat und weist mit anderen Mitgliedern seiner Spezies eine unterschiedlich große Schnittmenge an Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten auf. Wir haben als Kind entweder das gleiche Geschlecht wie die Mutter oder der Vater und manchmal sind manche Menschen eine nicht eindeutig zu bestimmende Spielart der Natur. Wir erben die Hautfarbe und vielleicht eine robuste oder zarte Konstitution. Wir haben mit etwas Glück das Lächeln und das Backtalent der Großmutter oder die Augenfarbe und die praktische Art der Mutter geerbt oder die Musikalität des Vaters und mancher Junge später das schüttere Haar des Großvaters. Der Mensch ist (wie jedes andere Lebewesen) innerhalb seiner Art überaus ähnlich und ebenso verschieden und darüber hinaus immer einzigartig.
    Und wenn wir als Mädchen auf die Welt kommen, haben wir ein Recht darauf als ein solches gesehen und entsprechend in die Welt begleitet zu werden. Damit wir immer sein können, was wir sind und eines Tages, gestützt auf unsere Fähigkeiten und Begabungen, unser erwachsenes Leben gestalten. Das Gleiche gilt für Jungs und alle anderen, die ihr Geschlecht anders empfinden.
    Es ist eine Unsitte unserer Zeit das Geschlecht der Kinder ignorieren zu wollen und schon vor fünfzig Jahren war es en vogue den Kindern gleichermaßen Puppen und Autos zum Spielen anzubieten, damit eben dieses krasse Rollentrennung zwischen Frauen und Männer endlich mal ein Ende nimmt. Nach Simone de Beauvoir wussten alle, dass die Frau nicht geboren, sondern (dazu) gemacht wird. Ein Slogan der heute noch in den Köpfen spukt und zu vielen neuen Missverständnissen führt(e). Denn nicht das naturgemäße Geschlecht ist das Problem (was manche bis heute glauben), sondern wir wissen schon längst, dass die männererdachte, aber trotzdem um so intensiver beschworenen „Minderwertigkeit der Frau“ ein gesellschaftliches Ideologiegebilde ist.
    Das biologische Geschlecht ist eine Tatsache. Und ja es gibt deutliche Unterschiede. Mal abgesehen von den äußeren und inneren Primärmerkmalen steuern die Hormone bei Frau und Mann sehr verschiedene körperliche Prozesse und dem ist schon beim Kind Rechnung zu tragen.
    Die Rollenbilder der Geschlechter, auch Gender genannt, sind ein kulturelles Konstrukt und ebnen obendrein die Individualität ein.
    So ist Muttersein eine naturgemäße, biologische Tatsache mit einer immanenten Bedeutung und keine weibliches Opfer an die männliche Herrschaft oder die Strafe eines monotheistischen Gottes oder ähnlicher Unfug. Eltern, ja und auch Mütter, die ihre Bübchen bevorzugt aufziehen, haben den Sinn des Lebens nicht verstanden. Und aus Töchter patriarchatskonforme Weibchen zu „machen“ ist mindestens ein Vergehen gegen die Menschlichkeit.
    Daher hat mir in dem Artikel am besten die Frage gefallen: „Wie reagieren Töchter auf diesen ganzen Müll, der hier über sie hereinbricht?“
    Und in meiner Alltagspraxis als Großmutter von 11 Enkeltöchter frage ich mich das täglich, aber stets auch alle anderen. Langsam sollten sich Eltern, respektive Mütter darüber im klaren sein, dass es nicht egal ist ob ich eine Tochter oder einen Sohn aufziehe und mit gleichmachen kommen wir auf gar keinen Fall weiter. Es gilt die individuelle Persönlichkeit des Kindes anzunehmen und das beinhaltet natürlich auch die Beachtung des Geschlechtes.

  • Erika Evers

    Ich bin Ratlos. Mir ist das Resultat am Ende des Beitrags was uns Frauen erwartet sehr bekannt. Ob das nun mit dem stillen so stimmt oder nicht ist MIR erst einmal egal, weil ICH es nicht verifizieren kann. Meinen Kindern (M und J) habe ich die selbe Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wobei mein Sohn als Frühchen 2 Monate zu früh zur Welt kam und es auch von Anfang an in der Kinderstation hieß, das Jungen schneller krank würden und anfälliger und zerbrechlicher wären als Mädchen. Ich konnte ihn nie stillen, nur abgepumpte Milch zuführen, bis die Milch sehr schnell, im Vergleich zur Tochter, bei mir versiegte.
    Vielleicht resultiert das bevorzugen oder gefühlte „verhätscheln“ von Jungen aus einem intuitiven Gefühl dem schwächer Wirkenden gegenüber.

