Bibelübersetzung zum Mitmachen: Volxbibel

by Hannelore Vonier on 12. Okt 2008 · 4 comments

Die Bibel gehört ganz klar zu meinen Lieblingsbüchern. Da ist das Patriarchat so ausführlich beschrieben, dass man gar nichts ans Ende kommt.

Nachdem die Bibel in gerechte Sprache übersetzt wurde, wird sie nun vom Volk bearbeitet.[via andrea me]

Die Volxbibel ist die erste Bibelübersetzung der Welt, an der jeder Mensch über das Internet mitgestalten und formulieren kann. Dies wird über das Volxbibel Wiki möglich, das unter einer Open Source Creativ Commens Lizenz im Netz steht. Das  Volxbibel-Blog hat gerade die Version 3.0 angekündigt.

Ich habe mir die Genesis angeschaut: echt cool! Da steht nämlich in 1. Mose, 4 “Gott fand das Licht total cool!” (Für Interessierte aufschlussreich: die Diskussionsseiten zu den Artikeln.) Die Sprache ist teilweise amüsant – Jugendjargon – und gut verständlich; das macht das Buch der Bücher außerordentlich beliebt.

Wenn man weiß, dass hinter der ganzen göttlichen Schöpferei ein Vulkanausbruch zu finden ist, liest sich dieser Teil der Volxversion wie ein gut formulierter Wetterbericht.

Blog Widget by LinkWithin

{ 4 comments… read them below or add one }

1 Nelly 13. Okt 2008 um 03:26

Der Bibelübersetzer, der im 9.Jh. den altsächsischen Heliand schrieb, war wirklich nicht zu beneiden. Zu der Zeit fehlte das Passiv in der deutschen Sprache.Hier eine Kostprobe:
Der `Weisbote´ Gabriel suchte die weise “idis” (Freifrau) auf der “Nazarethburg” auf und verkündete der “magad”: “In dich soll der `helag gest´ von des Himmels Au kommen, dass ein Kind dir geboren wird.” Darauf die Freifrau, die nach damaliger Vorstellung nicht zugleich ein unfreies Mädchen sein konnte: “Dann bin ich willig zu solchem Dienstgeschäft…”

Antworten

2 Hannelore 13. Okt 2008 um 14:28

Nelly, herzlichen Dank für die Info!!
Vielleicht ist dir selbst nicht bewusst, was du da über die Ausbreitung des Patriarchats aussagst.

Denn: wenn es kein sprachliches Passiv gab, gab es auch keine “passiven” Menschen. Also jedeR hat teilgenommen als aktives, handelndes Wesen. Kinder mussten nicht passiv zuhören (Lehrer), Frauen mussten nicht passiv wartend zu Hause auf einen freier warten, etc.

Das muss in etwa die Zeit gewesen sein, als römische Missionare das Christentum im Norden einführten und das Wort “Gott” bzw. die damalige Entsprechung god, gud mit dem christlichen Ideengut füllten.

Ich wusste das mit dem Passiv nicht, kannst du uns Quellen nennen?

Antworten

3 Nelly 14. Okt 2008 um 02:01

@Hannelore
Liebe Hannelore,
in: Deutsche Sprachgeschichte I, Das Althochdeutsche,
erläutert Hans Eggers u.a.die fehlerhafte Übersetzung des Vaterunsers. Dabei ist die Wiedergabe des lateinischen Passivs `geheiligt werde´misslungen und im Aktiv `heilige deinen Namen´geworden.
Eggers:”Hier handelt es sich um die erst im Entstehen begriffene Bildung eines deutschen Passivs.” (S.196)
Natürlich ist mir bewusst, was das bedeutet.

Antworten

4 Hannelore 14. Okt 2008 um 15:20

Danke Nelly, ich habe das Buch für 3$ im Online-Versand gefunden und bestellt. Jetzt muss ich nur noch warten… freu mich schon :-)

Die halbe Nacht ist mir “das Passiv” durch den Kopf gegangen. Es macht nicht nur manche Leute zu passiven Menschen, sondern es ermöglicht überhaupt erst Untertanen (Befehlsempfänger, Ausführende, Abhängige, Sklaven.)

Das ist der Gegensatz zu den Mayasprachen, die keine Objekte kennen. (vgl. Wie angeborener Individualismus von den Mühlen des Patriarchats zu Mainstream zermalmt wird)

Antworten

Leave a Comment

So fügst du einen Link in deinen Kommentar ein:
<a href="http://www.DeinLink.de">Texthier</a>


Previous post:

Next post: