Was ist ein Blog?

Blogging - BlogEs ist noch nicht lange her, als im 20. Jahrhundert die Nachrichten durch die Medien definiert wurden. Firmen vermarkteten ihre Produkte. Verleger publizierten Bücher. Plattenfirmen produzierten CDs. Und dein Job war es das hinzunehmen und damit zurechtzukommen und zufrieden damit zu sein; du warst ein kleines Endstück in den Macht-Ketten anderer. Gefielen dir die Abend-Nachrichten nicht, dann konntest du auf einen anderen Kanal umzuschalten: mit einem anderen Quasselkopf. Vielleicht hattest du 200 Mark für etwas bezahlt, das 2 Tage später kaputt ging – also hast du ein anderes Produkt gekauft. Unzufrieden mit der Art der Berichterstattung in der Presse? Schreib einen Leserbrief…Das war damals. Jetzt ist jetzt.

Heute werden Nachrichten von Bloggern übermittelt. Und Reporter und Herausgeber haben alle Hände voll zu tun, wenn sie hinterher hecheln und über Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Unterhaltung berichten. Wenn du heutzutage etwas kaufst, dabei übers Ohr gehauen wirst, und es geht in innerhalb einer Woche kaputt, dann bloggst du darüber und die ganze Welt kann es zur Kenntnis nehmen! Wenn du heutzutage über deinen Berufszweig informiert sein willst, dann musst du nicht warten, bis eine Fachzeitschrift oder ein Buch dazu erscheint – du kannst direkt zu den entsprechenden Leuten gehen und deren Blogs lesen.

Was also ist bloggen?

Für viele entwickelt sich bloggen zu einem Weg ihren (Online)Freundeskreis, ihren Kunden-, Kollegen- und Bekanntenkreis zu definieren, zu pflegen und zu vergrößern. Dein persönlicher, professioneller oder Geschäftsblog schafft eine Verbindung mit den Leuten, denen die gleichen Dinge wichtig sind wie dir. Die gleichen Interessen, Sorgen und Hoffnungen.

Als damals im 20. Jh. das Internet raketenschnell vom akademischen Bereich in ein Instrument für jeden übersprang, hielt man Suchmaschinen wie Google für eine vorübergehende Mode. Heute ist Google & Co. nicht mehr wegzudenken. Und genauso ist es mit Blogs. Sie verschwinden nicht wieder, im Gegenteil. Auch wenn es in den deutschen Ländern etwas langsamer geht als in den angelsächsischen. Blogs sind das neue Normale.

Der Unterschied zwischen einem Blog und einem Forum

Hier ist eine kleine Liste:

  • Ein Blog beginnt mit einem Artikel, der vom Blogbesitzer geschrieben wurde und darunter können die BesucherInnen Kommentare dazu hinterlassen.
  • Ein Diskussionsforum beginnt mit einem Artikel, den irgendwer schreibt und andere Forenmitglieder antworten.
  • Ein Blog kann eine Kommunikation „eine Person mit vielen“ sein.
  • Postings in Diskussionssträngen („Threads“) beziehen sich häufig auf vorherige Diskussionsbeiträge anderer.
  • In einem Forum kann jeder ein neues Thema beginnen.
  • Auf einem Blog kannst du nur zu existierenden Artikeln kommentieren.
  • Ein Forum lässt sich in Themen und Unterthemen gliedern.
  • Ein Blog ist wie ein Journal und eine Presse-Mitteilung in einem.
  • Ein Blog hat eine oder mehrere besondere Persönlichkeiten als „Herzstück“, die ihren richtigen Namen verwenden, also nicht anonym sind.
  • Forenmitglieder haben einen Avatar (ein kleines Symbol) und schreiben überwiegend unter einem Pseudonym.
  • Forumsoftware ist dazu entworfen, andere Posts zu zitieren und darauf innerhalb des Threads Bezug zu nehmen.
  • Blogsoftware ist dazu entworfen, blogübergreifend andere Artikel zu zitieren und darauf im eigenen Blog Bezug zu nehmen. Die Trackbackfunktion vernetzt beides, damit die LeserInnen der Diskussion mühelos folgen können.

Trackback

Die Grafik stellt einen Ausschnitt aus diesem Kommentarbereich dar. Die Texte von Günter und Stefan sind normale Kommentare, dazwischen ist ein Trackback zu sehen. Ines vom Sprachblog ib-Klartext.de hat auf ihrem Blog über meinen Artikel geschrieben und darauf verlinkt, ein Ausschnitt von Ines‘ Text ist hier zu sehen. Die Klammer-Punkte-Verbindung […] rahmt den Trackback-Text ein. Wenn Ines auf ihrem Blog die Trackback-Funktion aktiviert hat, müsste nun umgekehrt ein kleiner Textausschnitt von diesem Absatz bei ihr erscheinen, weil ich zu ihr verlinkt habe.

