Gemeinsamkeit Web 2.0 und Matriarchat: Teilen

von Hannelore Vonier

Vorgeplänkel

Kürzlich teilte mir René Vögtli mit, er hätte auf seinem Blog über “Polyandrie” geschrieben und auf meinen Artikel zu dem Thema “indirekt” hingewiesen:

Habe in meinem letzten Blogeintrag (http://reiki-international.ch/blog/lesen.php?nr=51) nicht direkt darauf verwiesen, der Leser soll die Quelle selber wählen, hoffe aber, dass sie auf Sie stossen.

Weil ich denke, dass im deutschen Internet sehr wenige mit der Technologie des Web 2.0 vertraut sind, zu der auch eine bestimmte Form der Verlinkung gehört, sie andererseits aber benutzen (z.B. Blog, Wiki) wiederhole ich hier, was ich René geantwortet habe:

Wenn Sie im Internet nicht direkt auf etwas verweisen, kann es nicht gefunden werden. Dass meine Homepage gerade momentan unter dem Stichwort “Polyandrie” soweit oben bei Google in der Liste steht ist schön für mich, kann sich aber schlagartig ändern, wenn andere Seiten mit dem gleichen Thema von Google indexiert und als wichtiger befunden werden.Außerdem steht die Wikipedia bei so ziemlich jedem Suchbegriff an allererster Stelle und die Mehrzahl klickt der Einfachheit halber zuerst da drauf. Die Wikipedia – im Grunde sehr hilfreich – ist eine patriarchale Enzyklopädie.

Lösungsorientiert und sozial im Sinne vom Web 2.0 wäre Folgendes:

Sie setzen einen Link direkt auf die Einzelseite des Artikels und schreiben in den Linktext (sog. “Ankertext”) das Stichwort, von dem Ihr eigener Text handelt und worüber es auch im Fremdtext geht.

Beide Texte sind durch das Keywort im Link so miteinander verknüpft, dass sich aus der Sicht einer Suchmaschine und der Webmaster eine Win-Win-Situation ergibt.

Suchmaschinen-Robots hangeln sich von Website zu Website über die Links, und Links werden als wichtig gewertet, etwa so wie Fettschrift oder eine Überschrift.

Alles was beim Durchhangeln gefunden wird, kommt in die Suchmaschine. Eine Seite, die mit keiner einzigen anderen Seite verlinkt ist, ist über die Suchmaschinen gar nicht zu finden.
D.h. Wer nicht in der Suchmaschine gelistet ist, ist sozusagen nicht im Internet.

Sie würden also Ihrem und meinem Suchmaschinen-Ranking einen Schubs nach oben geben, wenn Sie beispielsweise so verlinken würden:
Lesen Sie doch mal hier über Polyandrie.

Das ist Web 2.0 Technologie. Ein Kennzeichen des Web 2.0 ist Teilen. Das ist ebenfalls ein Merkmal matriarchaler Gesellschaften.

Kommen wir zur Sache

So weit ich bis jetzt feststellen konnte, stimmen Matriarchat und Web 2.0 in allen ihren soziokulturellen Charakteristika überein, vergleiche dazu die Tabelle. (Wer einen Unterschied findet, bitte melden.) Das scheint noch niemandem aufgefallen zu sein. Na ja, die Mehrheit weiß ja kaum, was Web2.0 bedeutet.
Von denjenigen, die sich mit matriarchalen Strukturen auskennen, ganz zu schweigen.
Dabei könnten letztere zum Allgemeinwissen gehören (E-Kurs Matriarchat). Besonders bei den Kulturell Kreativen, den Alternativen, den Anarchisten, Neu-Denkern und Ausweg-Suchenden. Manche wissen auch Bescheid.

Vor ein paar Tagen wurde der US-Anarchist John Zerzan in der SZ zitiert:

“Seit den frühen siebziger Jahren haben wir ein deutlich anderes Bild von dem, wie das Leben in jener vorzivilisatorischen Zeit war, die vor rund zwei Millionen Jahren begann und vor ungefähr zehntausend Jahren endete. Diese Frühgeschichte wurde von Intelligenz, Egalitarismus und Gemeinschaft, einem hohen Maß an Freizeit, Gleichberechtigung der Geschlechter und keinem einzigen Hinweis auf organisierte Gewalt bestimmt.”

