Rette sich, wer kann!

Transformationsblog

Entstehung Patriarchat: Der Hunger

Teil 3 / 12 der Serie Entstehung Patriarchat

Hunger, Hungertod

Ein oder zwei schlechte Erntejahre zu erleben ist eine Sache. Mit ansehen zu müssen, wie die eigene Sippe nach und nach verhungert, ganze Dörfer und Städte durch Nahrungsmangel und Seuchen verschwinden, eine andere.

“Jüngere Augenzeugenberichte über kulturelle Veränderungen bei Hungersnöten und Unterernährung weisen auf einen sich daraus ergebenden Zusammenbruch der sozialen und Familienbindungen hin. Unter sehr harten Hungerbedingungen verlassen Ehemänner auf der Suche nach Nahrung ihre Frauen und Kinder. Manche kehren zurück, andere nicht. Hungernde Kinder und ältere Familienmitglieder sind in der Folge allein gelassen und müssen auf eigene Faust ihren Überlebenskampf führen. Solche Kinder schließen sich zu herumstreichenden Banden zusammen, um Nahrung zu stehlen, während die Sozialstrukturen völlig zusammenbrechen. Die Bindung zwischen Mutter und Kind scheint am längsten zu halten, aber schließlich wird auch die kurz vorm Verhungern stehende Mutter ihre Kinder verlassen.” (DeMeo 1997)

2005 stand in “Habari”, der Zeitung der Freunde der Serengeti (Schweiz):

Auch im Sudan herrscht eine Hungersnot. Veränderte klimatische Bedingungen, insbesondere lang anhaltende Trockenheit, haben verheerende Schäden an der Landwirtschaft verursacht. Im Niger sind es zuerst Kinder, die dem Hungertod zum Opfer fallen. Zudem sind zahlreiche Rinder durch die Hitze verendet. Spät einsetzender Regen bringt keine Erlösung, sondern neue Krankheiten wie Malaria.

Was geschieht in einer solchen Situation? Die Überlebenden machen sich auf, um Essbares aufzutreiben. Jagen und Sammeln war der Gemeinschaft nicht mehr möglich, denn es gab auf dem trockenen Boden nicht genug zu jagen oder zu sammeln. So wurden diese Menschen zu Nomaden, die den jährlichen Wanderungen der wilden Tierherden folgten.

Diese Menschen waren keine Hirten, denn sie besaßen die wilden Tierherden nicht. Besitzdenken war noch fremd. Sie zogen keine Zäune, sondern passten sich den Herdenbewegungen an. Und weil sie die Bewegungen der Herden nicht begrenzten, mussten sie mit Nahrungskonkurrenten, wie etwa Wölfen und anderen Raubtieren, teilen.

Mit anderen Worten: Unsere frühen Vorfahren waren keine Hirten – und das ist wichtig -, weil sie anderen den Zugang zu den Herden nicht versperrten. Und das wiederum taten sie nicht, weil Besitztum nicht zu ihrer emotionalen Prägung gehörte und nicht Teil ihrer kulturellen Lebensweise (des Paradigmas) war.

Aber die Ausbreitung der Wüste hielt an. Auch die Tiere litten Not und wurden weniger. Und jetzt waren unsere Vorfahren gezwungen, den ersten Schritt ins Patriarchat zu tun: Sie begannen den gewohnten Zugang zu Nahrungsressourcen (den Herden, denen man folgte) für die beteiligten Mit-Esser, wie den Raubtieren, zu verhindern.

Dieser Handlungsakt hatte enorme Konsequenzen, zu dem ich gleich komme. Hier ist ein Beispiel aus dem heutigen Afrika, das uns veranschaulicht, was sich in dieser oder ähnlicher Weise auch in der damaligen Zeit abspielte.

Am 12. Januar 2006 ging folgende Nachricht durch die Presse: Elefanten in Kenia verlassen Dürregebiete – Hunger und Dürre in Kenia haben so extreme Ausmaße angenommen, dass Elefanten auf der Suche nach Nahrung und Wasser ihre angestammten Lebensräume verlassen und in der Nähe von Siedlungen verhungernde Menschen angriffen, die versuchten ihre Ernte zu beschützen.

In der vergangenen Woche hätten Elefanten aus dem Nationalpark Tsavo-West zwei Dorfbewohner getötet, sagte am Donnerstag die Wildparkhüterin, Connie Maina. Probleme mit Elefanten wurden auch aus den Bezirken Lamu, Laikipia und Narok gemeldet. Als größte Landsäugetiere brauchen die Elefanten 110 bis 190 Liter Wasser am Tag.

„Wir versuchen, die Elefanten in den Park zurückzutreiben“, sagte die Sprecherin der Kenya Wildlife Services. Dabei werden Hubschrauber eingesetzt, die die Tiere aus der Luft zur Umkehr zwingen. Was geschieht, falls sich die Tiere nicht zurücktreiben lassen, wird in den Meldungen nicht erwähnt. Wir können es uns vorstellen: Sie werden abgeschossen, umgebracht.

Ebenso haben sich sowohl Menschen als auch Tiere vor ca. 7000 Jahren verhalten. Konkurrenz war entstanden.


Autor: Hannelore Vonier

Bloggerin mit dem leidenschaftlichen Drang, die destruktiven Kräfte in unserer Gesellschaft bekannt zu machen und Lösungen aufzuzeigen. Mehr über mich und diesen Blog.

4 Kommentare

  1. Pingback: Hannelore Vonier

  2. Liebe Hannelore,

    Deinen Post finde ich plausibel. Es könnte so gewesen sein.. LG Rainer

    rainers letzter Blog-Beitrag…Mißgunst

  3. Liebe Hannelore,

    Deinen Post finde ich plausibel. Es könnte so gewesen sein.. LG Rainer

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  4. Liebe Hannelore,

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