(Auf seinem Blog erklärt Michael Wöhrer „Was ist ein Trackback“ so verständlich – und humorvoll, dass es jedeR versteht.)

Wissen, mit wem man es zu tun hat

Ich glaube, dass das Wichtigste – und das ist entscheidend, warum Blogs von so großer Bedeutung sind – ist, dass es bei einem Blog um eine Person und deren Identität geht. Der Grund, warum in so vielen Foren die Konversationen scheitern, liegt an der Anonymität. Du hast das Gefühl, wer am lautesten schreit bekommt die meiste Aufmerksamkeit.

Aber wenn eine Identität eingefordert wird, sozusagen ein Status, wer du eigentlich bist, dann kristallisiert sich ziemlich schnell der kleinste gemeinsame Nenner heraus. Was zur Folge hat, dass die Leute, mit denen du keinen Dialog willst, wegbleiben – falls sie überhaupt auftauchen. Das heißt: niemand muss einen faulen Kompromiss schließen, wenn es zu Zeit und Aufmerksamkeit kommt, die du erhältst und gibst.

Foren erfüllen für bestimmte Problemlösungen sicher ihren Zweck, im technischen Bereich etwa oder für geschlossene Gruppen. Aber sie sind Web 1.0-Technologie, wo Selbstdarsteller, Zeitdiebe, Rechthaber und Worthülsenproduzenten die anderen leicht dominieren können. Deshalb werden Foren zugunsten von Blogs mehr und mehr aufgegeben, weil sie strikte Moderation verlangen (=zeit- und nervenaufwändig) und weil ihnen das Gespür für die Zuständigkeit der dahinter stehenden Persönlichkeit fehlt: Die Präsenz der Bloggerin, die Identität des Bloggers.

Die Konsequenzen für unser Leben: Wir spinnen ein großes Netz

Trackback, Blogroll und RSS

Ich stelle mir einen Blog bildlich wie einen amerikanischen Quilt vor, an dem viele nähen. Alle tragen zum gleichen Motiv/Thema bei, variieren auf ihre Weise (beim Blog durch neue Aspekte im Kommentar), ergänzen aber das Gesamtkonzept und bereichern es damit.

Ich kann also sagen: Ich will nur bestimmte Leute auf meinem Blog. Schließt das die anderen aus?

Keineswegs! Wie schon bei der Trackback-Funktion oben angedeutet, lassen sich Blogs, dank der so konzipierten Software, hervorragend vernetzten. Ines bloggt auf ihrem Sprachblog grundsätzlich über ein ganz anderes Gebiet als ich auf Rette sich wer kann! Aber bei dem einen Artikel überschneiden sich unsere Themen. Vernetzbar.

Dann gibt es Blogs, die auch in irgendeiner Weise gesellschaftskritisch sind wie meiner, aber doch das Thema anders angehen. Du findest sie in der Blogroll. (Roll, engl. heißt „lange Liste“, wie eine aufgerollte Papierliste; eine solche Blog“Liste“ enthält keine Links zu Websites, sondern nur zu Blogs.) Blogs, deren Themen verwandt sind: Vernetzbar.

Vernetzung

Die LeserInnen können sich über die Trackbacks und die Blogroll thematisch entlang hangeln.

Gute Blogs bleiben konsequent am Thema. Der Fachausdruck lautet „der Blog bedient eine Nische“. Je enger die Nische gefasst ist, desto besser können sich Gleichgesinnte finden, daraus folgen weniger Konkurrenz und mehr Ergänzung mit anderen Blogs. Und desto erfolgreicher ist daher der Blog.

Finden! Ein weiterer wichtiger Aspekt des unvorstellbar großen Internets.

Und hier kommt eine mächtige Funktion ins Spiel: RSS (hier steht, was RSS ist). Einmal abgesehen von den Suchmaschinen, werden Blogs und Blogbeiträge am besten im Dunstkreis des Autors bzw. der Autorin gefunden. Das sind z.B. meine anderen Websites, Blogs (wie etwa der Mikro-Blogging-Dienst twitter.com) und die sozialen Medien, wie social bookmarking (z.B. Mr.Wong), social news (wie yigg.de) oder Profilseiten in social networks (wie facebook.com, MyBlogLog.com). Bei sozialen Diensten registriert man sich kostenlos, füllt ein Profil aus und hat auf diese Weise verschiedene „Visitenkarten“ im Netz, zu denen man neue Bekanntschaften schicken kann, damit sie sich ein Bild machen können, mit wem sie es zu tun haben. Und man kann bei einigen dieser Services per RSS die eigenen Blogbeiträge in die Profilseite einbinden.

