Hannelore Vonier

Was ist das patriarchale Paradigma?



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Kürzlich hatte ich ein Gespräch über den Begriff Paradigma, den ich verschiedentlich auf meinen Seiten verwende. Manchen ist nicht klar, was “patriarchales Paradigma” bedeutet und wie wir selbst in einem Paradigma “gefangen” sind.

Zum Begriff Paradigma:

Unter einem Paradigma versteht man ein Muster, Beispiel, Vorbild, Modell, eine Klasse, eine wissenschaftliche Richtung.
In der Linguistik etwa wird die Art wie Nomina dekliniert und Verben konjugiert werden, also der gesamte Formenbestand, den ein Wort haben kann, als das Paradigma dieses Wortes bezeichnet.

Auf wissenschaftsgeschichtliche Fragestellungen bezogen meint Paradigma eine zu einer bestimmten Zeit vorherrschende erkenntnisleitende Orientierung oder Forschungsmethode (z.B. das kopernikanische System).
Oder: wir verwenden den Sonnenkalender zur Zeitmessung, in anderen (z.B. arabischen) Kulturen richtet man sich nach dem Mondkalender. Das heißt: der Sonnenkalender ist unserem Paradigma immanent (innewohnend).

Es ist die Kenntnis, Erkenntnis- und Wissens”glocke” in der wir uns als Gruppe befinden, ein Netzwerk der Umgangsformen.

Salopp gesagt: Innerhalb eines Paradigmas werden dessen Elemente als normal und selbstverständlich empfunden.

Tradiert wird ein Paradigma - vereinfacht ausgedrückt - über Sprach-Konversationen (Verbalisierung + Gestik, Mimik), die mit dem Gefühlsbereich gekoppelt sind. Kleine Kinder erlernen die Gegebenheiten ihres Paradigmas, tragen sie gleichzeitig weiter und manifestieren sie damit. Ein Paradigma ist ein Selbstläufer, solange es funktioniert.

Beschreibung des patriarchalen Paradigmas:
Alle Aspekte des Lebens in den Industrieländern sind geprägt durch das „patriarchale Netzwerk der Umgangsformen“ – Patriarchat genannt.xe "Paradigma:patriarchales"
Dieses Netzwerk patriarchaler Konversationen offenbart sich in einem Lebensstil wo

  • Kampf,
  • Wettbewerb,
  • Hierarchie,
  • Gewalt und Zwang,
  • Macht,
  • Wachstum,
  • Fortschritt,
  • Kontrolle natürlicher Ressourcen,
  • Kontrolle und Beherrschung anderer durch die Inbesitznahme von Wahrheit,

charakteristisch sind.

Wettbewerb und Kampf Wollen wir beispielsweise etwas gegen soziale Ungerechtigkeit unternehmen, sprechen wir vom ‚Kampf gegen Armut und Ausbeutung’.

Möchten wir eine saubere Umgebung, kämpfen wir gegen die Umweltverschmutzung.

Wir kämpfen gegen den Krieg, Männer für eine Beförderung, Frauen für gleiche Behandlung, Kinder für bessere Noten, Alte für mehr Rente, Teenager um Anerkennung … Alle scheinen zu glauben, dass sämtliche Handlungen, die alltäglichen und die besonderen, den Einsatz von Gewalt erfordern.

Wir sind besessen von der Idee der Kontrolle - kontrollieren uns und unser Verhalten, unser Gewicht, unsere Gesundheit, wie unseren Kontostand; kontrollieren andere und deren Handlungsweisen mit der gleichen Selbstverständlichkeit, und ebenso unsere Kinder.

Wir wollen die Natur auf diesem Planeten kontrollieren und versuchen es mittlerweile auch mit dem Universum.

Abgrenzen mit GewaltBesitzen ist fundamental im patriarchalen Paradigma.

Wir leben mit Besitztum als Ausgangspunkt für alles Weitere, als wäre es legitim, die Bewegungsfreiheit anderer einzuschränken, während wir für uns selbst das Recht auf freie Entfaltung und Aktion beanspruchen.

Wir leben so, als hätten wir Besitzrechte an Naturschätzen, Anschauungen und Ideen, oder der Wahrheit. Der Ausdruck “geistiges Eigentum” spricht für sich.

Im patriarchalen Paradigma misstrauen wir der Selbstbestimmung anderer Individuen, besonders der von Kindern, Alten oder Kranken.

Wir nehmen uns ständig das Recht heraus, für andere zu entscheiden, was für sie richtig oder falsch ist. Das ist ein unentwegter Versuch, andere zu kontrollieren und läuft auf “alle kontrollieren alle” hinaus. So erhält sich das System von selbst.

Die hierarchischen Strukturen, in denen wir leben, tun noch ein Übriges dazu:
Wir verlangen Gehorsam voneinander und behaupten, dass Ordnung ohne Autorität und Fügsamkeit nicht möglich sei.
Wir bauen alle unsere Beziehungen auf zwei Kriterien auf: Überlegenheit oder Unterlegenheit.


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2 Kommentare zu "Was ist das patriarchale Paradigma?"

#1 der Gauzibauz Identicon Icon der Gauzibauz am 27.03.07 um 19:10

Schlimm ist, dass ich patriarchal handle, sogar denke und es erst merke, wenn überhaupt, wenn ich anecke.

#2 Anonymous Identicon Icon Anonymous am 31.03.07 um 16:27

Anecken wird man vor allem, wenn man nicht patriarchal handelt. Sind doch die Gesetze so, dass sie eben patriarchales Handeln erzwingen. Wie diesem Teufelskreis entkommen?
Die einzige Möglichkeit, die ich sehe ist: die Machtanhäufung sooft es geht zu unterlaufen! Nur leider sind wir sehr wenige, und die anderen sehr viele und haben zudem noch sehr viele Handlager und Wasserträger.

gruß
Lancelot
http://www.matriarchat.siteboard.de

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