Für Clemens Wergin vom Blog des Tagesspiegel ist das wie für viele andere “alles gequirlter Unsinn”, und nicht nur dass er abwertet, was er offensichtlich nicht kennt, er verallgemeinert auch mal schnell: “…weshalb auch keiner von uns lieber in der Steinzeit leben würde als im 21. Jahrhundert.”

Er hat offenbar nicht den blassesten Schimmer von dem, was Zerzan seit den frühen siebzigern weiß und worauf er hinaus will. Oder will er es nicht wissen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Wergin ist nur ein Beispiel aus den etablierten Medien, die zur Gehirnwäsche beitragen.

Die Herausbildung von Hierarchie und Herrschaft im Vergleich zur Gentilgesellschaft (Sippe) wurde von Morgan, Engels, Cunow, Lippert, Müller-Lyer, Liedloff, Sigrist und und und … beschrieben. Malinowski präsentiert umfangreiches ethnologisches Material, und Wilhelm Reichs Forschungsberichte sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

Cunow schreibt beispielsweise in “Zur Urgeschichte der Ehe und Familie”: “Je schärfer die patriarchale Großfamilie sich herausbildet, in desto ausgesprocheneren Gegensatz gelangt sie jedoch zu der Totemgenossenschaft der Gens (Sippen). Die Hausväter eignen sich eine der Funktionen nach der anderen an, die früher der Gentilgenossenschaft zustanden.

Um das überlegene soziale Miteinander der vorpatriarchalen und heutigen matriarchalen Gesellschaften geht es, nicht darum mit Feuerstein einen Funken zu schlagen!

B. Malinowski berichtet 1927 von seinen jahrelangen Forschungen im Südpazifik: “Bei den Trobriandern, die ich sehr genau kenne, könnte ich keinen einzigen Mann und keine Frau nennen, die hysterisch oder auch nur neurasthenisch [nervenschwach] waren. Nervöse Tics, Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken waren nicht zu finden.”

Keine Neurosen, keine Perversionen sexueller oder sonstiger Art (Quelle) – Symptome, die bei uns bereits im Kindes- und Jugendlichenalter zu finden sind und dafür sorgen, dass Wartezimmer von Ärzten und Anwälten und die Zellen der Strafanstalten wohl gefüllt sind.

Aber wer will solche Fakten schon ernsthaft in Betracht ziehen und “einsinken” lassen? Das hätte ja Konsequenzen. Nein, das Patriarchat will überleben und derart subversive Gedanken sind gänzlich unerwünscht.

Aber fast unbemerkt wird es vom Web 2.0 unterwandert …


  • Commander Morgaine

    Der Funke ist bereits geschlagen. Und das ist gut so. Allerdings legen leider auch verschiedene Akteure Lunte und lassen Sprengladungen hochgehen, damit die Feuerwehr kommt und danach die Verordnung über das Verbot von Funkenschlag in Kraft treten kann. Und wieder stellen wir uns die Frage: Cui bono?

    Viele Grüsse :-)
    Morgaine
    “Generation Blogger”

  • Commander Morgaine

    Der Funke ist bereits geschlagen. Und das ist gut so. Allerdings legen leider auch verschiedene Akteure Lunte und lassen Sprengladungen hochgehen, damit die Feuerwehr kommt und danach die Verordnung über das Verbot von Funkenschlag in Kraft treten kann. Und wieder stellen wir uns die Frage: Cui bono?Viele Grüsse :-) Morgaine”Generation Blogger”

  • http://www.keimform.de/ Benni Bärmann

    Kann man vielleicht so sehen, was nur nicht ganz passt in der Argumentation, dass Wikipedia ein prototypisches Web-2.0-Projekt gilt. Schliesslich wird sie von ihren Lesern geschrieben! Unabhängig davon kann man an manchen Artikeln sehen, dass Matriarchatsthemen da keinen leichten Stand haben, aber das reflektiert wohl eher den generell schweren Stand dieser Themen.  Schau Dir mal zB. die Diskussionsseite zum Thema "Matriarchat" an. Da herrscht einfach enorm viel Arroganz. Das spricht aber meiner Meinung nach nicht gegen Wikipedia, sondern dafür sich da zu beteiligen.