Dadurch entsteht ein sogenannter viraler Prozess. Viral deshalb, weil es ein Phänomen ist, dass sich ausbreitet wie ein Virus. Ein Beispiel von vielen, wo dank RSS meine Blogbeiträge sofort nach Erscheinen aufgelistet werden: meine Website www.hannelore.org. Es gibt auch Leute, die mein Blog als Ganzes spiegeln.

Fassen wir zusammen:

Durch Blogs verändert sich die Gesellschaft, weil Individuen – trotz großer räumlicher Distanz –

  • aus ihrer Anonymität heraus treten → ihre Identität offenbaren,
  • sich auf Gleichgesinnte konzentrieren → ihre Energie und Zeit bündeln
  • und virale Prozesse anstoßen → tatsächlich etwas bewegen

Nicht zu vergessen, dass alle* daran teilnehmen können!

~

* Ich habe kürzlich das Blog eines Obdachlosen gelesen, und in Dritte-Welt-Länder werden massenweise einfache Desktop-Computer und Mini-Notebooks mit Internet-Anschluss geschickt. Ein trackback-fähiges Blog ist bei www.wordpress.com in 5 Minuten eingerichtet, kostenlos. Du hast also keine Ausrede.

~

Welche konkreten Auswirkungen könnten Blogs in Zukunft auf dich haben? Hast du eigene Erfahrungen? Teile sie uns im Kommentarbereich mit.

12 Kommentare

  • Günter König

    Ich finde Blog eine sehr, sehr nützliche Sache. Ich muß nur noch lernen, richtig damit umzugehen. Ich werde also http://www.wordpress.com kontaktieren.

  • Günter König

    Ich finde Blog eine sehr, sehr nützliche Sache. Ich muß nur noch lernen, richtig damit umzugehen. Ich werde also http://www.wordpress.com kontaktieren.

  • Günter König

    Ich finde Blog eine sehr, sehr nützliche Sache. Ich muß nur noch lernen, richtig damit umzugehen. Ich werde also http://www.wordpress.com kontaktieren.

  • Blogs sind schon eine tolle Sache und auch kaum noch wegzudenken in der heutigen Zeit des Internets.

  • Blogs sind schon eine tolle Sache und auch kaum noch wegzudenken in der heutigen Zeit des Internets.

  • Blogs sind schon eine tolle Sache und auch kaum noch wegzudenken in der heutigen Zeit des Internets.

  • Endlich blogen, frei sich äußern, Werte, Wörter austauschen mit Respekt den Bedarf sich mitzuteilen, jenseits des Leserbriefes, Raum und Zeit geben. Danke!

  • Endlich blogen, frei sich äußern, Werte, Wörter austauschen mit Respekt den Bedarf sich mitzuteilen, jenseits des Leserbriefes, Raum und Zeit geben. Danke!

  • Endlich blogen, frei sich äußern, Werte, Wörter austauschen mit Respekt den Bedarf sich mitzuteilen, jenseits des Leserbriefes, Raum und Zeit geben. Danke!

  • ana

    mir ist es beinahe ein tägliches bedürfnis zu bloggen, schon seit längerer zeit. es gab einen richter, der es mir verbieten wollte, bei androhung einer strafe von 25.000,00 euro…..obwohl ich ausschliesslich über meine erfahrungen schrieb/schreibe…..
    fg. a.

  • ana

    mir ist es beinahe ein tägliches bedürfnis zu bloggen, schon seit längerer zeit. es gab einen richter, der es mir verbieten wollte, bei androhung einer strafe von 25.000,00 euro…..obwohl ich ausschliesslich über meine erfahrungen schrieb/schreibe…..
    fg. a.

  • ana

    mir ist es beinahe ein tägliches bedürfnis zu bloggen, schon seit längerer zeit. es gab einen richter, der es mir verbieten wollte, bei androhung einer strafe von 25.000,00 euro…..obwohl ich ausschliesslich über meine erfahrungen schrieb/schreibe…..
    fg. a.

Schreibe einen Kommentar

draw-freehand.png

Diese Art von Kommentaren lieben unsere Leser/innen:

- in denen du deine Erfahrungen weiter gibst,
- den Beitrag um weitere Informationen ergänzt
- und Lesern des Artikels mit deinem Kommentar einen „Mehrwert“ schenkst.

Gelöscht werden Kommentare,

- die sich nicht auf diesen Artikel beziehen.
 
You have to agree to the comment policy.