    Das Ende deines Beitrags ist allerdings verheerend. Ich hab Multiple Sklerose und in der Psychotherapie heißt es:

    „- Die MS als Waffe im Konflikt mit dem Partner und zur Abgrenzung und Leistungsverweigerung in der Familie-

    Dies bezieht sich auf Forderungen nach Dienstleistungen in der Familie oder auf emotionale und sexuelle Forderungen des Mannes. Auch wird die MS als Schutz gegen eine unerwünschte Erwerbstätigkeit bei Knappheit der materiellen Ressourcen eingesetzt.
    So ist die MS ein Schutz für die Frau, nicht als Dienstmagd oder Sexualobjekt missbraucht zu werden.“

    Also, das Ergebnis deines Beitrags ist mir sehr gut bekannt. Nach 20 Jahren Ehe trenne ich mich nun zum 5. mal von meinem Mann. Ich habe mich in einen anderen verliebt, der allerdings ein Alkoholiker ist. Wir werden demzufolge nie zusammenkommen. Somit komme ich zum männlichen Dilemma. Mein Vater ist ein Alkoholiker, der Vater meines Mannes ist am Alkoholismus gestorben als mein Mann 8 Jahre alt war. Ich hab mal den Suchbegriff „Wein“ eingegeben weil ich nach einem Zitat von Göthe gesucht habe. Ich habs nicht gefunden, weil es so unglaublich viele davon gibt, in denen die Männer ihre Liebe dem Wein/Alkohol gegenüber ausdrücken. Und egal mit wem ich noch zusammenkomme, das Problem ist ein globales und ich kann dem nicht entkommen. Eigentlich bin ich Ratlos beim benennen des Problems, ich kenne nur die Symptome. Dem zufolge bin ich Ratlos bei der Lösungsfokussierung.
    Die Meme werden unermüdlich weitergegeben. Was Meme sind kann ein Andre Stern: Leben und lernen aus Begeisterung besser erklären. Kurz aus Wiki zitiert: „Ein Mem wird geboren, wenn das menschliche Nervensystem auf eine Erfahrung reagiert.“

    Alkoholismus ist kein Unterschichtenproblem. Ich stamme aus einer reinen Ärztefamilie. Wieviele Chirurgen, Piloten etc. volltrunken ihrer Arbeit nachgehen, darüber gibt es ja nun auch Filme.

    Ansonsten, wie immer sehr gute Arbeit, Hannelore. Vielen Dank dafür!
    Erika

  • Elisa

    Das eine Ungleichheit da ist, sehe ich jeden Tag. Darüber brauchen wir nicht diskutieren. Das Thema ist interessant und noch lange nicht am Ende……
    Aber die Aussage über den plötzlichen Kindstot, würden Sie den Betroffenen Eltern ins Gesicht sagen? Es gibt medizinisch viele Möglichkeiten, die dafür in Betracht kommen, würden Sie die alle auf den emotionalen Nenner herunterbrechen wollen? Das wäre offen gestanden, Ideologie oder so eine eingeschränkt die Sichtweisen, unglaublich.

    • Hannelore Vonier

      Danke, Elisa, für deinen Kommentar! Der Tod eines Kindes kann zig verschiedene Ursachen haben. FALLS es sich aber um den sogenannten „plötzlichen Kindstod“ handelt, sind die Ursachen klar. Es gibt dazu (leider) Versuche und Studien. Im oben genannten Ebook „Am Anfang war die Lust“ wird eine dieser Studien beschrieben.

      Betroffene Eltern aufzukären, macht m.E. keinen Sinn, denn sie können selten verstehen, dass sie emotional kontaktunfähig sind. Für Außenstehende ist das kaum zu erkennen, viele solcher Eltern wuseln um ihr Baby herum, wie andere auch. Aber es entsteht halt kein innerer energetischer Kontakt. (Def. nach W. Reich: Kontakt = Die Wahrnehmung einer Empfindung, hervorgerufen durch eine Energiebewegung oberhalb eines gewissen Mindestniveaus plus Erregung.)

      Im Beitrag Die Krankheit des konkurrierenden Vergleichs habe ich Kontaktlosigkeit (in anderem Zusammenhang) kurz angerissen.

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