Vor einiger Zeit habe ich an alternative Gemeinschaften eine Reihe von Fragen geschickt, deren Antworten ich hier nun vorstelle. Den Anfang macht das Ökodorf Sieben Linden, D-38486 Poppau.
1. Stellt euch bitte den Blog-LeserInnen vor; wer ihr seid, wo
ihr lebt, wie viele, seit wann es euch gibt.
Das Ökodorf Sieben Linden ist eine Initiative, die dabei ist ein sozial-ökologisches Dorf für 200 – 300 Menschen aufzubauen, in dem möglichst alle Bereiche sozial und ökologisch sinnvoll organisiert sind.
Seit 1997 wird dieses Dorf in der Altmark (nördliches Sachsen-Anhalt) aufgebaut und jetzt leben dort ca. 110 Menschen: 80 Erwachsene zwischen 18 und 87, und 30 Kinder zwischen 0 und 12 Jahren alt.
2. Was wollt ihr anders machen, als “traditionelle” Menschen? Was sind eure Absichten und Ziele? Inwieweit setzt ihr sie um?
Um unsere Ziele von sozialer und ökologischer Verträglichkeit zu erreichen, haben wir u.a. folgendes realisiert:
- Ökologischer Gartenbau auf derzeit ca. 2 Hektar Land
- Bauen in hohem Ökologischen Standard, meist Strohballenhäuser
- Bauen mit regionalen Materialien: regionalem Holz, regionalem, Lehm, strohballen etc. und hohem Wärmedämmstandard
- Solaranlagen, Komposttoiletten, Holzheizung, Verwendung von Recycling-Materialien
- Heizen mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft
- Photovoltaik-Anlagen, die im Jahresschnitt mehr Strom produzieren als wir verbrauchen
- gemeinsamen Haushaltskasse für 100% Bio-Ernährung, viel Regionales, wenig tierische Produkte
- eigener Waldkindergarten
- wir widmen dem zwischenmenschlichen viel Raum, mit Forum, Intensivzeiten, Aufstellungsarbeit, Gewaltfreier Kommunikation, mediierten Gesprächen bei Konflikten, etc.
- Lohnzahlung weniger abhängig von Ausbildung als von Bedürfnissen (Kinder, etc.)
- Kinder werden in der Haushaltskasse von allen getragen
- Wir bemühen uns um Unterstützung von arbeitslosen Gemeinschaftsmitgliedern durch Coaching für Existenzgründungen oder die Schaffung von Stellen für sie
- wir schaffen möglichst geschlossene Kreisläufe innerhalb des Dorfes
- u.v.m.
Das Brunnenwiesenhaus, gebaut wie eine Spirale, mit warmem Kern
3. Habt ihr einen bestimmten politischen Background? Gibt es Vorbilder, Modelle?
Wir sind eher ökologisch-links gerichtet, aber es gibt keinen wirklichen gemeinsamen politischen Background, genauso wenig wie einen klaren gemeinsamen spirituellen Background.
4. Gibt es patriarchale Symptome, die ihr zu vermeiden sucht?
Wir freuen uns über Frauen auf dem Bau und Männer in der Küche. Trotzdem sind mehr Frauen in der Küche und mehr Männer auf dem Bau. Wir haben immerhin einen Erzieher im Waldkindergarten und einen alleinerziehenden Vater auf dem Platz (wenn auch die alleinerziehenden Mütter in der Überzahl sind).
Wir haben überproportional viele Frauen in Führungspositionen. Eine Gruppe Ethnologie-Studenten, die uns mal beim Plenum beobachtet hat, empfand uns als ziemlich matriarchal, da die Frauen hier sehr stark auftreten.
5. Habt ihr Gemeinsamkeiten im spirituellen Bereich?
Keine gemeinsame Ausrichtung, aber gemeinsame Offenheit für selbst erschaffene Rituale, den Wert der Stille, gemeinsames Singen, etc. Die Lebenseinstellung, dass alles, was mir begegnet, einen Sinn für mich macht, dass ich immer auf meiner Seite gucken muss, was ich verändern kann und nicht erwarten kann, dass sich das Gegenüber ändert, ist in Sieben Linden sehr verbreitet.
6. Wie ist euer Umgang mit Geld und Besitz geregelt? (Schwierigkeiten?)
Genossenschaftlicher Grund- und Hausbesitz, eigene Verantwortung für das Einkommen mit all seinen Schwierigkeiten, gemeinsame Haushaltskasse von ca. 80% der BewohnerInnen, Versuch eines einheitlichen Lohnsystems, das aber nicht konsequent durchgehalten wird.
7. Wie ist die Verteilung und der Umgang innerhalb der Generationen – Kinder, Erwachsene, Alte? Gibt es da Besonderheiten, Nachteile, Vorteile, Schwierigkeiten?
Eine Lücke gibt es noch bei den eigenen Jugendlichen – Kids bis 12, dann kommen die von außen zu uns gekommenen Praktikanten ab 18 Jahren. Sonst sind alle Altersgruppen bis 87 vertreten und wir fühlen uns sehr wohl in dieserm Zusammenhang. Unseren ersten Pflegefall haben wir jetzt auch, das läuft sehr gut. In dieser Woche zieht der erste (geistig) behinderte Mitbewohner ein, der hier von der Gemeinschaft integriert wird.

8. Welche internen Probleme tauchen auf und wie geht ihr damit um? (Beispiele?)
Wir versuchen allen Seiten Raum zu geben um zu einer guten gemeinsamen Lösung zu gelangen. Ansonsten ist das Thema zu komplex, um es hier wirklich darzustellen. Dazu muss man uns kennen lernen.
9. Wie ist der Kontakt mit Behörden, konventionellen Nachbarn, außerhalb lebenden Familienangehörigen und anderen Außenstehenden?
Im großen Ganzen gut.
10. Arbeitet ihr mit Alternativen zusammen? In der Region, überregional, international? Seid ihr mit anderen Projekten/Gemeinschaften vernetzt?
Ja, insbesondere überregional. In der Region sind wir zwar auch in einigen Initiativen (Regionalverein Altmark, Anti-Gentechnik-Initiative, Politische Vereine), aber das ist noch ausbaufähig.
11. Seid ihr an neuen Mitgliedern interessiert und wenn ja, was muss eine Person mitbringen? (ideell, materiell, Fähigkeiten)
Wir sind an Neuen interessiert. Es muss Interesse an einem ökologischen Lebensstil vorhanden sein, Auseinandersetzungsbereitschaft, eine Idee, wovon man hier leben will, Geld für Genossenschaftsanteile (mind. 11.000 Euro, gerne mehr!), wir suchen insbesondere noch Bau-Experten, Gästehausbetreiber, Verwaltungs-Mitarbeiter und Land- und Forstwirte.
Der Badeteich, zugleich Biotop und Löschteich. Dahinter das Regionalzentrum
12. Habt ihr ein Besucherangebot? Tag der offenen Tür, Probe-Mitleben, Seminare, Vorträge?
Ja, siehe Seminarprogramm. Von der Kostenlosen Führung fast jeden ersten Sonntag im Monat bis zum 4-wöchigen Kurs über Gemeinschaftsleben gibt es alles. Möglichkeiten zum Mitbauen und Mitarbeiten auch.
13. Wie kann man Kontakt aufnehmen? (Website, Blog?)
Webseite: www.siebenlinden.de
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