  • http://www.keimform.de/ Benni Bärmann

    Kann man vielleicht so sehen, was nur nicht ganz passt in der Argumentation, dass Wikipedia ein prototypisches Web-2.0-Projekt gilt. Schliesslich wird sie von ihren Lesern geschrieben! Unabhängig davon kann man an manchen Artikeln sehen, dass Matriarchatsthemen da keinen leichten Stand haben, aber das reflektiert wohl eher den generell schweren Stand dieser Themen.  Schau Dir mal zB. die Diskussionsseite zum Thema "Matriarchat" an. Da herrscht einfach enorm viel Arroganz. Das spricht aber meiner Meinung nach nicht gegen Wikipedia, sondern dafür sich da zu beteiligen.

  • Hannelore

    Benni, was meinst du mit “prototypisch” – kommt im Text doch gar nicht vor?
    Bei der Wikipatria – ganz anders als beim DMOZ übrigens – ist bei ideologischen Themen keine sachliche Diskussion möglich. Das gilt nicht nur für Matriarchat.

    Diese ganz speziellen Artikel werden von bestimmten Leuten unter Beobachtung gehalten (geht ja technisch sehr gut) und sofort auf die vorige Version zurück gesetzt, wenn es diesen Beobachtern nicht in den Kram passt, egal, ob eine Begründung dabei ist oder nicht. (Kann ich dir sofort beweisen, wir müssten uns dafür nur privat absprechen.)

    Deshalb hat ja Larry Sanger (einer der Gründer der Wikipatria) Citizendium ins Leben gerufen.
    Ich bin überzeugt, dass das Problem mit den patriarchalen Traditionalisten bei der Wikipatria gelöst wird. Der Wikiscanner ist doch schon mal ein schüner Anfang :-) Aber bis es gelöst ist, nenne ich es Wikipatria.

    Bei Artikeln wie Matriarchat braucht es gleichzeitig mindestens 3 Leute, die sachlich argumentieren, um gegen die Destruktiven anzukommen. Da sind konstruktive Editoren gefordert, solches Verhalten zu entblößen.
    Denn: Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.

    Wer sich in der Wikpatria engagiert, könnte einen Teil der Zeit darin investieren, Fach-Leuten bei entsprechenden Artikeln den Rücken zu decken, auch wenn er/sie selbst nicht vom Fach ist.

  • Hannelore

    Benni, was meinst du mit “prototypisch” – kommt im Text doch gar nicht vor?
    Bei der Wikipatria – ganz anders als beim DMOZ übrigens – ist bei ideologischen Themen keine sachliche Diskussion möglich. Das gilt nicht nur für Matriarchat.

    Diese ganz speziellen Artikel werden von bestimmten Leuten unter Beobachtung gehalten (geht ja technisch sehr gut) und sofort auf die vorige Version zurück gesetzt, wenn es diesen Beobachtern nicht in den Kram passt, egal, ob eine Begründung dabei ist oder nicht. (Kann ich dir sofort beweisen, wir müssten uns dafür nur privat absprechen.)

    Deshalb hat ja Larry Sanger (einer der Gründer der Wikipatria) Citizendium ins Leben gerufen.
    Ich bin überzeugt, dass das Problem mit den patriarchalen Traditionalisten bei der Wikipatria gelöst wird. Der Wikiscanner ist doch schon mal ein schüner Anfang :-) Aber bis es gelöst ist, nenne ich es Wikipatria.

    Bei Artikeln wie Matriarchat braucht es gleichzeitig mindestens 3 Leute, die sachlich argumentieren, um gegen die Destruktiven anzukommen. Da sind konstruktive Editoren gefordert, solches Verhalten zu entblößen.
    Denn: Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.

    Wer sich in der Wikpatria engagiert, könnte einen Teil der Zeit darin investieren, Fach-Leuten bei entsprechenden Artikeln den Rücken zu decken, auch wenn er/sie selbst nicht vom Fach ist.