Wicker Man und das Wikipedia-Matriarchat

Wicker Man und das Wikipedia-Matriarchat

von Hannelore Vonier

“Wicker Man” ist ein Film mit Nicolas Cage. Guter Schauspieler, aber ich poste nicht wegen des Films, nicht direkt jedenfalls.
Darin kommt nämlich ein Matriarchat vor! Nein, nein, keine Stammesgesellschaft, sondern ein “Wikipedia-Matriarchat”.

Jens Lubbadeh, Filmkritiker beim Stern, schreibt

“Summersisle ist sowas wie eine Amish-Insel für Arme – die Bewohner leben unter mittelalterlichen Umständen, pflegen – und das ist durchaus ungewöhnlich anzuschauen – ein strenges Matriarchat. Organisiert wie ein Bienenstock umgarnen die “Schwestern” eine Königin (beeindruckend, wenn auch nur in einer Nebenrolle: Ellen Burstyn), erzeugen Honig und alle Agrarprodukte selbst. Das Matriarchat ist einer der Hauptunterschiede zum 73er-Original, wo Männer das Sagen hatten.”

Ja, Herr Lubbadeh nimmt das so hin, was Hollywood ihm vorsetzt. Gehört in eine Filmkritik nicht auch Kritik am Film? An den facts?
(Zur Klarstellung: In einem Matriarchat haben Frauen nicht das Sagen, weil es eine egalitäre Gesellschaftsform ist.)

Könnte es sein, dass der Mann auf Wikipedia-Niveau schreibt …?

Wer mal einen Einblick möchte, wie a) ideologisch durchtränkt die Wikipedia ist und b) wie patriarchale Ideologie in die Köpfe der Massen geträufelt wird, sollte einen kleinen Versionsvergleich machen:
Version vom 4.5.2005Version Stand 3.11.2006 [besonders köstlich: ... Frauen die Macht innehaben (siehe auch Frauenherrschaft)]

Dieses Beispiel ist nur einer der Wikipedia-Schildbürgerstreiche, aber es gibt noch mehr.
Und das ist auch der Grund, warum einer der Wikpedia-Mitbegründer, der Philosoph Larry Sanger, eine neue freie k o r r e k t e Wissendatenbank erstellen möchte, Citizendium - compendium of citizens. Die Gründungsphase ist gerade im Gange. Wesentlicher Unterschied: Es werden Experten hinzugezogen, vor allem Akademiker, die Einspruch erheben können, wenn Artikel “Falsches” aufweisen.

Nun könnte der Einspruch kommen: Dann ist es ein hierarchisches Gebilde und die Experten dominieren die Inhalte, anstelle der Laien.

Wer so argumentiert, ist vom patriarchalen Gleichmachungsvirus infiziert. Und behauptet, dass ein Mensch, der jahrelang ein Thema studiert, darüber gelesen, publiziert und Erfahrungen dazu gesammelt hat, nicht mehr beizutragen hätte als jeder Laie.

Was die “Experten” bei Citizendium sein werden, sind die Ältesten bei den matriarchalen Stammesgesellschaften. Wie sich das Projekt entwickeln wird, werden wir sehen. Aber es ist ein social Web2.0 project, und das Web2.0 boomt – äh, außer im deutschsprachigen Raum; hier ist es fast gleich Null, nicht vorhanden, Brachland – aber das ist eine andere Geschichte …

Jedenfalls könnte es sein, dass Filmkritiker demnächst auf Expertenwissen zurückgreifen können und in der Lage sein werden, Hollywood zu korrigieren!

+++

Zum Thema (engl.): Why make Room for Experts in Web 2.0?

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