Warum unsere Kinder Tyrannen werden



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Aus dem gleichen Grund, warum die Kinder unserer Eltern Tyrannen wurden…
Unser Sohn (5) kaut ständig an den Nägeln. Wir haben Nagellack probiert, mit ihm geredet – aber alles vergeblich. Was tun?
Dr. Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater:
“Sie sollten es ihm einmal klar verbieten und seine Nägel vorsorglich
kurz schneiden. Wenn er es trotzdem weiter tut, immer den Fernseher
ausschalten oder das Vorlesen unterbrechen, bis er aufhört.”
So der “Experte”.
Kritik dazu auf KiFaSchule, mit nützlichen Links.
Mutter foltert Teenager

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7 Kommentare zu "Warum unsere Kinder Tyrannen werden"

#1 Ursula Identicon Icon Ursula am 18.05.08 um 00:58

Mir ist jetzt schlecht, richtig schlecht und ich fühle mich hilflos wie als Kind und auch später noch als Erwachsene. Wenn ich spüren konnte, das stimmt so nicht. Mein Bauch (mein Inneres-Kind) rebelliert gerade.
Bauchgefühle sind wie Alarmanlagen, die da melden: Alarm, Alarm, bitte unbedingt überprüfen, mit dem Blick eines eigenständigen denkenden Erwachsenen, der bereit ist unsere Kinder als gleichwertig und unser aller Zukunft zu sehen.
 

#2 richard Identicon Icon richard am 18.05.08 um 16:36

Und täglich inhalieren sie gierig ihre Portion BILD!

#3 Jobst Identicon Icon Jobst am 10.06.08 um 15:08

Bei Winterhoff bekomme ich auch Bauchschmerzen. Und besonders bei den Reaktionen auf seine Thesen. Wie er hochgelobt wird, alle haben sie auf ihn gewartet . Endlich ein Experte, der dem Kinderhass eine theoretische Grundlage gibt. Mit Hurra zurück zu Herrschaft und Doppelmoral.

Na ja, der größte Haufen … wird von den meisten Fliegen umschwärmt.

#4 Christian Identicon Icon Christian am 12.06.08 um 10:17

Ja, das Erschreckende ist, dass diese Ratschläge so begierig aufgenommen werden. Es kommt mir auch so vor, als wenn das für viele Erwachsene wohl eine große Erleichterung ist zu lesen, dass man ruhig aufhören solle, sein Kind zu verstehen und mit ihm respektvoll zu kommunizieren.

Die “Bild” ist nur ein Beispiel für eine Scheinheiligkeit, die den Boden für Kindesmisshandlungen und Demütigungen mit diesen Experten-Ratschlägen ebnet und gleichzeitig, wenn wieder ermordete Kleinkinder gefunden werden, Fassungslosigkeit zur Schau stellt.

Wenn Herr Winterhoff sich einmal Gedanken machen würde, warum den ein Kind an den Nägeln kaut und welche Not sich dahinter verbirgt, dann könnter er vielleicht sehen (wenn er denn noch was merkt), dass seine Ratschläge  grausam, voller Gewalt und  schädlich für die Entwicklung eines Menschen sind. Vielleicht könnte er dann auch sehen, warum denn Eltern das Bedürfniss haben (unter dem Vorwand dem Kind Wohltaten zu erbringen) Kinder zu tyranisieren. Die Wahrheit ist doch die, dass Millionen Kinder täglich unter der Tyrannei der Eltern und deren Blindheit gegenüber den kindlichen Bedürfnissen leiden. Kinder die so “erzogen” werden wie Herr Winterhoff sich das wünscht, lernen nicht Achtung vor anderen Menschen, sondern Gewalt gegenüber dem Schwächeren, sie bezahlen häufig diese angeblichen Wohltaten mit psychosomatischen und seelischen Erkrankungen und werden ihre Kinder oft genauso wenig respektieren können, wie sie selber von ihren Eltern nicht respektiert wurden.

#5 Johannes Identicon Icon Johannes am 21.06.08 um 14:09

Winterhoff macht auf populistische Weise klar, was Pädagogen schon seit Jahren sehen!  Eine Gegenargumentation  (s. Vorredner!!) ist genauso populistisch!!!
Vielleicht sollte man sich einfach mal besinnen und gemeinsam nach Lösungen für die Defizite unserer Kinder suchen, die es unbestreitbar und MASSIV gibt!?

#6 Hannelore Identicon Icon Hannelore am 21.06.08 um 14:39

@ Johannes:

Ein Blick über den Zaun in andere Kulturen kann hilfreich sein. Der englische Theologe Verrier Elwin, der einen Teil seines Lebens bei den Murias (Indien) verbracht hat, schrieb: “Während ich das freie glückliche Leben der Murias teilte, fragte ich mich oft, ob ich unserer Zeit um Jahrtausende hinterher oder um Jahrhunderte voraus war. Ich schlage nicht vor, dass wir unsere Mittelschulen in Ghotuls (Häuser, in denen die Kinder unter sich leben) umwandeln sollten. Aber ich würde gerne hervorheben, dass es im Leben und Lernen des Ghotuls Elemente gibt, die wir aufmerksam studieren sollten, und dass es einigen von uns nicht schaden könnte vom Geist der Murias angesteckt zu werden.”
Bei den Trobriandern (Pazifik) wurden diese Kinderhäuser (bukumatulas) von Malinowski vor bereits über 100 Jahren erforscht.
Info: Kinder sind nicht asexuell - das Leben im Ghotul bei den Muria in Indien

#7 Andy Identicon Icon Andy am 23.06.08 um 20:38

Die Defizite der Eltern werden zwangsläufig die der Kinder. Was viele vergessen ist, dass sie ihr Kind auch als solches sehen sollten. Erziehungspläne aus einem Buch zu kopieren ist ebenso widersinnig, wie dem Kind die sogenannte antiautoritäre Erziehung teilwerden zu lassen. Ein Kind ist ein Mensch. Es bedarf der Führung ebenso, wie der Freiheit zu Selbstentfaltung. Doch was will man erwarten, wen Moral und Anstand ebenso zu Fremdworten verkommen sind, wie Freiheit und Menschlichkeit. Der Mensch, ob Kind oder Elternteil ist ein Individuum und sollte auch als solches gesehen werden.

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